Will nicht nur spielen: Robert Levit Foto: Robbie Lawrence

In den sozialen Medien wird heftig gestritten: Ein Kritiker hat behauptet, Igor Levit könne sich besser selbst vermarkten als Klavier spielen. Da ist etwas durcheinandergeraten, findet unsere Redakteurin Susanne Benda.

München - Ein Kritiker mag einen Künstler nicht: Der sei überschätzt, schreibt er immer wieder. Der Kritiker sucht nach Argumenten. Manchmal findet er sie in der Kunst. Manchmal aber auch außerhalb – und dann wird’s problematisch. Helmut Mauró, Musikredakteur der „Süddeutschen Zeitung“, hat sich seit Jahren auf Igor Levit eingeschossen. Er mag ihn einfach nicht. „Igor Levit ist müde“, hat er seinen jüngsten Artikel überschrieben, und in ihm geht es gar nicht mehr um Musikkritik, also um eine fundiert argumentierende Beurteilung von Konzerten oder CDs. Stattdessen wird behauptet: Daniil Trifonov sei viel besser als Levit, „der sich gerne aufs spielerisch Unverbindliche verlegt, dann wieder auf ein theatralisch vorgetragenes Pathos“. Kernpunkt des Artikels ist aber nicht der Tastenvirtuose Levit, dem Mauró vorwirft, keiner zu sein. Sondern der narzisstische Selbstvermarkter Levit, der während des Corona-Lockdowns täglich Beethoven-Sonaten aus seinem Wohnzimmer in die Welt hinausstreamte und (auch) dafür jetzt das Bundesverdienstkreuz erhalten hat. Der Twitterer Levit, der sich zu allem und jedem in Politik und Gesellschaft (vor allem, in einer „Opferanspruchsideologie“, zu rechter, antisemitischer Gewalt) äußernde, in sozialen Medien omnipräsente Selbstvermarktungsstar. Fazit des Artikels: Musiker, macht Musik und haltet die Klappe.

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