Löcher, Risse, Spurrillen: Hier wurde lange nicht saniert. Foto: Lichtgut/A. Zweygarth - Lichtgut/A. Zweygarth

Spurrillen belegen, dass seit Jahrzehnten nichts gemacht wurde. 18 Millionen Euro wären jährlich notwendig, um die Straßen der Stadt im jetzigen Zustand zu erhalten.

StuttgartWer derzeit die Mittlere Filderlinie entlang fährt, hat die Qual der Wahl: entweder in der Mitte der jeweiligen Spur bleiben und damit in den Spurrillen dort, wo die größten Unebenheiten sind. Oder man entscheidet sich für den Weg jenseits dieser Spuren und begibt sich in gefährliche Nähe zum Gegenverkehr oder zum Randstreifen. Ob auf diesem Weg nun jemand die Landeshauptstadt verlässt oder in diese hineinfährt – eine Empfehlung für die Autostadt ist die Mittlere Filderlinie nicht. Das ist auch das Ergebnis einer kleinen, nicht repräsentativen Umfrage unserer Zeitung. Zu den ärgerlichsten benannten Schlaglochpisten in dieser Stadt zählt die Mittlere Filderlinie zwischen Fernsehturm und Ortseinfahrt Plieningen.

Das Regierungspräsidium als zuständige Behörde weiß darum und gibt das Versprechen: Diese Strecke wird saniert, und zwar komplett. Wann es losgeht, ist noch nicht tagesgenau datiert. Die Maßnahmen sollen erst nach Ostern beginnen. Fest steht aber schon jetzt: Die Sanierung der Straße erfolgt in drei Abschnitten. Einer davon ist zwischen Plieningen und Riedenberg. Ein zweiter umfasst speziell den Kreuzungsbereich zwischen Schönberg und Riedenberg/Birkach, der dritte dann die Strecke von der Aulendorfer Straße aus Richtung Fernsehturm. Die Arbeiten werden auch außerhalb der Ferienzeit sein – und das bedeutet Sperrungen und Umleitungen. Eine Fahrtrichtung wird dabei wohl komplett umgeleitet werden müssen. Eine Ausnahme bildet der mittlere Abschnitt, also der Abbiege- und Kreuzungsbereich. Dort soll der Buslinienverkehr möglichst ungehindert weiterlaufen.

Tiefe Spurrillen

Eine Empfehlung, wie das Fahren auf dieser Straße sein kann, gibt es bereits. In den vergangenen Monaten wurde zwischen den Haltestellen Kolpingsiedlung und Grünlingsweg in Sillenbuch ein unterirdischer Kanal verlegt. Danach wurde auf diesem Abschnitt die Straße saniert. Seitdem ist das Fahren dort nicht nur komfortabler, sondern auch sicherer. Denn wer nun nicht gerade mit einem Auto neuen Datums dort unterwegs ist, wird sich manchmal schon gewundert haben, wohin sein Vehikel auf dieser breiten Fahrbahn treibt, denn die tiefen Spurrillen beeinflussen die Lenkung. In kritischen Situationen kann sich das sehr verhängnisvoll auswirken.

Besonders groß ist die Unzufriedenheit laut Umfrage mit dem Zustand der Stresemannstraße im Stuttgarter Norden. „Die komplette Straße vom Perkins Park Richtung Killesberg . . . da habt ihr gleich 20 Schlaglöcher . . . wirst durchgeschüttelt als ob du auf’n Acker fährst“, stellt Enis Kajevic fest. Spezielle Erfahrungen hat Timofej Gerngross auf diesem Abschnitt gemacht: „Dort hat es einmal den Lautsprecher im Bus raus gehauen“. Stefan Schlachter hat den generellen Überblick: „Wen wundert es, dass so viele SUV in Stuttgart zugelassen werden? Der Zustand der Straßen legt eher den Kauf eines Leopard 2 als eines Sportwagens nahe.“

Auch das Tiefbauamt weiß um den schlechten Zustand der Stresemannstraße. Deren komplette Sanierung ist beschlossene Sache. Allerdings kann es Oktober werden, so Jürgen Mutz, Leiter der Bauabteilung Mitte/Nord beim Tiefbauamt: „Hier kann man großflächig arbeiten, da die Straße vergleichsweise breit ist. Der Verkehr kann etwas verengt weiter fließen, für die Zeit der Bauarbeiten kann dort eben nicht geparkt werden.“ Die Kosten dafür Stand heute: 2,5 Millionen Euro

Mutz und seine etwa 70 Mitarbeiter würden gerne häufiger im größeren Stil arbeiten, der allgemein schlechte Zustand der Straßen in der Stadt bietet viele Betätigungsfelder. Jedoch der Etat ist knapp. „18 Millionen Euro standen uns im vergangenen Jahr zur Verfügung“, so Mutz. „Davon waren aber vier Millionen Euro zweckgebunden für die Sanierung des Schwanenplatztunnels bei Bad Cannstatt. Wir wollen wieder die Summe von 18 Millionen Euro bekommen für den Straßenerhalt, dann aber ohne Zweckbindung.“ Basis dieser Summe ist der Straßenzustandsbericht, den das Tiefbauamt in Auftrag gibt. Der bislang letzte ist vor vier Jahren erschienen, der nächste soll in diesem Sommer veröffentlicht werden. Mutz: „Die 18 Millionen Euro haben sich unter der Prämisse ergeben, dass der Zustand der Straßen in der Stadt vor allem erhalten werden soll. Und dass leichte Verbesserungen möglich sein sollen.“ Mit Blick nach vorne ist dieses Zahlenwerk also veraltet

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