Er kam, sprach und siegte: Erik Leichter aus Hannover entscheidet den ersten Stuttgarter Open-Air Erotic Slam für sich. Foto: Andrea Eisenmann

Der Stuttgarter Erotic Slam, eine Art erotischer Dichterwettstreit, wurde in den vergangenen Jahren bereits schon mehrfach ausgetragen. Am Samstag erlebte er seine Premiere jedoch unter freiem Himmel. Auf dem Zaißerei Weingut trugen fünf Autoren selbst verfasste Texte rund um die Themen Liebe, Sex und Lust vor.

Münster - Es gibt die nicht ganz neue Werbeweisheit „Sex sells“, zu Deutsch: „Sex verkauft sich“. Und irgendwie scheint an dieser bis heute etwas dran zu sein – war der am Samstag veranstaltete Open-Air Stuttgarter Erotik Slam, eine Art erotischer Dichterwettstreit, doch bereits nach kurzer Zeit ausverkauft. Im Zaißerei Weingut ergötzten sich an diesem Abend Besucher knapp zweieinhalb Stunden an geistreichen, selbstironischen, liebevollen, knallharten und schlüpfrigen Geschichten rund um das Thema Beischlaf. Natürlich alles „corona-konform“. Sprich: Auf den Tischen waren neben zweideutigem Naschwerk wie Vagina-Gummibärchen kleine Spender mit Desinfektionsmittel zu finden und das Tragen von Masken wurde auf dem Gelände empfohlen.

Das Konzept der Veranstaltung? „Wir laden die besten Slampoeten und Poetinnen aus der ganzen Republik ein, um die Zuschauer mit ihren Bühnentexten zu betören“, sagt Thomas Geyer vom Veranstalter „Sprechstation“. Stilistisch gibt es keine Vorgaben oder Grenzen – solange sich die selbst verfassten Texte um Liebe, Sex und Lust drehen und in einem Zeitraum von unter sechs Minuten vorgetragen werden. Die einzige Änderung gegenüber den sonst üblichen Regeln eines Poetry Slam: Das Kostümverbot ist aufgehoben. Die Wortkünstler dürfen also auch durch ihre Kleidung – oder durch die Abwesenheit derselben – um Stimmen buhlen. Auf viel nackte Haut setzte an diesem Abend jedoch keiner der fünf angereisten Wettstreiter. Obgleich Max Osswald aus München versprach, pro Zwischenapplaus einen Knopf seines Hemds zu öffnen – ein Versprechen, das er denn auch bereitwillig erfüllte.

Mehr Erotik versprühten da schon die Texte. Mit den einführenden Worten „Ich war jung, naiv und frisch verlassen“ berichte Tonia Krupinski aus Tübingen über ihre Erfahrungen mit der Dating-App „Tinder“ und der Tatsache, dass sie zunächst keinen Schimmer hatte, „wie ein Fick-Treff“ ablaufen würde. Autor Erik Leichter punktete mit Selbstironie und Humor. Seine Texte, betonte der Hannoveraner, seien wie Sex: Für ihn unangenehm, alle hätten große Erwartungen, seien am Ende dann aber enttäuscht. Und beides bleibe „unter sieben Minuten“. Unter dem Titel „Aprikosen-Marmelade“ beschrieb Anna Teufel aus Nürnberg – „Ich bin Penisse gewöhnt“ – ihr erstes Mal mit einer Frau, während Marina Sigl aus Konstanz das Publikum mit Vergleichen wie „Sex klingt, wie panisch in Flipflops auf den nächsten Bus zu rennen“ verzückte. Der Münchner Max Osswald entschied sich für eine „Hymne auf den Hintern“, im Finale sollte noch ein Brief an seinen Penis mit Namen „Zeus“ folgen. Kurzum: Alle Wortakrobaten hatten unterschiedliche wie begeisternde Texte – alle aus der eigenen Feder – mitgebracht.

Entschied zunächst eine fünfköpfige Jury aus Zuschauern über ein Weiterkommen, durften sich in der finalen Runde alle Anwesenden ein Urteil fällen. Und dabei galt: Wer den meisten Applaus bekommt, gewinnt. An diesem Abend konnte sich kurz vor 23 Uhr Erik Leichter über Blumen, Sekt und eine Federstola freuen. Wie er letztere übrigens mit Leidenschaft und Hingabe bei künftigen Auftritten einsetzen kann, sollte er sich von Burlesque-Performerin Violetta Poison aus Stuttgart abschauen. An diesem heißen Sommerabend zeigte die Künstlerin dem Publikum, wie sich nicht nur mit Sprache, sondern auch mit dem Körper verführen lässt.

In den kommenden Wochen sind noch acht weitere Open-Air Kulturveranstaltungen auf dem Weingut Zaißerei geplant – darunter eine Erotik-Revue und Lesungen mit verschiedenen Autoren. Weitere Infos gibt es im Internet unter: www.poesieundoechsle.com.

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