Die Kapellenzwerge sammeln regelmäßig den Müll der Besucher an der Grabkapelle ein. Foto: Mathias

Aufregung bei Verantwortlichen der Eltern-Kind-Kitas: Die geplante Änderung der Förderrichtlinien der Stadt gefährdet ihre Existenz. Die Kriterien zur Platzvergabe widersprechen der Philosophie vieler freien Kitas.

Untertürkheim - Nicht die Corona-Bestimmungen, die den Erzieherinnen den Alltag in den Einrichtungen schwerer machen, sondern die geplanten Änderungen der städtischen Förderrichtlinie schockiert zur Zeit Eltern und Verantwortliche von Eltern-Kind-Kitas. „Die Erhöhung der Fachkräfteschlüssel betrachten wir sehr positiv. Leider sind weitere Themen für uns in der Form nicht akzeptabel und wir könnten damit unser Engagement als Eltern-Kind-Initiative in freier Trägerschaft nicht mehr leisten“, erklären die Vorstandsmitglieder des Vereins „Kindergarten Kapellenzwerge“ in ihrer Stellungnahme an die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses. Sie werden am Montag über die Änderungen beraten. Der Brief ist in einem sachlichen Ton verfasst. Die Aufregung der Eltern ist jedoch enorm. „Wenn die Kriterien künftig bei der Platzvergabe in allen öffentlich-zugänglichen Kindertageseinrichtungen angewendet werden müssen, wäre es für viele Kitas dramatisch. Es würde das Aus für ehrenamtliches Engagement bedeuten“, entrüstet sich Sandra Hörner vom Dachverband der Stuttgarter Eltern-Kind-Gruppen. Etliche Einrichtungen hätten sich bei ihnen bereits voller Sorgen gemeldet.

Worum geht es? Seit 2017 erfolgt die Platzvergabe für städtische Kitas zentral über das Kita-Platzmanagement des Jugendamts. Die Vergabe erfolgt über klar festgelegte, transparente Kriterien und nach einem Punktesystem. Die Platzvergabe der freien Träger erfolgt dagegen nach deren Kriterien. Vorgaben der Stadt gibt es bisher keine. Das soll sich ändern. Die Stadtverwaltung, die die freien Kitas bezuschusst, will nun eine einheitliche Regelung mit für Eltern nachvollziehbaren Kriterien einführen. Wer diese nicht akzeptiert, bekäme nicht die Förderung für die Betriebsausgaben von etwa 90 Prozent, sondern nur die gesetzliche von 63 beziehungsweise 68 Prozent.

Auch die freien Träger müssen sich zur Anwendung der trägerübergreifenden Platzvergabekriterien verpflichten. „Mit der Vorgabe, dass die Plätze ausschließlich Stuttgarter Kindern zur Verfügung stehen, können wir gut leben“, sagt Hörner. Andere Kriterien würden aber der Idee der Eltern-Kind-Initiativen widersprechen. Initiativen wie die Kapellenzwerge und der Waldkindergarten in Rotenberg oder die Rohrspatzen in Rohracker könnten den Eltern, die in ihrem Verein Mitglied werden und mithelfen, nur bedingt zusagen, dass deren Kind auch eine Platzgarantie hat. „Die Zuteilung der Kinder, insbesondere das Wegfallen der Bevorzugung der Geschwisterkinder, entspricht nicht dem Gedanken unserer Eltern-Kind-Initiative, indem die Eltern über einen längeren Zeitraum den Kindergarten mitgestalten“, schreiben die Vereinsvorstände der Kapellenzwerge. Die Rotenberger Kita im alten Schulhaus entstand aus der Not heraus, als der städtische Kindergarten geschlossen werden sollte. Rotenberger Kinder hätten in entfernteren Einrichtungen untergebracht werden müssen. Rührige Eltern wurden initiativ. Sie gründeten in kurzer Zeit einen Verein, erarbeiteten ein Konzept, suchten Erzieherinnen, organisieren, verantworten und stecken viele ehrenamtliche Stunden – auch in Corona-Zeiten – in den Kita-Betrieb. „Dabei lernen die Kinder auch, dass der Einsatz für ein Projekt oder die Gesellschaft etwas Positives ist“, so Hörner. Zudem gelinge die Integration von behinderten Kindern oder Kindern aus anderen Kulturkreisen besser, da sich auch die Familien kennenlernen und Zeit miteinander verbringen. Die Kapellenzwerge haben immer Kinder vom Geflüchtetenheim in der Württembergstraße aufgenommen.

Den Wegfall der freiwilligen Zuschüsse der Stadt könnten die Trägervereine kaum kompensieren. Als einzige Möglichkeit stünde ihnen eine massive Erhöhung der Elterngebühren zur Verfügung, „was unter Berücksichtigung des ehrenamtlichen Engagements nicht vorstellbar ist“, erklären die Vorstände der Kapellenzwerge. Die Schließung wäre die logische Folge – für die Rotenberger Kita und eventuell für 49 andere Kitas in freier Trägerschaft.

Der Sturm der Entrüstung hat mittlerweile auch die Stadtverwaltung aufgerüttelt. In der Jugendhilfeausschusssitzung wolle die Verwaltung deswegen den Vorschlag unterbreiten, dass auf die Verpflichtung der Anwendung der trägerübergreifenden Platzvergabekriterien – anders als es in der Vorlage dargestellt sein wird – verzichtet werde, erklärt Heike Schmid, die Persönliche Referentin von Jugend- und Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer.

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