In Indien trat der Pilz, der Gewebe schwarz färbt, zum ersten Mal auf. Nun wurde er auch in Bolivien bei einer Corona-Infektion entdeckt. Foto: dpa/Sri Loganathan

Vor Monaten tauchte in Indien bei zahlreichen Covid-Patienten eine Pilzerkrankung auf, die tödlich verlaufen kann. Nun meldet auch Bolivien einen Fall vom schwarzen Pilz, bei dem ein Erkrankter seine Zähne verlor.

Nach einigen Tausend Fällen in Indien, Irak, Iran, Guatemala und Uruguay hat der als „Schwarzer Pilz“ bekannte Mukormykose-Pilz, eine gefährliche Nebenerkrankung des Coronavirus, auch einen Covid-Infizierten in der bolivianischen Stadt Cochabamba befallen. Die Pilzinfektion tritt immer wieder nach einer Coronavirus-Infektion auf, gilt zwar noch als selten, dafür aber als sehr gefährlich. Die indische Regierung hat infolge stark zunehmender Fälle im Mai spezielle Mukormykose-Abteilungen einrichten müssen.

Wie der jüngste Vorfall bestätigt, verbreitet sich der „schwarze Pilz“ weiter, aktuell in Südamerika. Ein 42-jähriger Mann kam laut bolivianischen Gesundheitsministeriums nach einer Corona-Erkrankung Ende des vergangenen Monats in ein Krankenhaus in Cochabamba. Aufgrund eines schweren Verlaufes musste der Patient zweimal operiert und auf der Intensivstation behandelt werden. Der „schwarze Pilz“ kam als Begleiterscheinung zur Virusinfektion und sorgte dafür, dass dem Mann die Zähne ausfielen.

Was zum „schwarzen Pilz“ bislang bekannt ist

Die meisten der weltweit verzeichneten Mukormykose-Fälle traten bislang in Indien auf. Dort waren im Zuge der schweren Infektionswelle im Frühling Tausende Menschen von der Pilzerkrankung betroffen. Besonders gehäuft traf es Corona-Patienten. In weniger schweren Zeiten werden sonst nur ein paar Dutzend Mukormykose-Erkrankungen pro Jahr registriert. Beobachter von der indischen Tageszeitung „Hindustan Times“ gehen von weit über 7000 Fälle und mehreren Hundert Toten wegen des Pilzes aus. Genaue Zahlen gebe es aber keine, dafür wird mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet.

Ausgelöst wird die Krankheit durch Schimmelpilze, die in der Erde stecken und vor allem auf organischem, verwesendem Material gedeihen können. Über Einatmen oder Verletzungen der Haut kommen die Erreger in den Organismus und setzen sich meistens in den Nebenhöhlen fest. Sie ist aber nicht von Mensch zu Mensch zu übertragen. Gerade in Kliniken, wo Luftbefeuchter oder Tanks mit verschmutztem Wasser aufgestellt sind, verbreiten sich die Viren.

Wie gefährlich ist der Pilz und warum trifft er Corona-Infizierte?

Der „schwarze Pilz“ gilt als gefährlich und bedarf einer schnellen Therapie. Experten der amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC schätzen die Gefahr, an dieser Art der Pilzinfektion zu versterben, auf 54 Prozent. Entsprechend dem Namen färben sich Teile des Gesichts, oft die Nase, schwarz. Die Schwarzfärbung geht auf abgestorbenes Gewebe zurück. Ist Gewebe davon befallen, muss es rasch entfernt werden, damit es sich nicht weiter im Gesicht des Patienten ausbreiten kann. Gerade immungeschwächte Personen – durch Krebs, Diabetes, Leukämie, eine Transplantation oder eine sonstige Immunschwächekrankheit – sind besonders gefährdet.

Corona-Erkrankte sind häufiger vom „schwarzen Pilz“ betroffen, besonders wenn sie zudem noch ein Diabetes-Problem mitbringen. Da – auch in Indien – viele Menschen nach einer Corona-Infektion mit Kortison behandelt worden sind, stieg der Anteil der Mukormykose-Patienten an, da der Pilz besonders schnell auf immunsupprimierte Organismen reagiert. Kortisonpräparate unterdrücken das Immunsystem. Behandelt wird der „schwarze Pilz“ mit Amphotericin B, einem Medikament gegen schwere Pilzerkrankungen. In Industrieländern ist das Medikament deutlich häufiger zu bekommen, als es in Indien der Fall war. Auch deshalb war die Todesrate hoch.

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