Senioren, die sonst keinen Menschen zum Reden haben, können den kostenlosen Telefondienst der Malteser in Anspruch nehmen. Die Regionalgeschäftsstelle der Malteser in der Ulmer Straße koordiniert vielfältige Hilfsangebot in Stuttgart und Umgebung. Foto: Malteser Hilfsdienst//Tim Tegetmeyer

Die in der Ulmer Straße ansässige Regionalgeschäftsstelle der Malteser organisiert von Wangen aus viele Hilfsdienste. Viele Angebote müssen in Zeiten von Corona umgestellt werden.

Wangen - Die Malteser Baden-Württemberg stellen aufgrund der aktuellen Situation kurzfristig ihre Dienste für Ältere, Kranke und Menschen mit Behinderung um. Besuchs- und Begleitungsdienste, Seniorentreffs, die ambulante Hospiz- und Trauerarbeit, Integrationsdienste für Geflüchtete, die ambulante Arbeit für Menschen mit Demenz und der Herzenswunschkrankenwagen werden wegen der Corona-Epidemie vorübergehend eingestellt. Um den bisher besuchten und begleiteten Personen trotzdem so weit wie möglich zur Seite zu stehen, werden die Mitarbeiter des Hilfsdienstes verstärkt das Telefon nutzen und Einkaufsdienste anbieten.

„Gerade für ältere und alleinlebende Menschen ist es jetzt schwierig. Sie freuen sich über den persönlichen und direkten Kontakt. Das müssen wir jetzt leider ändern“, räumt Klaus Weber, Regionalgeschäftsführer der Malteser Baden-Württemberg, ein. Dennoch müsse niemand völlig isoliert leben: Da die Senioren derzeit nicht mehr besucht werden können, habe man ihnen angeboten, dass sie regelmäßig von den Maltesern angerufen werden, wenn sie das möchten. „Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ein offenes Ohr für die Sorgen in diesen unruhigen Zeiten und fragen, ob wir ihnen zum Beispiel mit einem Einkauf oder einem häufigeren Anruf helfen können“, berichtet Klaus Weber.

Vertrauliches Gesprächsangebot

Die in Wangen ansässige Regionalgeschäftsstelle des Hilfsdienstes bietet schon seit längerer Zeit einen kostenlosen „Telefonbesuchsdienst“ für gesprächsbedürftige Menschen an, die kaum über soziale Kontakte verfügen. Dieser Service soll in Stuttgart ausgebaut werden. „Gerne können sich Senioren bei uns melden und wir können einmalig oder auch regelmäßig telefonieren“, sagt Regine Martis-Cisic, die die Angebote des Sozialen Ehrenamts bei den Maltesern in der Diözese Rottenburg-Stuttgart koordiniert. Ehrenamtliche, die in Gesprächsführung ausgebildet wurden, melden sich dann zu fest vereinbarten Terminen. Die Angerufenen haben die Möglichkeit, vertraulich über ihre täglichen Freuden und Sorgen zu sprechen und ihre Lebensgeschichte zu erzählen. „Auch wenn jemand einen Einkauf benötigt, kann er sich gerne an uns wenden“, ermutigt Regine Martis-Cisic.

Die Regionalgeschäftsstelle in der Ulmer Straße 231 koordiniert vielfältige Aufgaben der Malteser im Land. Neben dem ambulanten Pflege- und Betreuungsdienst gehört zum Beispiel auch der Hausnotruf dazu. Insgesamt werden in Stuttgart und den angrenzenden Landkreisen 4600 Kunden betreut, davon allein in der Landeshauptstadt 1500. Dieser Service werde weiterhin angeboten, betont der Regionalleiter. „Wenn der Hausnotruf ausgelöst wird, sind unsere Mitarbeiter zur Stelle: Direkt am Telefon oder – falls nötig – persönlich, um beim Kunden nach dem Rechten zu sehen und zu helfen“, sagt Klaus Weber.

Täglich 300 Essen ausgeliefert

Auch die Versorgung mit den Mahlzeiten sei nicht beeinträchtigt – der Menüservice der Malteser liefert von Wangen aus immerhin täglich 300 Essen im Stuttgarter Stadtgebiet aus. In Zeiten von Corona aber gelten Vorsorgeregelungen: „Wir müssen zwei Meter Mindestabstand halten, um das Virus nicht zu übertragen“, erklärt Klaus Weber. „Aber wenn nötig, kommen wir auch nach wie vor in die Wohnung“, versichert er. Geholfen werde auch Menschen, die in häuslicher Quarantäne leben.

Für Angehörige von Menschen mit einer Demenz bleiben die Malteser telefonisch erreichbar, beraten und vermitteln telefonische Sprechzeiten mit Fachkräften. Eingestellt hingegen sind vorerst die Fahrdienste etwa zu Wohnheimen, Werkstätten und Tagespflegeeinrichtungen – ein herber Schlag: Über 100 Touren täglich wurden bislang im Linienfahrdienst für Menschen mit Handicaps, Kindergartenkinder und Schüler durchgeführt. Auch alle Erste-Hilfe-Kurse und Ausbildungskurse für Betriebshelfer haben die Malteser zunächst bis zum 19. April eingestellt.

„Die Situation ist schwierig, aber wir leisten dank unserer ehren- und hauptamtlichen Kräfte unseren Beitrag im staatlichen System zur Gefahrenabwehr“, betont Klaus Weber.

Wer den Telefonbesuchsdienst oder Einkaufsdienst in Anspruch nehmen will, kann sich an Regine Martis-Cisic, Malteser Diözesanreferentin Soziales Ehrenamt, unter der Telefonnummer 0711/92582-39 wenden.

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