Die Altkleidercontainer sind in Pandemiezeiten oft übervoll – nicht nur mit Textilien. Foto: Elke Hauptmann

Mit dem Verkauf von Altkleidern finanziert der Malteser Hilfsdienst seine Dienste. Doch in den Containern findet sich immer mehr Müll, der teuer entsorgt werden muss.

Wangen - Aufgrund von Pandemie und Lockdown nutzen viele Menschen die Zeit, ihre Kleiderschränke auszumisten. Die Sammelcontainer sind deshalb häufig überfüllt, vielerorts stapeln sich die Säcke sogar vor den Behältern. Rund 200 vom städtischen Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) vermietete Sammelcontainer stehen im Stadtgebiet, die darin enthaltenen Altkleiderspenden kommen sechs gemeinnützigen Organisationen zugute. Die Erlöse aus dem Verkauf sind für sie eine wichtige Säule der Finanzierung ihrer ehrenamtlich geprägten Arbeit.

Großteil geht an kommerzielle Verwerter

Eine dieser Organisationen ist der Malteser Hilfsdienst. Er verwertet eigenen Angaben zufolge nur einen kleinen Teil der gesammelten Kleiderspenden selbst: Gut erhaltene Kleidungsstücke werden nahezu kostenlos an Bedürftige abgegeben. „Der Großteil der gesammelten Kleiderspenden geht gegen Bezahlung an kommerzielle Verwerter“, informiert Petra Ipp-Zavazal, die Sprecherin der in Wangen ansässigen Malteser-Regionalgeschäftsstelle Baden-Württemberg. Diese würden die Alttextilien und Schuhe überwiegend in Deutschland – beispielsweise im schwäbischen Langenenslingen – nach unterschiedlichen Qualitäten sortieren. Was noch brauchbar sei, werde überwiegend in Afrika und Osteuropa verkauft. Textilien, die sich nicht mehr als Secondhand-Kleidung eignen, gingen an Hersteller von Putzlappen oder Recyclingmaterialien.

Geld für Besuchsdienste und Jugendarbeit

Die Verkaufserlöse verwenden die Malteser zur Finanzierung ihrer Angebote wie die Jugendarbeit, die Begleit- und Besuchsdienste für ältere Menschen oder die Betreuung von Menschen mit Demenz. „In Baden-Württemberg haben die Malteser rund 900 Container aufgestellt“, sagt Ipp-Zavazal. Da kommt eine Menge Textilien zusammen: „Pro Jahr werden in einem Container rund drei Tonnen Altkleider gesammelt.“

Doch die Altkleidersammlung bereitet den Maltesern zunehmend Probleme. Denn unter den abgegebenen Sachen finden sich auch vermehrt Dinge, die definitiv nicht in die Behälter gehören. „Wir beobachten immer häufiger, dass die Container als Mülltonne missbraucht werden“, beklagt Klaus Weber, Regionalgeschäftsführer der Malteser in Baden-Württemberg. „Es werden kaputte Kleidungsstücke, Hausmüll oder sogar Bauschutt abgeladen. Das ärgert uns, denn wir müssen die Sachen nicht nur sortieren, sondern auch kostenpflichtig entsorgen.“ Geld, das den Erlös erheblich schmälert. Der Müllanteil macht schon mehr als zehn Prozent am Gesamtaufkommen aus.

Absatzmärkte sind zusammengebrochen

Zusätzlich verschärft wird die Situation dadurch, dass die Aufsteller der Container mit dem Leeren oft nicht hinterher kommen – und das liegt nicht nur am erhöhten Spendenaufkommen. Aufgrund der Pandemie sind Sortierbetriebe und Kleiderkammern noch immer geschlossen oder allenfalls mit Einschränkungen geöffnet, die Absatzmärkte im In- und Ausland sind zusammengebrochen. Die Spenden könnten daher nicht weiterverwertet werden, die Lager der Verwerter sind übervoll. Die Malteser bitten die Spender von Altkleidern deshalb darum, ihre aussortierten Kleidungsstücke vorübergehend zuhause zwischenzulagern und erst später zu spenden. „Grundsätzlich freuen wir uns über jede Spende, doch im Moment ist Zurückhaltung der bessere Weg“, appelliert Weber. „Es ist auch wenig hilfreich, die Altkleidersäcke vor dem vollen Container abzulegen, denn wenn die Ware nass wird, ist sie für die Wiederverwendung unbrauchbar.“

System steht auf der Kippe

„Katastrophale Zustände an den Altkleidersammelstellen“ sind auch Stefan Voigt bekannt. Es sei aber keine Lösung, die Standorte für Container – wie in einigen Städten bereits erfolgt – zu verringern, meint der Vorsitzende des Fachverbands Textilrecycling im Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE). „Die Sammlung einfach einzustellen und auf bessere Absatzbedingungen zu warten, kann trotz allem nicht zielführend sein und kommt dem eigentlichen Entsorgungsauftrag nicht nach.“ Allerdings räumt er ein: „Die Lage auf dem Altkleidermarkt ist nach wie vor angespannt. Die Aussichten für ein auskömmliches Geschäft sind auch in den kommenden Monaten düster.“

Der Dachverband der gemeinnützigen Alttextilsammler, FairWertung e. V., schlägt Alarm: Durch die anhaltende Kleiderflut drohe gar der Kollaps der kostenlosen Altkleidersammlung spätestens mit der europaweiten Getrenntsammlungspflicht für Alttextilien in 2025, warnt Thomas Ahlmann, der Geschäftsführer von FairWertung. „Die Mengen sind am Markt so groß, und die Qualität so schlecht, dass der Preis im Keller ist.“ Die Sammler, gemeinnützige ebenso wie private, stünden an der Wirtschaftlichleitschwelle. Die Corona-Krise treffe die Organisationen in einer sowieso schwierigen Marktlage. Das System der kostenlosen Altkleiderabgabe sei durch den starken Anstieg von Textilien minderer oder schlechter Qualität bereits in finanzielle Schieflage geraten. Grund dafür sei der Trend zu „Fast Fashion“, also zu kurzlebiger Billigmode. Ihre Qualität sei so schlecht, dass sie in Second-Hand-Läden nicht verkauft werden kann. Und auch für die Weiterverarbeitung sei Kleidung aus Chemiefaser oder Fasermixen ungeeignet.

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