Ungeimpfte brauchen einen PCR-Test, wenn sie zum Friseur wollen. Foto: dpa/Christin Klose

Ältere sagen vorsichtshalber ihre Termine ab, andere wollen kein Geld ausgeben für teure PCR-Tests. In Kosmetikstudios und Friseursalons bleiben die Kunden weg.

Stuttgart - Behandlungen bei der Kosmetikerin werden kompliziert. Ins Kosmetik- oder Nagelstudio dürfen Kunden nur eingelassen werden, wenn sie geimpft oder genesen sind und einen negativen Coronatest aus dem Testzentrum vorweisen können oder den Test an Ort und Stelle unter Aufsicht machen. So sieht es die sogenannte Alarmstufe II der Coronaverordnung des Landes für körpernahe Dienstleistungen vor.

Stammkunden halten die Treue

Für Daniela Weber kommt das nicht überraschend. „Nachdem die Infektionsraten wieder so enorm gestiegen sind, war das vorhersehbar“, sagt sie. In ihrem Studio Kosmetik im Marquardt behandele sie vor allem Stammkundschaft. „Die Kunden gehen jetzt halt vorher ins Testzentrum. Allerdings haben vor allem Ältere Angst, sich zu infizieren. Die sagen Termine deshalb lieber ab.“

Zeitaufwendige Kontrollen

In ihrem Kosmetikstudio in der Innenstadt hatten schon vor Verkündung der Alarmstufen nur Geimpfte oder Genesene Zutritt. Das Plus an der 2-G-Regel erscheint Anbietern körpernaher Dienstleistungen deshalb weniger als ein Plus an Sicherheit, eher als ein Plus an Arbeit, weil entweder das Testzertifikat geprüft werden oder der Schnelltest bei der Kundschaft unter Aufsicht stattfinden muss. Daniela Weber bleibt gelassen. „Wir müssen uns nun eben damit befassen, wie wir die Zertifikate zu prüfen haben“, sagt Daniela Weber. Die neue Coronaverordnung verpflichtet Betreiber, Anbieter und Veranstalter dazu, Test-, Genesenen und Impfnachweise mit dem Ausweisdokument abzugleichen und die „Genesenen- und Impfnachweise elektronisch, etwa mit der Cov-Pass-Check-App zu prüfen“, heißt es auf der Homepage des Landes.

Viele gebuchte Termine sind storniert

Im Friseursalon Schnittraum im Stuttgarter Süden werden schon seit letzter Woche viele gebuchte Termine storniert, wie Susi Klumpp berichtet, eine der beiden Geschäftsführerinnen. Die Friseurmeisterin führt das auf die hohen Kosten für PCR-Tests zurück, die Ungeimpfte jetzt für den Friseurbesuch brauchen. Manche hätten Angst vor Ansteckung, und manche Leute seien selbst infiziert – „das hatten wir letztes Jahr noch nicht“, sagt Susi Klumpp. Aber sie sagt auch rückblickend: „Der letzte Lockdown hat alles zerstört“, zwei Mitarbeiterinnen hätten gekündigt, und sie habe den Eindruck, „die Schwarzarbeit ist enorm gestiegen“. Zwar sei sie jetzt froh, dass für Friseurgeschäfte noch 3 G gelte – „aber wer weiß, wie lange noch?“ Und noch etwas belaste sie sehr: „Wir müssen die Leute nach dem Ausweis fragen, aber ich fühl mich eigentlich nicht als Kontrolleur“, sagt sie. „Ich bin nicht dazu da, die Leute zu belehren und bekehren. Ich bin Friseurin. Ich schneide Haare.“

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Aber immer, wenn Änderungen bei der Coronaverordnung kommen, „machen wir erst mal einen Tag Telefondienst“ – um Anrufer über die Neuerungen zu informieren. Dass sie nun zu den Kunden auch die Mitarbeiterinnen kontrollieren und alles dokumentieren müsse, finde sie eine Zumutung. „Vor ein paar Wochen durfte ich die Mitarbeiter nicht mal nach ihrem Impfstatus fragen.“ Eines müsse sie unbedingt loswerden: „Wir sind unheimlich dankbar für alle Kunden, die bei uns geblieben sind und die ganzen Maßnahmen anstandslos hinnehmen“, so Klumpp.

Kunden scheuen Kosten für PCR-Tests

Jack the Ripper, Barbershop und Tattoo­studio in einem, bangt ebenfalls ums Geschäft. „Wir waren bis Mitte Januar ausgebucht, jetzt ist das alles unkalkulierbar geworden“, sagt Ioannis Chronakis, der Geschäftsführer. Im Tattoostudio darf er keine Ungeimpften mehr tätowieren, dort gilt jetzt, wie bei den Kosmetikstudios, die 2-G-Plus-Regel. In den Barbershop ist Nichtgeimpften der Zutritt nach Vorlage eines PCR-Tests noch erlaubt. „Aber wer zahlt denn schon für einen PCR-Test 60 oder 80 Euro, um zu uns kommen zu können? Die Ungeimpften sagen jetzt einfach ab.“ Allein am Mittwoch seien vier Leute nicht gekommen. „Ganz ehrlich“, sagt er, „da waren mir die Ungeimpften lieber, die haben sich wenigstens testen lassen müssen.“

Kommt der zweite Lockdown?

Daniela Weber vom Studio Kosmetik im Marquardt blickt besorgt in die Zukunft. „Mich würde nicht wundern, wenn man noch mal alles komplett runterfahren würde in Anbetracht der hohen Inzidenzen. Ich persönlich habe mich damit abgefunden, dass wir im Dezember das Studio wieder schließen müssen.“ Österreich macht’s gerade vor.