Diakon Ivan Jelec mit dem Holzkreuz führte die Prozession vom Generationenzentrum Kornhasen zur zweiten Station des ökumenischen Kreuzwegs an. Foto:  

Rund 30 TeilnehmerInnen erlebten einen Ökumenischen Kreuzweg mit Passionsgeschichten an fünf Standorten im Stadtbezirk.

Wangen - Es war ein Stück Normalität: Seit 2009 veranstalten Wangens Kirchengemeinden in der Karwoche den ökumenischen Kreuzweg. 2020 musste die Prozession abgesagt werden. Am Mittwoch trafen sich rund 30 TeilnehmerInnen coronakonform – mit medizinischen Masken und entsprechendem Abstand – zum Kreuzweg mit fünf Stationen im Stadtbezirk. „Noch nie ist in unserm Land nach Ende des Zweiten Weltkriegs unser Leben so durchkreuzt worden, wie durch diese kleinen Viren“, begrüßte Markus Lindel von der Katholischen Kirchengemeinde – in Abwesenheit seines erkrankten evangelischen Kollegen Joachim Wolfer – die Gäste am Generationenheim Kornhasen.

Corona im Generationenzentrum

Geschickt verwoben die Organisatoren die Stationen der Ostergeschichte, der Leidensweg Jesu, mit den Beschwernissen, die die Menschen heute schultern müssen. Mit Wehmut, aber auch Hoffnung blickte Stefan Kelter vom Sozialdienst des Generationenhauses auf die Corona-Monate zurück. „Auch in unser Haus haben das Virus und Corona-Erkrankungen viel Unruhe und Umzüge gebracht.“ Er erinnerte an Tränen der Verzweiflung und Angst bei BewohnerInnen und deren Angehörigen. „Wir wollen weniger Leiden und mehr Weg aus der Pandemie“, wünschte sich eine Bewohnerin. Wie Jesu im Garten Gethsemane hoffen viele, dass „der Kelch an ihnen vorübergeht.“ An der zweiten Station vor der Hajek-Skulptur berichtete eine Wangenerin, wie sie „ihren Mann erst im Krankenhaus besuchen durfte, als er den letzten Schnaufer tat“. Betretene Stille auf dem Weg zur dritten Station vor der Vatikansiedlung. Diakon Ivan Jelec und Konfirmanden trugen abwechselnd das hölzerne Kreuz durch die Ulmer Straße. Vierter Halt war vor dem Weltlädle. Lindel las aus dem Evangelium, wie die Soldaten Jesus verspotteten und eine Dornenkrone auf den Kopf legten.

Abschiebung in Nacht-und-Nebel-Aktion

„Selbst in Europa gibt es noch Rechtlosigkeit. Sind Menschen vor den Schikanen der Ordnungshüter nicht sicher“, sagte Barbara Mobley in ihrem Beitrag und berichtete von der geflüchteten Roma-Familie aus Nordmazedonien, die sich in Wangen integriert hatte und dennoch vor 17 Monaten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgeschoben. Wie einst Simon von Kyrene, der das Kreuz nach Golgata trug, machte sich Jelec mit dem Holzkreuz auf den Weg zum Marktplatz. In Blickweite zur Wilhelmsschule erinnerten die Wangener an die Last, die in der Corona-Zeit auf die Kinder geladen wird: kaum Kontakt zu Großeltern und Freunden, über Wochen kein Präsenzunterricht. „Himmlischer Vater, schenke uns mehr Kraft, nicht Lasten auf andere abzuwälzen, sondern wirklich solidarisch zu sein“, hieß es im letzten Gebet eines außergewöhnlichen Kreuzwegs.

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