Städte im Kreis Ludwigsburg kämpfen mit ihren maroden Hallen. Sanierungen werden aufgeschoben, Neubauten auf Eis gelegt. Doch das ist nur der Anfang.
Die Hallensituation stresst mehrere Städte im Kreis. Die Rathäuser wollen ihren Bürgern ausreichend Fläche zum Sporttreiben zur Verfügung stellen, doch die Kassen sind klamm und Sanierungen und Neubauten teuer. Doch die Schwierigkeit mit den Sporthallen ist wohl nur die Spitze des Eisbergs. Der Sanierungsstau öffentlicher Gebäude ist enorm – in hunderte, wenn nicht sogar tausende Gebäude im Kreis müsste eigentlich Geld gesteckt werden, das jedoch fehlt.
Viele Kommunen haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten an der Gebäudeunterhaltung gespart. Das rächt sich jetzt. Die einen ignorieren die Herkulesaufgabe immer noch weg, andere gehen die Sanierungen mit Angstschweiß auf der Stirn an. Wie zum Beispiel Steinheim: Bürgermeister Thomas Winterhalter und seine Verwaltung haben viel Arbeitskraft und Geld in die Hand genommen, um ihre rund 80 öffentlichen Gebäude „besser kennenzulernen“. Jetzt gilt es diese zu priorisieren: Welches Objekt kann wie auf Vordermann gemacht werden? „Die Belastung ist enorm“, gesteht auch Winterhalter ein.
Neben den Sporthallen sind besonders Schulgebäude betroffen. Davon wurden viele in den 1960er und 1970er Jahren gebaut und dann lange Zeit sich selbst überlassen. Das Problem ist aber nicht nur die hohe Anzahl an sanierungsbedürftigen Schulen im Kreis – auch die Ansprüche an Schulgebäude sind vergleichsweise hoch. Denn es geht nicht nur um Statik und Wärmeeffizienz, sondern auch um ein modernes Lernumfeld, das nichts mehr mit den Zuständen der 60er und 70er Jahre zu tun hat.
Welche Kosten das zur Folge hat, kann man am Beispiel Bildungszentrum West in Ludwigsburg sehen. Die drei Neubauten mit zwei Schulen und einer Bibliothek werden mindestens 200 Millionen Euro kosten. Ein Betrag, bei dem wohl alle Kämmerer der Kreisstädte resigniert abwinken.
Zugang zu Förderungen muss vereinfacht werden
Allein werden die Kommunen den Sanierungsstau nicht abgebaut bekommen, das steht fest. Was sind also die Alternativen? Einerseits Projekte aufschieben, was tropfende Decken, zerkratzte Hallenböden und Digitalisierungswüsten bedeuten würde. Andererseits: Förderungen von Bund und Land. Die gibt es, es hapert aber am Zugang. Beispielsweise würden Verfahren so lange dauern, dass die Förderung nicht mehr zur angestrebten Maßnahme passen würde, berichten Bürgermeister. Zudem seien einige Fördertöpfe überzeichnet, was zur Folge hat, dass Förderbeträge viel kleiner ausfallen als erwartet. Drittens erschweren Bürokratie und Regularien den Zugang.
Es braucht mehr Vertrauen des Bundes und Landes in die kommunale Verwaltung, sagt ein Bürgermeister hinter vorgehaltener Hand. Geld wird bereits locker gemacht, in den kommenden Jahren wird es entscheidend sein, dass dieses Geld in den Städten und Gemeinden auch schnell und wirksam ankommt.