Im Berufsverkehr ist auf der Wagenburgstraße viel los. Damit die Linienbusse schneller zur Ostendstraße durchkommen, werden 45 Parkplätze geopfert. Foto: Steegmüller

Für die Busse der Linie 40 wird auch stadtauswärts eine eigene Spur eingerichtet.

Stuttgart-Ost - In manchen Stadtteilen des Stuttgarter Ostens gleicht es einer Herkulesaufgabe, in den Abendstunden einen Parkplatz zu finden. Daran hat auch das Parkraummanagement nicht viel geändert, das im Dezember 2018 eingeführt wurde. Dass vor knapp einem Jahr in der Wagenburgstraße stadteinwärts zahlreiche Parkplätze für eine Busspur geopfert wurden, hat die Situation nicht erleichtert.

Nun haben Vertreter der Stadt in der vergangenen Sitzung des Bezirksbeirats Stuttgart-Ost die nächste Hiobsbotschaft verkündet – zumindest aus Sicht von Anwohnern, die über ein Auto, aber keinen eigenen Stellplatz verfügen. Die Verwaltung wird auch stadtauswärts eine Busspur errichten lassen, auf der die Busse der Linie 40 schneller in Richtung Ostendstraße unterwegs sind. Der Grund: Gerade im Feierabendverkehr stehen die oftmals bis auf den letzten Platz gefüllten Fahrzeuge der SSB dort regelmäßig im Stau, halten auf der eigentlichen schnellsten Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem Osten nur selten den Fahrplan ein.

Maßnahme bereits 2018 angeordnet

Die Maßnahme ist Teil der dritten Fortschreibung des Luftreinhalteplans, die vom Land schon Ende 2018 angeordnet wurde. Bereits in den Herbstferien soll die Busspur umgesetzt werden, dafür müssten laut dem städtischen Verkehrsplaner 45 weitere Parkplätze geopfert werden. Anwohner werden in den nächsten Tagen noch per Infozettel über den Rückbau informiert. „Die Überraschung in der Sitzung war wirklich groß“, sagt der stellvertretende FDP-Bezirksbeirat Thilo Scholpp, der den Schritt nicht wirklich verstehen kann. „Muss jede Maßnahme gehorsamst umgesetzt werden, nur weil Klimaschutz drauf steht. Wie viele Abgase entstehen, wenn der Individualverkehr wegen der Busspur ewig im Stau steht und die Anwohner mit ihrem Auto stundenlang im Quartier kreisen, um einen Stellplatz zu finden? Bringen die 200 Meter freie Fahrt für Busse wirklich mehr Menschen in den öffentlichen Personennahverkehr und sorgen so für bessere Luft?“

Darüber hinaus ist Scholpp irritiert, dass an der Ecke Wunnensteinstraße erst kürzlich eine barrierefreie Haltestelle errichtet wurde. „An der Gehwegnase verengt sich die Wagenburgstraße auf eine Spur. Sowohl Busse als auch Radfahrer müssten dort links wieder in den Verkehr einfädeln.“ Für ihn stelle solch ein Nadelöhr eine Stau- und Unfallgefahr dar. „Mir tun die Anwohner und Geschäftsleute im Gebiet Wagenburgstraße leid, die ihren Wagen benötigen oder Kundenverkehr haben und jetzt quasi über Nacht eine alternativlose Bus- und Radspur serviert bekommen.“ Schließlich würden sie auch für die Parkberechtigung vor Ort 30, 70 oder sogar 120 Euro pro Jahr bezahlen.

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