Verschiedene Ereignisse auf wirtschaftlicher und politischer Ebene haben die Börsenkurse nachhaltig beeinflusst. Foto: Tima Miroshnichenko/Pexels

Die deutsche Börse erlebte in den letzten Wochen und Monaten erhebliche Kursschwankungen. Dabei kamen die zum Teil heftigen Kursänderungen für viele Anleger durchaus nicht überraschend.

Zu lange war schon absehbar, dass verschiedene Ereignisse auf wirtschaftlicher und politischer Ebene die Börsenkurse nachhaltig beeinflussen würden. Trotzdem kamen die Kursausbrüche in ihrer Heftigkeit für die meisten Anleger und Börsenhändler absolut überraschend. Dabei spielten allerdings einige wichtige Ereignisse durchaus eine entscheidende Rolle.

Steigende Inflation bedroht die weltweiten Börsenkurse

Nachdem die USA bereits bekanntgegeben haben das sie eine Inflationsrate von bis zu vier Prozent erwarten wurde kurzdarauf auch von Seiten der EU bekanntgegeben das sie eine ähnlich hohe Inflation für den europäischen Wirtschaftsraum erwarten. Für die Börsen waren nicht alleine diese Nachrichten ein Schock, sondern vielmehr spiegelten verschiedene Börsenkurse - wie zum Beispiel der Dax Index - die Unsicherheit und das mangelnde Vertrauen der Börsianer wieder. Denn diese haben durchaus berechtigte Zweifel, ob es bei dieser Inflationsrate bleibt oder ob man im schlimmsten Fall vor dem Beginn einer internationalen Inflationsspirale steht. Das Problem dabei ist nicht nur die von den Regierungen anvisierte Inflation, sondern vielmehr auch die ausufernden Preissteigerungen, die aufgrund der internationalen Wirtschaftslage immer bedrohlichere Ausmaße annimmt.

Nicht enden wollender Brexit

Eine weitere Belastung – gerade für die europäischen Börsen ist das Ausscheiden des Vereinigten Königreichs as der EU. Obwohl die Trennung schon seit 2016 mehr oder weniger beschlossene Sache ist konnten sich die beteiligten Länder in vielen Bereichen noch immer nicht auf reell praktizierbaren Regelungen einigen. Hier gibt es zwar ein rudimentäres Regel- und Gesetzeswerk, allerdings sind viele in der Realität gar nicht oder nur schwer umsetzbar was zum Beispiel die riesigen LKW-Parkplätze im Süden Englands oder die Probleme bei der inner-britischen Grenze zwischen Nordirland und Großbritannien eindrucksvoll belegen.
Ein weitaus heftigerer Schlag für die Börse stellte allerdings die Tatsache dar, dass es der EU und Großbritannien nicht gelungen ist sich auf ein Abkommen für die Bereiche Dienstleistungen und Finanzen zu einigen. Die Folgen sind dabei nicht nur für die Wirtschaft des Vereinigte Königreich verheerend – auch an der deutschen Börse führte das z.B. bei den deutschen Versicherern zu erheblichen Kurseinbrüchen.

Politische Umwälzungen und Zielsetzungen belasten die deutsche Wirtschaft

Eine wirkliche Bürde stellt für die deutsche Wirtschaft mittlerweile die politische Entwicklung dar. Aufgrund des fortschreitenden Klimawandels haben verschiedene Länder umfangreiche Gegenmaßnahmen geplant. So will die deutsche Bundesregierung zum Beispiel nicht nur den Ausstieg aus der Kohleenergie vorantreiben, sondern auch in einem Zeitraum von zehn Jahren die Produktion von Benzin und Dieselfahrzeugen komplett unterbinden. Alternativ sollen dafür in Zukunft vorrangig Elektroautos die Autobahnen nutzen. Das Problem bei diesen Vorhaben ist allerdings die Umsetzbarkeit. So gibt es bislang noch keine konkreten Pläne für den Aufbau einen Elektro-Ladesäulen-Netzes. Zudem ist bislang die Stromversorgung nach dem Wegfall der Kohlegewinnung absolut nicht gesichert. Preissteigerungen aufgrund der CO2-Zertifikate in Bereichen wie Heizungen und Kraftstoff belasten zusätzlich die deutschen Unternehmen und führen vielerorts zu deutlichen Kurs- und Gewinnberichtigungen an der Börse.

Deutsche Wirtschaft profitiert von eigener Stärke

Trotz der allgemeinen weltweiten Entwicklung ist gerade an der deutschen Börse in den letzten Tagen eine leichte Erholung bei den Kurswerten zu verzeichnen.  Die Gründe dafür liegen für viele Analysten allerdings vorrangig an der Stärke und Flexibilität der deutschen Unternehmen.  Gerade den börsendotierten Unternehmen ist es - zum Teil mit erheblichen finanziellen Investitionen - gelungen sich auf die neuen Vorgaben und Entwicklungen einzustellen. Unternehmen wie VW, die Deutsche Bahn oder Airbus treiben die eigene Entwicklung und Umstellung auf die neue wirtschaftspolitische Ausrichtung mit Milliardeninvestitionen in erheblichem Maß voran.  Diese vorausschauenden Maßnahmen werden natürlich auch von den Anlegern und Börsianern entsprechend honoriert, was in der letzten Zeit tatsächlich zu einigen moderaten Kursgewinnen geführt hat.

Die Bundesregierung ist in der Pflicht

Trotzdem sollte man die aktuelle positive Entwicklung nicht überbewerten den tatsächlich gibt es auch auf längere Sicht durchaus nicht unerhebliche Risiken für die börsendotierten Unternehmen. Eines der Hauptrisiken geht dabei tatsächlich von der Bundesregierung aus. Sollte sie es nicht schaffen die gesetzlichen Grundlagen für die von Ihnen vorgegebenen Wirtschafts- und Klimapolitische Zielsetzungen zu schaffen und entsprechende Innovationen - wie zum Beispiel die Schaffung eines Elektro-Tanksäulen-Netzwerkes – voranzutreiben, dann werden viele Unternehmen in naher Zukunft vor erheblichen Problemen stehen. Somit bleibt abzuwarten, ob die Kursentwicklung an den Börsen auch auf Dauer auch einen langfristigen Trend darstellen kann.

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