Probeliegen im generalsanierten Bad Berg: OB Fritz Kuhn ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Zwei Jahre länger als geplant hat die Generalsanierung des Mineralbads Berg gedauert. In zwei Wochen öffnet Stuttgarts ältestes Bad wieder. Trotz der Modernisierung hat es seinen Charme behalten.

Stuttgart - Die Bergianer können aufatmen. Vier Jahre, zwei Jahre länger als geplant, mussten die Stammgäste des Mineralbad Berg ausharren. Jetzt ist die Generalsanierung des ältesten, seit 1856 bestehenden Stuttgarter Bades abgeschlossen. Noch zwei Wochen, dann können sie das „städtische Heiligtum“, wie Oberbürgermeister Kuhn (Grüne) das Bad Berg am Freitag nannte, wieder besuchen. Das Warten hat sich gelohnt, findet der OB: „Es ist superschön geworden.“

Nach dem Willen der Stadt und der Nutzer hat das Büro 4a Architekten nur behutsam in den Bestand der aus den 1950er Jahren stammenden Gebäudeflügel eingegriffen und deren „einmaligen Retro-Charakter“ beibehalten, wie Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD) betonte.

Neues Außenbecken

So sind die typischen Holzliegen erhalten worden, ebenso die Umkleidekabinen aus Holz, die Kaltduschen mit dem Hebelmechanismus. Das Glasfenster von Max Ackermann im Foyer ist wegen des Brandschutzes aber nicht mehr von Tageslicht durchflutet, sondern künstlich beleuchtet.

Im September 2016 wurde mit der Sanierung begonnen. Bald stellte sich heraus, dass der Zustand des Bades schlechter war als angenommen, erklärte Matthias Burkhart, Geschäftsführer des Architekturbüros. Stützen, Träger und Decken mussten ertüchtigt oder erneuert werden. Zwei der sechs Quellen hatten Schäden, die Westquelle musste saniert, die Südquelle neu gebohrt werden. Das Außenbecken wurde neu gebaut, ebenso das Bewegungsbad im Inneren. Der Außenbereich mit der Liegewiese und den alten Bäumen ist trotz umfangreicher Arbeiten im Untergrund wie gehabt. Die Architekten haben auch die Arkaden auf der Eingangsseite freigelegt, so konnte in dem Säulengang erstmals die Elisenquelle mit einem Brunnen außen für die Bürger zugänglich gemacht werden. Statt veranschlagter 29,4 kostet die Sanierung 34 Millionen Euro. Einziger Wermutstropfen: Die Außengastronomie in einem Container an der Westseite zwischen Außenbecken und Liegewiese. Dass dürfte sich frühestens in zwei bis drei Jahre ändern, so Dirk Thürnau. Zum Ärger der Initiative Berger Bürger, die den Erhalt der Blankenhorn-Villa fordern, wo die Sommergastronomie war. „Die Villa gehört zum Ensemble“, sagt Birgit Heizmann. Dies sei nicht möglich, etwa wegen der zu niedrigen Decken, sagte Bürgermeister Thürnau. Der Rat hat den Abriss der Villa beschlossen, nebenan soll ein neuer Gastrobereich entstehen.

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