Auf der Waldebene Ost sieht man einige umgeknickte oder umgestürzte Bäume. Hier auf dem Weg ins Dürrbachtal. Foto: Sebastian Steegmüller

Schäden an Bäumen nehmen durch Trockenheit und Extremwetter zu

Stuttgart-Ost - Am Freitag, 1. Mai, ist auf der Waldebene Ost eine 15 Meter hohe Eiche umgestürzt. Sie verfehlte einen Audi nur um wenige Zentimeter, begrub jedoch einen Skoda unter sich. Die Folge: Totalschaden, in Höhe von rund 30 000 Euro (wir berichteten). Auch ein Mercedes, der in der Nähe des Wagens parkte, wurde schwer beschädigt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sich Personen in den Fahrzeugen befunden hätten. Glücklicherweise waren die Autos am Waldrand nur geparkt, es wurde niemand verletzt.

Kein Sturmschaden

Im ersten Moment würde man auf einen Sturmschaden tippen. Andreas Pfaffenzeller, Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes, geht jedoch nicht davon aus, dass die Windstärke die Hauptursache für das Umfallen des Baumes war. „Das ist unwahrscheinlich. Am Tag der Arbeit lagen die Windgeschwindigkeiten in Baden-Württemberg auf der Beaufortskala bei 7, nur vereinzelt bei 8.“ An der Messstation am Schnarrenberg wurden am 1. Mai 59,4 Kilometer pro Stunde gemessen. Zum Vergleich: Der Rekord am 1. Dezember 1999 liegt bei 144 km/h und Windstärke 12, auch das Sturmtief Sabine blies mit Tempo 108,7 (Windstärke 10) mehr als doppelt so schnell über das Neckartal. „In vielen Fällen kommt es ab Windstärke 10 zum Umstürzen der ersten beziehungsweise einzelner Bäume bei einem Sturm. Mehrere Bäume fallen in der Regel erst bei höheren Windstärken um“, so Pfaffenzeller. Gelegentlich seien auch äußerlich gesund aussehende Bäume betroffen, die innerlich bereits morsch und brüchig sind. „Zudem tritt auch das Phänomen auf, dass Bäume entwurzelt werden, andere in ein paar Metern Höhe abgerissen werden.“

Schwere Krone

Doch, warum ist der Baum auf der Waldebene Ost denn letztlich umgestürzt? „Der Auslöser war eine Kombination aus Laubaustrieb, Niederschlag und Wind“, sagt Stadtsprecher Martin Thronberens nach Rücksprache mit den Mitarbeitern des Garten-, Friedhofs- und Forstamts. Nachwehen von Orkan Sabine könne man laut den Experten ausschließen. „Damals ist es zwar zu Baumstürzen und Brüchen gekommen, so Thronberens. „Es ist davon auszugehen, dass die Bäume, die durch den Orkan im Februar Schäden erlitten haben, schon gefallen sind.“ Im konkreten Fall sei die Dichte des Kronenholzes höher als die vom Stamm gewesen und die Krone somit zu schwer. „Hinzu kam, dass die Wurzeln des Baumes geschädigt und nicht mehr standsicher waren.“ Diese Schädigung habe man jedoch oberirdisch nicht erkennen können.

Unterschied am Waldrand

Gerade an Waldrändern würde regelmäßig eine Kontrolle durch qualifizierte Baumkontrolleure erfolgen. Schließlich hat der Besitzer, hier also die Stadt, entlang von Straßen, Erholungseinrichtungen und Bebauungen eine Verkehrssicherungspflicht. Anders sieht es mitten im Wald aus. Auf Trampelpfaden oder Wegen gelte diese Pflicht nicht. Stürzt ein Baum in diesen Bereichen um, greift die reguläre Forstwirtschaft je nach Lage des Stammes ein und entfernt ihn. Wenn er niemand behindert, wird er „bei naturschutzfachlich hochwertigen Waldbeständen oder Bäumen entsprechend belassen und es erfolgt kein Eingriff“, sagt Thronberens.

Ein Bild, das Spaziergänger auf der Waldebene Ost, gerade auch im Dürrbachtal, nur zu gut kennen. Dass dort mehr Bäume umgestürzt sind, ist wohl aber nur eine subjektive Wahrnehmung. „Dort sind es nicht markant mehr als in anderen Bereichen“, so der Stadtsprecher. „Durch den Klimawandel mit den Trockenjahren und Extremwetter nehmen die Schäden an Waldbäumen aber insgesamt zu.“

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