Krzysztof Penderecki Foto: dpa/Diego Azubel

Der Komponist Krzysztof Penderecki ist im Alter von 86 Jahren in Krakau gestorben.

Krakau - Krzysztof Penderecki hat viel Häme ertragen müssen. Der Weg des polnischen Komponisten, der, sehr oberflächlich betrachtet, von radikaler Avantgarde ausging und in ein Bekenntnis zur Tradition mündete, ist oft als populistisch geschmäht worden, als Einknicken des Künstlers vor dem Massengeschmack. Das böse Wort vom „Penderadetzky“, dem Anführer der „tonalen Paarhufer“, hat Pendereckis Stuttgarter Kollege Helmut Lachenmann geprägt – ein Ausdruck von Wut und Enttäuschung gegenüber einem Komponisten, der bei den Donaueschinger Musiktagen 1960 mit einem radikalen Werk die Öffentlichkeit aufhorchen ließ. Noch heute wird beim Hören von „Anaklasis“ für 42 geräuschhaft eingesetzte und vierteltönig aufgespaltene Solo-Streicher mit Schlagzeug deutlich, warum die Zuhörer in dem damals erst 27-Jährigen einen Hoffnungsträger der Neuen Musik sahen – und warum sie ihn später als Verräter an der Sache der Avantgarde diffamierten. Im Gegenzug hat der einstige Neutöner, der direkt nach dem Abschluss seines Studiums 1958 eine Kompositions-Professur, später das Rektorat der Krakauer Musikakademie übernahm, eine Popularität erlangt, die vielen seiner „linientreuen“ Mitstreiter verwehrt blieb. Dafür sorgte auch die Zusammenarbeit mit der Geigerin Anne-Sophie Mutter, die Pendereckis zweites Violinkonzert „Metamorphosen“ in Konzerten um die Welt trug und die den Komponisten außerdem zu drei weiteren virtuosen Werken inspirierte. Zu Pendereckis 85. Geburtstag 2019 hat die Deutsche Grammophon die aus der Künstlerfreundschaft hervorgegangenen Werke auf einer Doppel-CD herausgebracht – hörenswert.

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