VfB-Trainer Tim Walter freut sich nach dem Sieg gegen den 1. FC Nürnberg mit seinem Stürmer Silas Wamangituka. Foto: Baumann - Baumann

Silas Wamangituka bringt frischen Wind in die Offensive des VfB-Spiels. Genau das braucht man gegen gut organisierte und dicht verteidigende Gegner.

StuttgartSilas Wamangituka schlug die Hände vors Gesicht. Einmal, zweimal. Er konnte es nicht fassen, dass er diese Chance verbummelt hatte. Nach einer rasant-schönen Kombination und der Vorarbeit von Gonzalo Castro war der Weg zum Tor des 1. FC Nürnberg für den Stürmer frei gewesen. Doch der 20-Jährige zögerte – und schon war die Möglichkeit auf seinen nächsten Treffer dahin.

An der Seitenlinie sah man die gleiche Geste. Auch Tim Walter reagierte emotional, nahm Wamangituka aber schon wenige Minuten später nach dem wichtigen 3:1-Sieg lachend in den Arm. Denn der Trainer weiß, dass der Kongolese Elemente in das Stuttgarter Spiel bringt, die nur wenige Fußballer in ihrem Repertoire haben und die gegen gut organisierte und dicht verteidigende Gegner (also gegen alle Zweitligisten) benötigt werden. „Er bringt etwas Wildes mit“, sagt Walter.

Tempo, Technik und Tricks – das ist es in guten Momenten, was die Offensive bereichert und leicht aussehen lässt. In weniger guten Momenten wirken die VfB-Spieler jedoch unreif und so, als ob sie unbedingt mit dem Kopf durch die dickste Abwehrwand wollen. Das war zuletzt bei Nicolas Gonzalez öfter zu sehen. Auch der Argentinier verfügt über Unberechenbares in seinen Aktionen. Manchmal ist es sogar so viel, dass nicht mal die Mitspieler wissen, was er als Nächstes tun wird.

Offenbar war es in den vergangenen Wochen zu viel Eigensinn mit zu wenig Effizienz. Gonzalez saß auf der Bank. „Auch er muss sich dem Team unterordnen“, sagt Walter über den 21-jährigen Nationalspieler, der über Wochen sein Stürmer Nummer eins gewesen ist. Doch Gonzalez ist gegen die Nürnberger wie der zur Halbzeit eingewechselte Wamangituka ein Opfer der Strategie gewesen. Walter verordnete seiner Elf anfangs mehr Kontrolle, Körperlichkeit und Sachlichkeit – und damit weniger Geschwindigkeit, Ungestüm und Dribbelkunst. Was zu der Frage führt, wie viel von diesen Faktoren der VfB in seinem Spiel eigentlich braucht.

Gegen die defensiv eingestellte Mannschaft des FCN-Trainers Jens Keller wollte Walter „Fußball mit Kopf“, um durch schnelle Passfolgen Lücken in die fränkische Defensive zu reißen. Allerdings flossen die Kombinationen eine Hälfte lang wie ein zäher Brei durch das Zentrum, wo die Dichte an Stuttgarter und Nürnberger Spielern sehr hoch war. Räume auf den Flügeln blieben meist ungenutzt.

Unter strenger Beobachtung

„Es hat der Mut gefehlt“, sagt Walter. Dafür war Verunsicherung zu spüren, weil der VfB nach dem frühen Rückstand durch Michael Frey (10.) und den Negativerlebnissen zuvor wieder an einem Punkt angelangt ist, an dem er es seinem Publikum nicht recht machen kann: Spielt er geduldig, dauert es den Nörglern in der Mercedes-Benz-Arena zu lange, bis die Gastgeber nach vorne kommen. Drischt er den Ball gleich vor, bemängeln die Bruddler ein fehlendes Konzept.

All das wird an Walter festgemacht, der trotz der Tore von Wamangituka (58./Handelfmeter), Mario Gomez (59.) und Philipp Förster (72.) ein Trainer unter strenger Beobachtung bleibt. Zumindest bis zur Weihnachtspause, wenn der Sportvorstand Thomas Hitzlsperger und der Sportdirektor Sven Mislintat die gemeinsame Zeit seit Juli eingehend analysieren wollen. Davor stehen zum Jahresabschluss noch zwei Auswärtspartien an – in Darmstadt (letzte Hinrundenpartie) und in Hannover (erstes Rückrundenspiel).

„Wir wollen die Serie der zuletzt nicht erfolgreichen Auswärtsauftritte durchbrechen“, sagt Mislintat. Der letzte Ligasieg auf fremdem Platz gelang Ende September in Bielefeld. Es folgten Niederlagen in Hamburg, Osnabrück und Sandhausen. Und nun: Montagabend, Flutlicht, ein enges Stadion. Walter stellt sich am Böllenfalltor auf eine Art Pokalkampf ein, weil die Darmstädter sehr gut verteidigen, seit Dimitrios Grammozis sie im vergangenen Februar als Chefcoach übernommen hat.

„Da sind wieder Leidenschaft und Enthusiasmus gefordert“, sagt der Trainer. Und es wird die ungestümen Kerle wie Wamangituka brauchen, die mit ihren Dribblings und ihrem Tempo eine gegnerische Reihe im Eins-gegen-eins überspielen oder einfach überrennen können.

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