Sebastian Zähringer ist konzentriert bei einem Übungsteil und entspannt beim Aufwärmen (rechts). Als einziger Mann fühlt er sich bei den Kunstradsportlerinnen der SportKultur pudelwohl. Foto: / Torsten Streib

Sebastian Zähringer ist der einzige männliche Sportler unter den Kunstradsportlern der SportKultur Stuttgart und fühlt sich pudelwohl.

Rohracker - Dienstagabends in der Turnhalle der Tiefenbachschule in Rohracker: Die Tür geht auf, viele Mädchen und Frauen betreten mit ihrem Sportgerät die Halle. Die Ausnahme folgt kurz vor Trainingsbeginn – locker, lässig das Rad geschultert schlendert Sebastian Zähringer mit einem fröhlichen, aber kraftvollen „Hallo“ in die Trainingsstätte. Ein mehrfaches „Hi“ wird ihm erwidert, Trainerin Daniela Klingler sagt schmunzelnd „ah, unser Quoten-Mann“. Zähringer bezeichnet sich eher „als letzten Mohikaner“, hat aber mit all den Begriffen als einziger Mann unter den Kunstradsportlerinnen der SportKultur Stuttgart kein Pro­blem. „Warum auch?“, fragt der 25-Jährige, schließlich kenne er es von Kindesbeinen an nicht anders. Seine Mutter Gabriele war bei seinem Heimatverein RSV Unteribental in der Nähe von Freiburg als Trainerin aktiv, Steppke Sebastian musste immer mit in die Halle. Irgendwann hatte er das Zuschauen satt, war sich sicher, „das viel besser zu können, als all die anderen“, lacht Zähringer rückblickend. Die anderen, das waren damals schon ausnahmslos Mädchen. Auch im D-1-Kader war er allein unter Mädchen, erst der landesweite D-2-Kader war gemischt.

Seit 2015 studiert Zähringer Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und suchte in der Landeshauptstadt nach einem Verein, bei dem er „weiterhin ambitioniert trainieren“ kann. Schnell fündig wurde er bei der SportKultur, die gleich mehrere Weltklasse-Athletinnen in ihren Reihen hat. „Ich wurde sehr herzlich aufgenommen, finde tolle Bedingungen vor und es macht großen Spaß.“ Gleichermaßen hält man den Quoten-Mann aus dem Breisgau für „eine echte Bereicherung, weil wir uns gegenseitig reflektieren, er uns und wir ihm Tipps geben“, sagen die Weltcup-Dritten im Zweierfahren Helen Vordermeier und Selina Marquardt. Auch Trainerin Daniela Klingler findet, dass Zähringer perfekt zur Trainingsgruppe passe: „Er ist unkompliziert, nimmt Anregungen gerne und ohne Murren entgegen und hilft und korrigiert auch andere.“

Die Kunstradsportler stehen vor einer wichtigen Saison. Ende Oktober 2021 findet in Stuttgart die WM statt. Zwar wurde Zähringer bei den letzten deutschen Titelkämpfen Vierter und war Ersatzfahrer im Weltcup, die Chancen zur Teilnahme bei der Heim-WM stuft er aber als „sehr gering“ ein. „Die Konkurrenz hierzulande ist einfach riesig und vor allem qualitativ hervorragend.“ Vielmehr sei sein Ziel, den Schwierigkeitsgrad seiner Übung weiter zu steigern. Den Reiz am Kunstradsport sieht der 25-Jährige in der Kombination „von Kraft, Ausdauer und Ästhetik“.

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