Fellbach (red) - Das Modell der Ganztagsgrundschule kommt an. Auch in der Kappelbergstadt besteht bei berufstätigen Eltern eine große Nachfrage nach regelmäßiger Begleitung und Förderung sowie umfassender Betreuung ihrer Kinder. Über die Erfahrungen mit der Schulform wurde jüngst im Sozialausschuss berichtet.

Neben der Anne-Frank-Schule in Schmiden, die bereits im Schuljahr 2011/12 zu einer offenen Ganztagsschule umgewandelt wurde, gibt es seit dem Schuljahr 2015/16 auch an der Albert-Schweitzer- und der Zeppelinschule für die Klassenstufen 1 bis 4 das Ganztagsangebot in Wahlform an drei Tagen in der Woche. An der Wichernschule wurde das Ganztagsangebot in verpflichtender Form eingeführt.

Von den Vorteilen und Problemen des Systems Ganztagesgrundschule berichteten Schulleiterin Renate Czischek von der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) und Felix Hug vom Kooperationspartner TSV Schmiden in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses. Eltern, deren Kinder an der ASS am Ganztagsschulbetrieb teilnehmen, können sich zusätzlich für eine Betreuung von 7 Uhr bis Schulbeginn, eine Betreuung nach Unterrichtsschluss bis 17 Uhr oder eine Kombination beider Angebote entscheiden. Noch differenzierter sind die Angebote für Kinder, die nicht am Ganztagsschulbetrieb teilnehmen. Für sie gibt es die Möglichkeit der Frühbetreuung von Montag bis Freitag, der Betreuung nach dem Vormittagsunterricht bis zum Beginn des Nachmittagsunterrichts an fünf oder drei Nachmittagen, sowie die Kombination von Frühbetreuung mit den beiden Mittagsbetreuungsangeboten.

„Diese Angebotsvielfalt ist enorm“, betont Czischek. Das System gewähre Eltern größtmögliche Flexibilität bei der Wahl der auf die Familiensituation zutreffenden Angebote. Für die Schulleiterin und ihr Team bringen das komplizierte Baukastensystem und die Monetarisierung aber natürlich auch eine Menge bürokratischen Aufwand mit sich. Dank eines neuen digitalen Anmeldesystems kann inzwischen zumindest ein Chaos bei der Belegung von Angeboten vermieden werden.

Mit dem TSV Schmiden hat man einen bewährten Kooperationspartner, der mit 87 verschiedenen AG-Angeboten dafür sorgt, dass beim Nachwuchs keine Langeweile aufkommt. Ob Sport, Basteln oder Gesellschaftsspiele die Auswahl ist abwechslungsreich und vielseitig. Ganztagsschule bedeutet nicht Überwachung und Stress, erklärt Hug. Es werde auch Wert darauf gelegt, dass die Kinder an einem anstrengenden 10-Stunden- Tag auch Freiräume und Möglichkeiten zur Entspannung haben. An der Albert-Schweitzer-Schule sind 60 von 180 Kindern im Ganztagsbetrieb angemeldet, 70 weitere Schülerinnen und Schüler nutzen andere Betreuungsformen.

„Wir haben eine Veränderung des Bedarfs bemerkt. Das Angebot für Nicht-Ganztagsschüler ist so attraktiv, dass der Zulauf zur Ganztagsschule stagniert“, bedauert Czischek. Schließlich gibt es nur für die Ganztagsbetreuung finanzielle Mittel vom Land. Die Ganztagsschule als verpflichtende Form schließt sie allerdings kategorisch aus: „Es muss die freie Wahl geben“. Auch die Personalfindung für die Betreuung gestaltet sich schwierig, wie Hug erläutert: „Aufgrund der begrenzten Arbeitszeiten ist es relativ schwierig, qualifizierte Kräfte zu finden.“

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