Die Klimabilanz des Streamings war bisher weitgehend unbekannt. Foto: frei djd DEVK

Eine Studie offenbart erstmals die Klimabilanz digitaler Dienstleistungen. Entscheidend ist, wie Daten übertragen werden, und jeder kann einen eigenen Beitrag leisten.

Berlin - Zum Smartphone greifen und per Videoanruf kurz mit Freunden und der Familie sprechen – die Zeit des Lockdowns im Frühjahr zeigte vielen Menschen, wie wichtig die Videotelefonie geworden ist. Die zunehmende Nutzung solcher Angebote hat aber auch Folgen für das Klima.

„Bislang war die Datenlage zur Klimawirkung digitaler Infrastruktur eher dürftig“, so Bundesumweltministerin Svenja Schulze auf einer Veranstaltung des Bundesumweltministeriums. Die Klimabilanz von Rechenzentren, Datennetzen oder Videostreaming konnte bisher nur geschätzt werden. Forscher des Projekts „Green Cloud-Computing“ haben daher nun eine Methode entwickelt, mit der die Umweltbilanz von digitalen Dienstleistungen berechnet werden kann. Durchgeführt wird das Projekt im Auftrag des Umweltbundesamtes.

Die Art der Datenübertragung ist entscheidend

Eine Erkenntnis des Projekts ist, dass die Art der Datenübertragung eine entscheidende Rolle spielt: Daten werden über Glasfaser nicht nur deutlich schneller übertragen als über Kupferkabel – Glasfaser ist auch die klimafreundlichste Übertragungstechnik: Fünf Mal weniger Energie wird im Vergleich zum Kupferkabel benötigt. Wie weit das Rechenzentrum vom Verbraucher entfernt ist, spielt laut den Wissenschaftlern eine kleinere Rolle. Entscheidend ist vielmehr die sogenannte letzte Meile, sagt Lutz Stobbe vom Fraunhofer-Institut, der am Projekt mitarbeitet. Die letzte Meile bezeichnet das letzte Stück der Datenübertragung bis zum Hausanschluss. Für den Großteil der deutschen Haushalte wird hier Kupferkabel eingesetzt. Daher spricht sich das Umweltbundesamt nun für den Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland aus.

Jeder kann per Einstellung etwas beitragen

Beim CO2-Verbrauch macht es laut der Studie einen großen Unterschied, ob man über WLAN oder das Mobilfunknetz streamt: Die CO2-Bilanz für das Rechenzentrum und die Datenübertragung über Glasfaser beträgt für eine Stunde Videostreaming zwei Gramm CO2, im alten Mobilfunknetz 3G liegen die Emissionen in der gleichen Zeit bei 90 Gramm CO2. Ministerin Schulze hält deshalb den Ausbau von WLAN Hotspots im öffentlichen Raum für sinnvoll, wie sie am Donnerstag erklärte. Laut den Wissenschaftlern kann aber auch der Einzelne etwas beitragen. Beim Videostreaming über das Smartphone kann das menschliche Auge eine hohe Auflösung nicht von einer geringeren unterscheiden. Wer die Auflösung auf ein notwendiges Maß reduziert, entlastet die Netze und sorgt so für einen niedrigeren Energieverbrauch.

Teil des Projekts „Green Cloud Computing“ ist auch die Frage, wie klimafreundlich Rechenzentren sind. Zur Berechnung werden sowohl die Herstellung als auch die Nutzung eines Rechenzentrums einbezogen. In einem der untersuchten Rechenzentren, das am ineffizientesten arbeitet, wurde zehn Mal mehr CO2 verbraucht als notwendig.

Ministerin Schulze fordert daher, dass Rechenzentren künftig einen verbindlichen Umweltausweis erhalten, der Auskunft über ihre Klimafreundlichkeit gibt. Für eine umweltfreundliche Digitalisierung

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