Während viele Jahre vor allem Radfahrer im Fokus der Verkehrsplaner in Leinfelden-Echterdingen standen, rücken nun die Fußgänger in den Mittelpunkt.
Die vom Autoverkehr verursachten CO2-Emissionen sollen in den kommenden Jahren deutlich sinken. Nach dem Radverkehrskonzept hat die Stadt Leinfelden-Echterdingen deshalb auch ein Fußverkehrskonzept auf den Weg gebracht. Der Technische Ausschuss stimmte in seiner jüngsten Sitzung einstimmig dem Rahmenprogramm zu, mit welchem die Bedingungen für Fußgänger bis zum Jahr 2040 verbessert werden sollen. Der Gemeinderat wird sich in der kommenden Woche damit befassen.
Während viele Jahre vor allem Radfahrer im Fokus vieler Verkehrsplaner standen, rücken nun die Fußgänger in den Mittelpunkt. Wer wie wohin in der Stadt läuft, das haben sich Michaela Käfer, die Abteilungsleiterin der Verkehrsplanung und Mobilität im Rathaus von Leinfelden-Echterdingen, und Raphael Domin vom Büro Planersocietät aus Karlsruhe genau angeschaut. Wertvolle Hinweise erhielten sie aus der Einwohnerschaft im Zuge einer Online-Befragung. „Es gab fast tausend Beiträge. Das ist enorm viel“, freute sich Domin über die umfangreiche Beteiligung. Neben der allgemeinen Öffentlichkeit waren auch der Mobilitätsbeirat und ein Bürgerforum an der Erstellung des Fußgängerkonzepts beteiligt. So sei „eine super Basis“ geschaffen worden, meinte Domin während der Vorstellung des Fußgängerkonzepts am vergangenen Dienstag.
Wichtige Themen bei der Erarbeitung waren unter anderem Sicherheit, Erreichbarkeit und Barrierefreiheit. Zusammengestellt wurde ein Fußgängerwegenetz, das unterm Strich 50 Kilometer beinhaltet. 15 Kilometer davon haben die Planer als Hauptverkehrsnetz und 35 Kilometer als Nebennetz ausgewiesen. Dort sollen vorrangig gute Bedingungen für Fußgänger geschaffen werden. Die Kosten für die Erstellung des Konzepts bezifferte Michaela Käfer auf 104 000 Euro. Dafür gab es neben dem Fußverkehrskonzept auch noch das Schulwegekonzept dazu. Rund 40 000 Euro der Kosten werden als Fördermittel wieder in die Stadtkasse zurückfließen.
„Oft sind es Maßnahmen, die gar nicht so groß sind“, betonte Domin. Zuweilen reicht es schon, wenn eine über die Jahre wuchernde Hecke zurückgeschnitten wird. An anderen Stellen könnten aber auch größere Eingriffe notwendig werden, beispielsweise wenn Fahrbahnen verengt werden, um Fußgängern ein leichteres Überqueren zu ermöglichen.
Im Technischen Ausschuss sorgten störende Hecken für Gesprächsstoff. „Die Hecken sind ein Riesenproblem“, fand der CDU-Stadtrat Hartmut Raff und erhielt Unterstützung von Beatrix Hess (Freie Wähler). „Heckenschneiden – das ist eines meiner Lieblingsthemen“, sagte sie augenzwinkernd. Die CDU-Fraktionsvorsitzende Ilona Koch betonte, die Stadt solle mit gutem Beispiel vorangehen und für den Rückschnitt der Pflanzen auf städtischen Grundstücken sorgen. Andernfalls könnte die Aufforderung an Privatpersonen, die Hecken auf Privatgrundstücken zurückzuschneiden, für Unmut sorgen.
Für eine Behinderung sorgen die Hecken, wenn sie auf die Gehwege ragen und den Platz der Fußgänger verengen. Außerdem überwuchern Hecken laut Stadtrat Walter Vohl (Freie Wähler) die Handläufe an Treppenverbindungen, sodass diese gar nicht mehr genutzt werden können.
Was das zur Folge hat, ist klar. Die Barrierefreiheit wird eingeschränkt. Doch nicht allein der wüste Bewuchs der Gehwege ist ein Problem. Auch Kanten, Absätze und Schlaglöcher machen Menschen mit einem Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen zu schaffen. Eine einfache Lösung schient es dabei aber nicht zu geben. „Barrierefreiheit ist ein wahnsinnig großes Feld“, sagte Domin. Blinde benötigten beispielsweise markante Signale auf dem Boden zur Orientierung. Doch das, was ein Blinder für die Barrierefreiheit benötigt, behindert wiederum einen Rollstuhlfahrer. „Das ist ein unlösbares Problem“, sagte Dobin.
Dass das Fußgängerverkehrskonzept nur dann sinnvoll sei, wenn die Einhaltung der Verkehrsregeln kontrolliert werde, betonte der Grünen-Stadtrat Martin Klein. Zur Verdeutlichung verteilte er Fotos von neuen, breiten und gut begehbaren Gehwegen, die von Autos als Parkplätze genutzt werden und an denen sich Fußgänger umständlich vorbeischieben müssen. Auf einem Bild ist sogar erkennbar, wie die Fußgänger auf die Fahrbahn ausweichen, um ein parkendes Auto auf dem Gehweg zu umlaufen. „Das geht gar nicht“, ärgerte sich Klein. Die Stadt dulde die Verkehrsverstöße, es werde zu wenig kontrolliert und sanktioniert, klagte der Grünen-Stadtrat.
Kehrtwende in der Verkehrsplanung
Mobilität
Das Fußverkehrskonzept ist Teil des Mobilitätskonzepts in der Stadt. Ziel ist es, das Zufußgehen sicherer, barrierefreier und attraktiver zu gestalten. Obwohl Gehen die einfachste und elementarste Fortbewegungsart ist und viele Vorteile hat: umweltschonend, gesundheitsfördernd, kostengünstig, flexibel und ohne technischen Aufwand machbar, wurde der Fußverkehr viele Jahre als „Sowieso-Verkehr“ in der Verkehrsplanung eher stiefmütterlich behandelt. Das soll sich jetzt ändern.
Wegenetz
Im Zuge der Erstellung des Fußverkehrskonzepts wurde ein Wegenetz erstellt, das alle Teilorte miteinander verbindet. Darüber hinaus sind mit dem Netz viele wichtige Quell- und Zielorte wie Einzelhandelszentren, Schulen, Bahnhöfe oder Sportplätze miteinander verbunden.