Einige Piraten-Puppen wurden vom Großbrand verschont. (Archivbild) Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Ein Großfeuer zerstörte vor 26 Monaten Teile von Deutschlands größtem Freizeitpark. Der Schweizer Charles R. Botta managt den Wiederaufbau. Statt wie bisher Fußball-WM-Arenen baut er nun die Show-Kulisse für „Piraten“. Und kämpft mit dem Brandschutz.

Rust - Charles R. Botta hat sein Büro direkt neben der Baustelle. Beim Großbrand vor mehr als zwei Jahren in Deutschlands größtem Freizeitpark gingen die Flammen bis fast an die Haustür. Botta managt nun den Wiederaufbau. Der 68 Jahre alte Schweizer, der für Fußball-Weltmeisterschaften rund um den Globus Stadien baute, leitet die Arbeiten im Europa-Park in Rust bei Freiburg. Mit der Wiedereröffnung einer damals durch das Feuer komplett zerstörten Fahrattraktion nächsten Dienstag (28.7.) finden sie ihren Abschluss.

Die Brandspuren sind beseitigt, die Bauarbeiter kurz vor dem Finale ihres Einsatzes. Am 26. Mai 2018 war in einem eng bebauten Areal des Freizeitparks ein Großfeuer ausgebrochen. Die Themenbereiche Skandinavien und Holland fielen größtenteils den Flammen zum Opfer. Zerstört wurden Restaurants, Geschäfte und eine Fahrattraktion.

Die ersten Bauten hat der Park vor einem Jahr wiedereröffnet. Nun folgt die aus dem Jahr 1987 stammende Attraktion „Piraten in Batavia“. Fans hatten unter anderem mit Unterschriftenaktionen den Wiederaufbau der Bahn gefordert, bei der Besucher in Booten durch eine Fantasiewelt rund um die Stadt Batavia im 18. Jahrhundert fahren. Am 28. Juli geht sie wieder in Betrieb, der Neuaufbau nach dem Großfeuer ist damit abgeschlossen. Ein hoher zweistelliger Millionenbetrag sei investiert worden, sagt der Inhaber des Parks, Roland Mack.

Eine besondere Baustelle

„Es ist eine besondere Baustelle“, sagt Botta, der in Rust Bauleiter ist. Der Unternehmer hat lange für den Fußball-Weltverband FIFA gebaut. Für die Weltmeisterschaften 2010, 2014 und 2018 errichtete und modernisierte er zehn Fußballstadien in Südafrika, zwölf in Brasilien und zwölf in Russland. Hinzu kamen unter anderem der Bau des neuen FIFA-Hauptquartiers in Zürich, Bauten für die Olympischen Spiele 2014 im russischen Sotschi und 50 Einkaufszentren in den USA. Für ihn heißt es nun: Freizeitpark statt Fußballstadion. Nach einem Hotel und der Wasserwelt „Rulantica“ in Rust, beides im vergangenen Jahr eröffnet, baut er nun die Piraten-Bahn.

„Ob Fußball oder Vergnügungspark: Aufgabe ist es, mit unseren Bauten Freude zu bereiten und einen Ort für Emotionen zu schaffen“, sagt Botta. „Und der Zuschauer oder Besucher soll nicht merken, welch immense Arbeit und Technik dahinter steckt.“ In einem Neubau entstehe die Kulisse für eine Themenfahrt mit einem Wasserkanal für Boote und 88 beweglichen Figuren - unter anderem Piraten, Affen, Krokodile und Schlangen. Hinzu kommen Licht- und Geräuschinstallationen sowie Bauten mit Tempeln, Dschungel und Fantasiewelten.

„Die Vielzahl der Beteiligten macht das Vorhaben spannend“, sagt Botta. Designer, Licht- und Tontechniker, Show-Experten und andere seien mit dabei. Ihre Interessen unter einen Hut zu bekommen, mache die Arbeit besonders. Mit gewöhnlichen Baustellen seien Show-Bauten in Vergnügungsparks daher nicht zu vergleichen, betont ein Sprecher des Verbandes Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen.

Fahrgeschäfte sollen modernisiert werden

„30 Millionen Menschen haben die Piraten bis zum Brand erlebt“, sagt Europa-Park-Chef Mack. Beim Wiederaufbau werde versucht, das Fahrgeschäft zu modernisieren, ohne dass Erinnerungen an die frühere Bahn verloren gehen. Lediglich acht Piratenfiguren haben den Brand überstanden. Sie kommen nun auch in der neuen Bahn zum Einsatz.

Für die Arbeiten gebe es erhöhte Sicherheitsvorschriften, sagt der Landrat des Ortenaukreises, Frank Scherer (parteilos). Gründe sind die enge Bauweise in dem Freizeitpark, die hohe Zahl von Holzbauten und die Vielzahl der Besucher, deren Sicherheit garantiert sein müsse.

„Der stark erhöhte Brandschutz begleitet uns seit Beginn der Arbeiten“, sagt Bauleiter Botta. Feuer wie Ende Mai 2018 sollen sich nicht wiederholen. Standen früher Holzbauten auf dem Gelände, seien die Gebäude nun aus Beton – mit einer Holzfassade. Dass sich Flammen durch mehrere Gebäude ihren Weg bahnen, soll so verhindert werden.

Der Großbrand war laut Staatsanwaltschaft durch einen technischen Defekt entstanden und hatte einen Millionenschaden verursacht. Bei dem Feuer wurden sieben Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr leicht verletzt. Rund 500 Frauen und Männer waren an dem Einsatz beteiligt. An dem Tag waren rund 25 000 Besucher in dem Freizeitpark.

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