Nichts geht mehr: Weil die Fähr- und Zugverbindungen von Großbritannien nach Frankreich unterbrochen sind, sitzen etliche Lkw-Fahrer mit ihren Lastwagen in der südenglischen Grafschaft Kent fest. Foto: dpa/Kirsty Wigglesworth

Die Weihnachtsbesuche in der Heimat fallen aus. Erst im Januar sollen wieder Reisen unter Auflagen möglich sein. Derweil arbeiten die Regierungen in London und Paris mit Hochdruck daran, den Warenverkehr über den Ärmelkanal wieder in Gang zu bringen. Gelingt das nicht, drohen auf der Insel schon bald Versorgungsengpässe.

Berlin - Die Bundesregierung hat den Reiseverkehr von Großbritannien in Richtung Deutschland weiter eingeschränkt, um eine Ausbreitung des mutierten Coronavirus zu erschweren. Seit Dienstag ist es Transportunternehmen untersagt, Passagiere per Flugzeug, Schiff, Bus oder Bahn von der Insel aus nach Deutschland zu bringen. Das Gleiche gilt für Reisende aus Südafrika, wo die Virusmutation ebenfalls aufgetreten ist. Dies geht aus einer neuen Verordnung des Gesundheitsministeriums hervor.

Deutsche, die sich gegenwärtig in einem der beiden Länder aufhalten und über die Weihnachtsfeiertage in die Heimat reisen wollen, müssen wohl von ihren Plänen Abschied nehmen. Betroffen sind ebenso Ausländer mit Wohnsitz und Aufenthaltsrecht in Deutschland. Denn Transporte von Angehörigen dieser beiden Gruppen in Richtung Bundesrepublik werden der Verordnung zufolge erst wieder vom 1. Januar 2021 an gestattet. Ab dann geplante Flüge müssen drei Tage vorher bei den deutschen Behörden angemeldet und von diesen genehmigt werden.

EU-Kommission appelliert an Mitgliedstaaten

Die deutsche Botschaft in London schrieb auf ihrer Webseite, dass das Beförderungsverbot für alle anderen Personen – also zum Beispiel für Briten ohne Wohnsitz in Deutschland – voraussichtlich bis zum 6. Januar gelten werde.

Die Bundesregierung hatte zum Wochenbeginn bereits Passagierflüge aus Großbritannien Richtung Deutschland untersagt. Nun kamen weitere Regelungen hinzu, zudem wurde der Beförderungsstopp auch auf Reisende aus Südafrika ausgedehnt. Wer seit Dienstag nach Deutschland einreist und sich in den zehn Tagen zuvor in einem der beiden Länder aufhielt, muss einen negativen Corona-Test vorweisen. Für Reisende aus Deutschland in Richtung Großbritannien oder Südafrika gelten alle genannten Einschränkungen nicht. Neben Deutschland hatten in den vergangenen Tagen auch zahlreiche andere Staaten den Verkehr aus dem Vereinigten Königreich aus Gründen des Infektionsschutzes drastisch eingeschränkt. Ein gemeinsames Vorgehen auf EU-Ebene gibt es bisher nicht, obwohl Gespräche dazu laufen. Die Brüsseler Kommission appellierte am Dienstag an die Mitgliedstaaten, auf pauschale Transportverbote zu verzichten. Wichtige Reisen müssten möglich und Lieferketten erhalten bleiben.

Briten sind auf EU-Importe angewiesen

Frankreich reagierte und will zunächst einmal seine Sperre für Reisende aus Großbritannien lockern. Flugzeuge, Schiffe und der Eurostar-Zug könnten vom Mittwochmorgen an wieder verkehren, teilte der Beigeordnete Minister für Verkehr, Jean-Baptiste Djebbari, am Abend mit. Französische Staatsbürger, Menschen mit Wohnsitz in Frankreich und andere autorisierte Reisende müssten einen negativen Corona-Test haben.

Im Südosten Englands warteten am Dienstag weiter mehr als 1500 Trucker mit ihren Fahrzeugen auf die Passage. Schon bald ist mit Versorgungsengpässen auf der Insel zu rechnen, insbesondere bei frischen Produkten wie Obst und Gemüse. Können die Lastwagen das Königreich nicht verlassen, finden Warenlieferungen vom Kontinent gar nicht erst statt, obwohl diese grundsätzlich weiter möglich sind. Großbritannien führt zurzeit etwa 80 Prozent seiner Lebensmittel aus der EU ein.

Die Regierungen in Paris und London arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, den Warenverkehr wieder zum Laufen zu bringen. Eine Lösung könnte darin bestehen, Lkw-Fahrer auf britischer Seite systematisch auf das Virus zu testen.

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