Gablenbergs Leo Christ (links) im Zweikampf mit VfL-Akteur Arben Muslija. Für Muslija war der Spieltag nach Foto: /Holger Strehlow

Cannstatter Klub hat große Personalnot

Bad Cannstatt - Die Ansprache nach dem Spiel fiel auf VfL-Seite kurz aus. „So kommen wir nicht weiter. Wenn ihr nicht ins Training kommt, dann wird das hier nichts“, appellierte Trainer Erdem Ürün an seine Mannen. Dieser hatte dabei das Trikot mit der Nummer 3 übergestreift, stand zuvor ungewollt 90 Minuten lang auf dem Platz – seit fast eineinhalb Jahren wieder, nachdem er sich bei seinem letzten Auftritt das Kreuzband gerissen hatte. Doch es half nichts, Ürün musste ran, der Personalmangel machte seinen Einsatz erforderlich. Am Samstag standen dem Coach nämlich gerade mal zwölf Spieler inklusive Ersatztorwart zur Verfügung. „Und das bei einem Kader von 26 Spielern“, sagte Ürün. So kam es gelegen, dass am Wochenende seine Spielerlaubnis dem VfL ins Haus flatterte und sich der ein oder andere „Akteur doch noch bereit erklärte, auf die Bank zu sitzen“.

Trainer beweist Ballgefühl

Für solch eine lange Spielpause machte Ürün seine Sache gut. Auch wenn naturgemäß noch nicht alles rund bei ihm lief, ist zu erkennen, dass er immer noch mit dem Spielgerät umgehen kann. Aus seiner Sicht müsse im konditionellen und mentalen Bereich noch viel gearbeitet werden. Aber es wurde während der 90 Minuten auch deutlich, dass es zumindest der Besetzung vom Sonntag auch an der Qualität mangelt, um sich in der Kreisliga A zu halten. So gewannen die ambitionierten Gablenberger zwar verdient, zeigten am gestrigen Nachmittag aber eine überschaubare Leistung gegen das punktlose Schlusslicht. „Wir haben uns vom VfL einlullen lassen und nach der Pause nur mit mäßigem Tempo agiert“, hat Fabio Criscuolo, einer der beiden SVG-Spielertrainer richtig erkannt. In der ersten Hälfte hatten die Gäste noch so etwas wie Schwung in den Beinen, pressten früh in der gegnerischen Hälfte und spielten schnell über die Flügel. Gefahr ging hauptsächlich über links von Eric Lauble aus, der trickreich und mit hohem Tempo seine Gegenspieler stehen ließ, häufig zur Grundlinie ging und mit Übersicht zurückpasste. Zweimal gelang es seinen Abnehmern aber nicht, den Ball im Gehäuse unterzubringen. In der 22. Minute war eine Flügelaktion der Gäste dann doch erfolgreich. Dieses Mal kurvte David Vukovic auf rechts zur Grundlinie, sah Lauble in der Mitte, der mühelos zum 1:0 einschoss. Eine Minute später zog VfL-Kapitän Volkan Okumus einfach mal aus 35 Metern ab. Der Ball donnerte gegen die Latte. Drei Minuten später wurde den eh nicht fitten VfL-Akteuren noch mehr Puste abverlangt – Arben Muslija sah nach Gegenspieler-Beleidigung die Rote Karte und der VfL war nur noch zu zehnt. „In unserer derzeitigen Verfassung war es dadurch natürlich noch schwerer, etwas Vernünftiges nach vorne zu entwickeln“, so Ürün.

Gablenberg gnädig

Doch die Gablenberger taten den kämpfenden Gastgebern den Gefallen und nahmen vor allem nach der Pause den Druck und das Tempo raus. Ungenaue Pässe im Spiel nach vorne und ein mehrfach stark parierender VfL-Schlussmann Amin Houri taten ihr Übriges, damit die Partie lange offen blieb. „Wir wollten zwar frühzeitig die Entscheidung erzwingen, agierten aber zu passiv“, sagte der zweite SVG-Spielertrainer Patrick Weigl, der nach 48 Minuten mit viel Zeit ausgestattet vor Houri auftauchte, diesen aber anschoss. Zuvor vergab Ghazwan Murad die Möglichkeit zum Ausgleich. In der 61. Minute setzte Okumus einen Freistoß aus 17 Metern erneut an die Querstange. Luca Fetzer war es dann, der nach einem Fehler in der VfL-Abwehr den Deckel auf die Partie machte und das 2:0 (79.) für Gablenberg markierte. Eine Co-Produktion der beiden eingewechselten Spielertrainer bedeutete dann den Endstand – präzise Flanke Cris­cuolo, Kopfball Weigl – 3:0 (89.).

VfL Stuttgart: Houri; Gutti, Djakovic, Takac, Erkaya, Murad (68. Krasniqi) Okumus, Sarikaya (57. Chipev), Muslija, Ürün, Martinovic (78. Ayas).

SV Gablenberg: Graf; Klein, (77. Criscuolo), Janz, Jonathan Schulze, Beutenmüller (68. Fetzer), Christ, Keifer, Vukovic, Schütz (58. Gagstätter), Lauble, Maier (46. Weigl).

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