Pianist Michail Lifits am Flügel. Foto: Iris Frey

Nach einem Dreivierteljahr Corona-Pause gab es am Sonntag wieder das erste klassische Konzert in Bad Cannstatt mit Pianist Michail Lifits bei Cultur in Cannstatt im Großen Kursaal.

Bad Cannstatt - Endlich wieder ein Konzert. Nach einem Dreivierteljahr Corona-Pause hat Cultur in Cannstatt mit einem Meisterkonzert wieder zahlreiche Besucher erfreut. Der Pianist Michail Lifits sorgte für begeisterten Applaus der rund 100 Besucher beim ersten Konzert im Großen Kursaal am Sonntag und damit auch für strahlende Gesichter beim Vereinsvorsitzenden Manfred Elser und seinem künstlerischen Leiter Marin Smesnoi.

Gleich bei den ersten Tönen war klar, hier sitzt ein herausragender Pianist, der seit zehn Jahren an der Weltspitze spielt. Er hatte sich Robert Schumanns Fantasie C-Dur op. 17 ausgesucht, die 1839 veröffentlicht wurde und zu dessen bedeutendsten Werken für das Klavier zählt. Schumann hat sie Franz Liszt gewidmet. Das Musikstück fasziniert durch seine Leidenschaftlichkeit und Kraft.

Brillantes Spiel

Brillantes Spiel

Lifits verstand es, das romantische Werk brillant zu interpretieren. Mitreißend das Forte Fortissimo, kraftvoll und energiereich, dann wieder sich zurücknehmend in den kleinsten Piano-Passagen. Die Zuhörer erfreuten sich in den harmonischen Passagen, fast träumerisch, aber waren auch fasziniert von der forschen, losstrebenden und stürmischen Musikfülle. Mal leicht wie der Sommerwind und erhellend wie die Sonnenstrahlen, die in den Kursaal fielen, dann wieder kräftig akzentreich. Lifits schaffte mit scheinbarer Leichtigkeit, das anspruchsvolle Werk, welches auch viel gegenläufige Sprünge der Hände beinhaltet und technisch sehr herausfordernd ist, brillant zu interpretieren. Zugleich schien er immer mehr mit dem Instrument zu verschmelzen. Teilweise mit geschlossenen Augen spielte er in höchster Konzentration. Herausragend und von Beginn an auffallend sein exzellenter Anschlag beim Spiel. Schnelle Passagen, die so unglaublich quirlig wirkten, und angenehm perlend das Ohr verwöhnten. Wie viel Jahre Erfahrung, Übung und Ausarbeitung steckt in diesem Spiel. Die Musik ergriff den Pianisten. Ihm gelang es, auch die schwierigsten Passagen meisterhaft zu präsentieren.

International gefeiert

Das Publikum hielt fast den Atem an, um die Klangfülle in vollen Zügen genießen zu können. Der Pianist, der 1982 in Taschkent/Usbekistan zur Welt kam und seit dem 16. Lebensjahr in Deutschland lebt, ist preisgekrönt und international gefeiert. Mit seinem zweiten Stück, Ludwig van Beethovens letzter Sonate, c-moll op. 11, die 1821/22 komponiert wurde, legte Lifits ein weiteres Glanzstück vor. Schon die Maestoso-Einleitung, die sich kräftig und dramatisch steigert und mit Trillern dem Pianisten einiges abverlangt, bevor es in das Hauptthema geht. Auch hier legte der Pianist meisterliches Spiel vor, klar akzentuiert, gerade auch im Kontrapunktischen. Auch jetzt verschmolz der Künstler ganz mit seinem Instrument. Die Zuhörer genossen das Musikerlebnis nach der langen Corona-Pause, welches Lifits hier herzauberte. Die schnellen, perligen Passagen faszinierten hier ebenso in der Beethoven- Klangwelt, die nochmals aus des Lebens Fülle schöpfte. Bei beiden Stücken gab es Bravo-Rufe. In einer Zugabe zeigte der Meister seine zarte virtuose Seite, die auch im leisesten Pianissimo noch besonderen Ausdruck setzt. Lifits hat einmal mehr bewiesen, welch grandiose Klangfülle im Steinway-D-Flügel des Kursaals steckt.

Für 8. August plant Cultur in Cannstatt um 16 und um 19 Uhr den Auftritt des Eliot-Quartetts mit Werken von Anton Webern und Franz Schubert. Infos: www.cultur-in-cannstatt.de.

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