Der Handball ruht – wie lange kann derzeit keiner einschätzen. Foto: imago//Sandy Dinkelacker

Die Handball-Bundesligisten wollen staatliche Mittel zur Bewältigung der wirtschaftlichen Schäden nutzen. Auch die Spieler sollen ihren Beitrag leisten. „Jeder wird Abstriche machen müssen“, sagt Jürgen Schweikardt vom TVB Stuttgart.

In Stuttgart/Göppingen - Mads Mensah Larsen von den Rhein-Neckar Löwen hat die Handball-Bundesliga (HBL) ihren ersten offiziell bestätigten Coronafall. Die Handballverbände Baden-Württemberg schlagen vor, dass alle Vereine von Steuerzahlungen befreit werden. Das Handball-Torwart-Duo Daniel Rebmann und Jasmina Jankovic von Frisch Auf Göppingen hat via Facebook Bedürftigen seine Hilfe angeboten. Und in zwei mehrstündigen Telefonkonferenzen tauschten sich am Montag das HBL-Präsidium und alle 18 Bundesligaclubs über das weitere Vorgehen aus – mit dem Ergebnis: Die HBL hält an ihrem Beschluss des Präsidium fest, die derzeit bis zum 23. April ausgesetzte Saison nach Möglichkeit zu Ende spielen.

Finanzielle Abstriche nötig

Möglicherweise spielen auch rechtliche Aspekte eine Rolle, warum die Runde nicht vorzeitig für beendet erklärt wird. So zum Beispiel die Frage, ob dadurch die Möglichkeit, Kurzarbeitergeld zu bekommen, wegfallen könnte. Damit würde eine denkbare Handlungsoption für die Vereine wegfallen, um wirtschaftliche Schäden zu mildern, die derzeit geprüft wird. „Wir haben beschlossen, dass wir nur eine Chance haben, zu überleben, wenn Spieler und Sponsoren ebenfalls ihren Beitrag dazu leisten“, sagte Bob Hanning, Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin. So wollen die Clubs auch ihre Profis etwa zu einem Gehaltsverzicht bewegen. „Jeder wird Abstriche machen müssen“, erklärte Jürgen Schweikardt, der Geschäftsführer und Trainer des TVB Stuttgart.

Individuelle Trainingspläne

Die aktuelle Entscheidung sei laut HBL „allerdings abgängig von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie und den damit in Zusammenhang stehenden politischen, gesetzlichen und behördlichen Rahmenbedingungen. Die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung hat dabei selbstverständlich höchste Priorität“. Unabhängig davon wie lange sich eine endgültige Entscheidung hinzieht, stellen sich die Clubs auf längere Pausen ein. An ein Mannschaftstraining ist bis auf weiteres nicht zu denken.

Defizite aufarbeiten

Der Bundesligisten TVB Stuttgart und Frisch Auf Göppingen geben ihren Spielern individuelle Trainingspläne zur Hand. „Die Spieler müssen fit bleiben, und wir müssen schauen, dass wir diese schwierige Phase so sinnvoll als möglich überbrücken“, sagt Dieter Bubeck, der Athletiktrainer von Frisch Auf. Es würden sowohl Defizite gezielt aufgearbeitet, als auch in den Bereichen Ausdauer und Kraft leistungserhaltende und leistungsoptimierende Maßnahmen vorgenommen. Einziges Problem so der Sportwissenschaftler: Geräteunterstützendes Training sei aufgrund der Schließung der Fitnessstudios und auch des Olympiastützpunktes Stuttgart nicht möglich. Das erschwert die Arbeit auch mit Rekonvaleszenten wie Nationalspieler Sebastian Heymann nach dessen Kreuzbandriss.

Übungen der US-Marine

Es gäbe laut Bubeck aber auch andere Möglichkeiten wie zum Beispiel Übungen mit dem Sling Trainer. Dies ist eine Ganzkörper-Trainingsmethode mit Hilfe von Seil- und Schlingensystemen. Dabei wird mit dem eigenen Körpergewicht als Trainingswiderstand gearbeitet. „Die US-Marine hat mit diesem Trainingsmittel ihre Leute auf den Schiffen fitgehalten“, sagt Bubeck. Jetzt nutzen die Handballer damit ihre Zwangspause sinnvoll.

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