Durch das Volksbegehren soll der Einsatz von Pestiziden in Schutzgebieten verboten werden. . Foto: dpa/ Franziska Kraufmann - dpa/ Franziska Kraufmann

Viele Wengerter stehen dem Volksbegehren „Pro Biene“ skeptisch gegenüber: Forderungen, wie das Verbot von Pestiziden in Schutzgebieten, würde die Existenz des Weinbaus in Stuttgart bedrohen.

UntertürkheimViele Wengerter sind beunruhigt. Weder die Kirschessigfliege noch die bevorstehende Lese bereiten ihnen Kopfzerbrechen, das Volksbegehren „Pro Biene“ beherrscht die Gespräche. In Bayern wurde dank des Volksbegehrens „Rettet die Bienen!“ ein Gesetz und ein Maßnahmenpaket im Landtag verabschiedet. In Baden-Württemberg hat die Initiative „Pro Biene“ die erste Hürde zum Volksbegehren genommen, nun benötigt sie 770 000 Unterschriften von Wählern in Baden-Württemberg, damit der Landtag den Gesetzentwurf zum Volksbegehren unverändert annimmt. Grundsätzlich stehen die Wengerter der Idee, Tierarten und die Landschaft zu schützen, positiv gegenüber. „Wir leben mit und für die Natur, sie bildet die Grundlage unseres Ertrags. Deswegen gehen wir mit ihr immer schonend um und schützen sie“, sagen der Untertürkheimer Klaus-Dieter Warth und Stefanie Schwarz vom Weingut Schwarz. Begrünte Flächen zwischen den Rebzeilen, Blütenpflanzen an den Wegrändern und Säumen zeugen von diesem Engagement. „Ich investiere jährlich bis zu 1000 Euro in Saatgut für Blühwiesen“, beziffert Michael Warth von der Weinmanufaktur seinen freiwilligen, finanziellen Beitrag zum Naturschutz.

Weinbau in Existenz bedroht

Einige Forderungen des Volksbegehrens würden nach Ansicht der Wengerter aber zu starke Einschnitte in ihre Arbeit bedeuten. Die Initiatoren wollen den Anteil der mit Pestiziden belasteten Flächen bis 2025 um die Hälfte reduzieren. Die Weinbauern halten eine pauschale Vorgabe einer 50-prozentigen Mengenreduzierung für realitätsfern. Der effektive Einsatz von Pflanzenschutzmittel variiere und richte sich immer nach der Witterung und dem Schädlingsbefall. Stark insektengefährdende Mittel würden eh nicht mehr im Weinbau eingesetzt, betont Michael Warth. „Wir verwenden bereits jetzt nur die minimal für den Schutz benötigte Menge“, sagt Schwarz. Niemand bringe unnötig viel aus, und zwar aus Umweltschutzgründen und weil dies zudem viel Geld koste, macht Michael Warth deutlich. „Diese, heute mit viel Bedacht verwendete Menge oder die Anzahl der Spritzungen nochmals zu halbieren, würde den Schutz unserer Reben gefährden“, warnt Klaus-Dieter Warth.

In besonders geschützten Gebieten, so die weitergehende Forderung der Initiatoren, soll der Einsatz von Pestiziden, die die Artenvielfalt gefährden, sogar ganz verboten werden. „Da in Stuttgart fast alle Weinanbaugebiete in einem Landschafts- oder in einem anderen Schutzgebiet liegen, dürften wir hier keine Pflanzenschutzmittel mehr einsetzen“, erklärt Stefanie Schwarz. Unvorstellbar. Selbst der ökologische Weinbau komme ohne Pflanzenschutzmittel nicht aus, sagt Michael Warth. „Wenn das Volksbegehren mit dieser Forderung umgesetzt würde, ist die Existenz unserer Betriebe und der Weinbau in Stuttgart gefährdet“, warnt deswegen Klaus-Dieter Warth.

Dabei hat der Untertürkheimer Wengerter bereits viele pilzwiderstandsfähige Rebsorten angepflanzt, die weniger Pflanzenschutzmittel benötigen. Allerdings müssten die Verbraucher dann auch die Weine dieser neuen Rebsorten konsumieren, so Warth. Ein Allheilmittel sind die „Piwi“-Sorten deswegen nicht. „Wollen wir wirklich auf die seit Jahrzehnten für unsere Region bekannten Sorten wie Lemberger, Riesling oder Trollinger verzichten?“, fragt Schwarz. Die einstige Weinkönigin und ihre Wengerterkollegen setzen auf den Dialog mit den Initiatoren und politischen Entscheidungsträgern. „Wir sind in der Region kleinparzelliert. Es gibt hier keine mehrere Hektar große Agrarflächen, auf denen keine Blüten mehr stehen, wenn sie abgeerntet sind“, sagt Michael Warth. Doch wenn der Weinbau erschwert werde, würden noch mehr Rebflächen brach fallen. „Wir müssen miteinander für den Artenschutz eintreten“, so Schwarz. Im Übrigen müssten dies auch die Gartenbesitzer verinnerlichen, die ihre Grünflächen in Stellplätze und Schotterflächen umwandeln, betonen alle drei Jungwengerter.

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