Die Klett-Passage soll umgestaltet werden. Foto: Lichtgut//Leif Piechowski

Erst wenn Stuttgart 21 fertig ist, sollen die Klett-Passage und die Schillerstraße umgestaltet werden. Das wird sich bis in die 30er Jahre ziehen. Stadträte zeigen sich ernüchtert.

Stuttgart - Der von der Stadt anvisierte Umbau des unmittelbaren Bahnhofsumfelds wird deutlich später fertig, als bislang angenommen. Mit der Neugestaltung der Klett-Passage etwa kann erst im Jahr 2028 begonnen werden. Die Reduzierung des Verkehrs auf dem darüberliegenden Arnulf-Klett-Platz und der angrenzenden Schillerstraße wird frühestens im Jahr 2031 begonnen. Diese Zahlen hat die Bauverwaltung im zuständigen Gemeinderatsausschuss genannt und damit Ernüchterung auf breiter Front bei den Stadträtinnen und Stadträten ausgelöst.

Stadt hält Annahmen für realistisch

Dass die Zahlen bei den politisch Verantwortlichen keine Begeisterungsstürme auslösen würden, war Stephan Oehler, Leiter der Abteilung Verkehrsplanung und Stadtgestaltung im Amt für Stadtplanung und Wohnen, klar. „Das sind lange Zeitläufe, aber dafür eben auch realistische Annahmen“, sagte der Planer. Gerade im Bereich des Bahnhofs sind in sich zusammenstürzende Terminpläne kein gänzlich unbekanntes Phänomen. Auch wenn mal wieder Befürchtungen die Runde machen, die Bahn könnte für die Fertigstellung von Stuttgart 21 erneut das selbst gesteckte Ziel nicht erreichen und die Inbetriebnahme im Jahr 2025 wackeln, so wird die Stadt für ihre Vorhaben deutlich länger brauchen. „Die Leute haben erwartet, dass mit dem neuen Bahnhof auch das Umfeld fertig ist. Doch so wird das nicht kommen“, fasste Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) die bittere Wahrheit zusammen.

Viele reden bei der Klett-Passage mit

Er und Oehler betonten mehrfach die Komplexität des geplanten Umbaus. Viele Flächen rund um den Bahnhof seien heute von der S-21-Baustelle belegt. Erst wenn diese geräumt seien, könne es mit dem Umbau der Klett-Passage losgehen. Zudem müsse im Geschoss, in dem die Stadtbahnen fahren, zunächst der Brandschutz auf Vordermann gebracht werden. Dass neben den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) auch eine zur Landesbank Baden-Württemberg gehörende Immobiliengesellschaft und die Deutsche Bahn im Grundbuch abgesicherte Dienstbarkeiten in dem unterirdischen Bauwerk haben, erschwert dessen Umgestaltung zusätzlich, wie Joachim Peschke vom Liegenschaftsamt erklärte. Die Bahn, die ein Mitspracherecht hat, habe zugesichert, sich an der Umgestaltung zu beteiligen.

Wettbewerb soll Ideen liefern

Wie genau die Passage aus dem Jahr 1976 nach ihrem Umbau aussehen wird, ist indes noch nicht ausgemacht. Der lange von der Stadt angekündigte Wettbewerb soll nach dem überarbeiteten Terminplan im Herbst 2023 entschieden sein. Gabriele Munk, Stadträtin der Grünen, konstatierte nüchtern, dass angesichts dieser Vorgaben „zur Internationalen Bauausstellung 2027 nichts zu sehen sein wird“. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz bedauert gleichfalls das lange Warten und forderte die Verwaltung auf, die nächsten Schritte so vorzubereiten, „dass sie auch gegangen werden können, wenn sie möglich sind“. Martin Körner (SPD) war enttäuscht, „dass wir es nicht hinbekommen, Bahnhof und Umfeld zusammen fertigzustellen“. Hannes Rockenbauch (Die Fraktion) und Christoph Ozasek (Puls) waren eindringlich dafür, wenigstens die Verkehrsberuhigung vor dem Bahnhof früher anzugehen. Dafür müsste aber zunächst der Verkehr in die Wolframstraße umgeleitet werden, was aber erst nach dem Abbau der heutigen Gleise möglich ist, sagte Peter Pätzold. Heute seien auf der Schillerstraße 50 000 Autos am Tag unterwegs, erklärte Stephan Oehler, mindestens 30 000 davon sollen künftig den Weg über die Wolframstraße nehmen.

Hin und Her an der Heilbronner Straße

Kein Verständnis hatten die Stadträte dafür, dass die Heilbronner Straße, die jetzt noch von den Bauarbeiten für Stuttgart 21 betroffen ist, zunächst von der Bahn wieder in den alten Zustand zurückversetzt wird, ehe die Stadt sie nach eigenen Vorstellungen wieder umgestaltet. Stephan Oehler nannte das einen Zwischenschritt, den man gehen müsse.

Wie schwer sich die Stadt mit der Neugestaltung von Flächen tut, die durch Stuttgart 21 möglich wird, zeigt sich auch einem Projekt in Nachbarschaft zum Bahnhof. Die ehemalige Bahndirektion und die Flächen drum herum, auf denen der Bau von S 21 bereits abgeschlossen ist, sollen zu einem neuen Quartiert werden. Ende Januar hätte das Vorhaben im Gemeinderat besprochen werden sollen. Dazu kam es nicht. Pätzolds Bauverwaltung sah die „verwaltungsinterne Abstimmung“ als noch nicht abgeschlossen an.