Der 17,3 Hektar große Max-Eyth-See ist ein nährstoffreiches Flachgewässer ohne natürlichen Zu- und Abfluss. Foto: Kuhnle (z) - Kuhnle (z)

Oberbürgermeister Fritz Kuhn verspricht nach dem Massenfischsterben umgehend Maßnahmen.

HofenDie Stadt will den Sauerstoffgehalt des Max-Eyth-Sees mit einer größeren Wasserzufuhr und der Möglichkeit einer Wasserableitung dauerhaft stabilisieren und so ein weiteres Fischdrama verhindern. Für die Einrichtung eines solchen Zu- und Abflusses ist ein wasserrechtliches Verfahren erforderlich, das laut OB Fritz Kuhn zügig angegangen werden soll: „Das hat hohe Priorität“. Ab dem Sommer 2020 sollten dann rund 200 Liter pro Sekunde in das stehende Gewässer eingeleitet werden. Derzeit gelangen über Wasserleitungen nur 40 Liter pro Sekunde dorthin. „Wir können natürlich nicht ausschließen, dass es auch in der Zukunft zu einem Fischsterben kommt“, so Stuttgarts OB. „Die Wahrscheinlichkeit dafür wollen wir aber stark senken.“

Das Massenfischsterben im Max-Eyth-See vor drei Wochen, bei dem bis zu 50 000 Tiere qualvoll an Sauerstoffmangel starben, schlägt Wellen. Bürger sind empört über das Fischdrama und haben mit der Stadt Stuttgart als Eigentümerin des Gewässers auch einen Verantwortlichen ausgemacht. Ein massiver Vorwurf, dem OB Kuhn energisch widerspricht. „Die Stadt ist nicht Schuld. Dass der See so überraschend gekippt ist und massenhaft Fische gestorben sind, war für mich ein Schock“, so Kuhn, doch die Gründe dafür seien komplex.

„Das Gebiet ist windarm, der Sommer war wieder einmal sehr heiß, viele Wasserpflanzen waren abgestorben“, so Kuhn weiter. Zur Erinnerung: Im Juli klagte der Bootsverleiher noch über einen extrem Wuchs des Krausen Laichkrauts, sodass die Stadt sogar die Pflanzen mit einem Mähboot entfernen lassen wollte. Doch etwas überraschend ging das Laichkraut ein und stattdessen musste das Tiefbauamt wie schon im vergangnen Jahr Blaualgenalarm ausrufen. „All das mag dazu beigetragen haben, dass so plötzlich tausende Fische starben“, sagt Kuhn.

Warum der Max-Eyth-See laut Umweltbürgermeister Peter Pätzold „spontan“ vom 31. August auf den 1. September gekippt sei, können sich auch die Fachämter – trotz regelmäßiger Messungen – nicht erklären. „Das Hauptproblem bei dem 17 Hektar großen und 400 000 Kubikmeter Wasser fassenden Max-Eyth-See ist der fehlende Wasseraustausch“, sagt Technikbürgermeister Dirk Thürnau. Das wolle man jetzt ändern.

Als kurzfristige Maßnahmen kündigten die zuständigen Bürgermeister ein automatisiertes Messverfahren an. Die Wasserwerte, die derzeit noch manuell kontrolliert werden, sollen künftig online jederzeit abrufbar sein. So könne früher gegengesteuert werden. Außerdem sollen an drei Stellen im See stationäre Pumpen zur Belüftung des Gewässers installiert werden. „Wir werden den See früher und anders belüften“, sagte Kuhn. Zugleich betonte er: „Die vielfältige Nutzung des Max-Eyth-Sees soll erhalten bleiben“. Der See sei ein wichtiges Naherholungsziel für Stuttgart.

Von einer Forderung muss man sich wohl verabschieden: den See auszubaggern und dadurch tiefer als die zwei bis 2,8 Meter machen. „Das kostet schnell einen dreistelligen Millionenbetrag“, so Thürnau. Einst war der See sehr viel tiefer, wurde aber in den 70er-Jahren mit Bauschutt aufgefüllt. Das Problem: Um was für Material es sich dabei gehandelt hat, weiß heute keiner mehr so genau. Hans-Hermann Schock, Vorsitzender des Württembergischen Anglervereins, hat jedoch noch einen zweiten, wesentlich günstigeren Vorschlag parat: „Den künstlichen Neckardamm samt Schleuse entfernen.“ Denn als der See noch eine viel besuchte Badeanstalt war, war die Trennung ebenfalls nicht nötig.

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