Der kubanische Filmregisseur Juan Carlos Tabío ist am Montag gestorben. Foto: dpa/Dyd Fotografos

Der 1943 geborene, kubanische Filmregisseur Juan Carlos Tabío ist tot. Mit „Erdbeer und Schokolade“ war ihm Mitte der 1990er Jahre ein erfrischend witziger Film gelungen, der ein Tabu aufbrach in Fidel Castros bröselndem Aktivistenreich.

Stuttgart - Der kubanische Filmregisseur Juan Carlos Tabío ist tot. Kubas Filminstitut ICAIC und die kommunistische Parteizeitung „Granma“ teilten mit, er sei am Montagmorgen (Ortszeit) gestorben. Die Todesursache nannten sie nicht. Auch sein genaues Alter war zunächst unklar – fest stand nur, dass er im Jahr 1943 geboren worden war.

Tabío war international vor allem für den Film „Erdbeer und Schokolade“ bekannt, bei dem er zusammen mit Tomás Gutiérrez Alea Regie geführt hatte. Der Film, der das Tabuthema Homosexualität behandelte, wurde bei der Berlinale 1994 mit dem Silbernen Bär ausgezeichnet. Gefallen hatte damals, wie der Film Befreiung aus alten Zwängen, Eroberung von nie gekannten Lebens-Lüsten, Erprobung neugewagter Unabhängigkeit thematisiert. „Erdbeer und Schokolade“ berichtet davon, indem der Film, erfrischend witzig und unbestreitbar zu Gemüte gehend, ein Tabu aufbricht in Fidel Castros bröselndem Aktivistenreich – : das Tabu der Homosexualität. Ein militanter Jungkommunist lässt sich auf einen kunstsinnigen Schwuli ein . Dieser Diego träumt von einem freien Kuba, wo den Menschen Kultur gelehrt statt Kommunismus gepredigt wird, wo Demokratie statt Diktatur herrscht.

Kritik am System ist vorsichtig formuliert

Mit zwangsläufig vorsichtig formulierter Politkritik, poetisch-surrealen Intermezzi und ironischen Seitenhieben fanden die beiden Regisseure Tomas Guiterrez Alea und Juan Carlos Tabio eine Balance, die dem Film trotz seines heiklen Sujets die von der Zensur bedrohte Existenz, aber auch das Interesse der Zuschauer sichern konnte. Der Filmtitel „Erdbeer und Schokolade“ hat mit der Speiseeiswahl in Kuba zu tun. Bei der Wahl zwischen Schokoladen- und Erdbeereis entscheidet sich ein Mann für ersteres, sonst ist er keiner.

Die beiden Regisseure dieses Films versetzen Kubas alter Ordnung frechfröhlich den Stoß – raus aus der macho-funktionärrischen Erstarrung, rein in die trieb- und mitleidsstarke Morbidgemeinschaft unsrer Tage.

Im Jahr 2014 bekam Tabío den Nationalen Filmpreis der sozialistischen Karibikinsel. „Sein Werk ist Teil der transzendenten Geschichte des kubanischen Kinos als Spiegelbild der Identität einer Nation“, schrieb das ICAIC.

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