Das 17-jährige Opfer: Martin Katschker engagierte sich in seiner Freizeit für das Rote Kreuz. Foto: Privatarchiv Holger Reile

Konstanz vor 50 Jahren: gerade zur Universitätsstadt aufgestiegen und schon Langhaarige im Straßenbild. Dann fällt ein Schuss, und plötzlich ist auch am See Studentenrevolte.

Konstanz - Hans Poller (Name geändert) platzt der Kragen: Drei Kerle hocken auf der Lehne einer Parkbank, die Schuhe auf der Sitzfläche, mitten auf dem Blätzleplatz. Poller will den „Maßgebenden“ sprechen. Doch die Halbstarken verstehen nicht. Ob er von der Kripo sei oder von der Bürgerwehr? „Ich bin eine Bürgerwehr für mich allein“, bläfft Poller zurück. Dann zückt er ein Bolzenschussgerät und drückt es einem der Jungen auf die Brust. „Verschwindet, ich zähle bis drei, sonst knallt’s!“ Dass jetzt sein zehnjähriger Sohn dazu kommt, der ihm nachgeschlichen ist, kann Poller gar nicht gebrauchen. „Vater, was machst du?“, fleht der Bub und zupft ihn am Ärmel. Poller schiebt ihn weg. „Eins.“ Die Jugendlichen erheben sich. „Zwei.“ Sie schauen ihm ins Gesicht. „Drei“ will Poller sagen, doch da löst sich schon der Schuss. Das Projektil, das sonst Hasen tötet, durchschlägt den Herzbeutel und die Herzspitze des Lehrlings Martin Katschker und bleibt im zehnten Brustwirbelknochen stecken. Er stirbt am Tatort.

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