Die Kita Memeler Straße soll neu gebaut werden. Foto: Iris Frey

Im Stadtbezirk Mühlhausen gibt es seit Jahren Lücken in der Kitaplatz-Versorgung. Eltern müssen sich bis 15. Februar entscheiden. Einen Bericht des Jugendamts gibt es frühestens im März.

Mühlhausen - Die Versorgung mit Kita-Plätzen stand immer wieder auch im Bezirksbeirat in der Diskussion, wenn das Jugendamt dort die neuesten Zahlen anbot. So geschehen im vergangenen Jahr mit einem Zwischenbericht. Schon da zeigten sich Lücken in der Versorgung. Nun soll es in diesem Jahr den Bericht zur Lage geben, der sich auf das Jahr 2019 bezieht. Ein Problem dabei für die Eltern, dass sie sich vor der Vorlage des Berichts für einen Betreuungsplatz entscheiden müssen. Doch der kommt offenbar erst, nachdem sie ihre Entscheidung getroffen haben müssen.

Auch der Mühlhäuser Arno Kambeck macht sich diesbezüglich Sorgen. So hat er in der Bürgersprechstunde im Dezember 2020 das Problem angesprochen und um einen möglichst frühen Bericht gebeten zur Situation der Kitas und der Versorgungslage mit Kita-Plätzen im Stadtbezirk Mühlhausen.

Der Großvater weiß aus eigener Erfahrung, dass sich die Eltern bis zum 15. Februar für einen städtischen Kita-Platz entscheiden müssen. Und so wollten sie eigentlich vorher über die statistische Lage informiert sein, so seine Hoffnung.

Wie das Jugendamt auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, soll der Jahresbericht zur Versorgungsentwicklung der Kindertagesbetreuung im März oder Mai im Jugendhilfeausschuss vorgelegt werden. Er enthalte Daten- und Informationen zur statistischen Versorgungsentwicklung der Kindertagesbetreuung. Die Fristen zur Anmeldung eines Kindes für einen Kitaplatz seien davon völlig unabhängig und den Eltern über viele Kanäle, wie Willkommensbuch der Stadt Stuttgart, Presse und Internet bekannt.

Laut Zwischenbericht habe der Bezirk Mühlhausen 2019 einen Versorgungsgrad mit 87,1 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen den zweitschlechtesten Wert der 23 Stuttgarter Stadtbezirke, so der Mühlhäuser. Bei den Null- bis Dreijährigen liege Mühlhausen nur auf Platz 17, bei den Stadtbezirken sei bei den Drei- bis Sechsjährigen Freiberg und Mönchfeld mit 65 Prozent Versorgung der Zweitschlechteste der Stuttgarter Außenbezirke. Mühlhausen und Hofen wiesen 85 Prozent auf, Neugereut 117 Prozent. Die Situation in Freiberg, Mönchfeld und Mühlhausen, sei, so der Großvater, seit 2017 kaum besser geworden und werde auch durch Zugänge 2019 und 2020 nicht ausgeglichen.

Zudem sei die Situation maßgeblich verschärft worden durch die Verlagerung der katholischen Kita von Mönchfeld nach Hofen während der Neubauphase. Den vom Bezirksbeirat Mühlhausen beantragten Bustransfer von Mönchfeld nach Hofen hatte die Stadt abgelehnt. „Als Folge meldeten Eltern Kinder in den bestehenden Kitas in Freiberg und Mönchfeld an“, so der Großvater. So gebe es in der evangelischen Kita in Mönchfeld 40 Anmeldungen bei vier freien Plätzen. Der 71-jährige Mühlhäuser befürchtet, dass sich die ohnehin schon beengte Situation in Mühlhausen verlagern werde. Somit verschärfe sich die Situation weiter.

Laut Zwischenbericht gebe es in Mühlhausen erhebliche Engpässe bei der Halbtagsbetreuung, da die Stadt Ganztagesplätze ausbaue, obwohl dies Eltern in Mühlhausen nicht wünschten. Eltern befürchten weitere Engpässe für die Dreijährigen, die in die Kita angemeldet werden sollen. Es gebe jetzt schon Eltern, die deshalb ihre Kinder nach Bad Cannstatt bringen müssten. Das sei weder verkehrs-, umwelt- noch sozialpolitisch sinnvoll und schon gar nicht kindgemäß.

Bezirksvorsteher Ralf Bohlmann äußert Verständnis für die Nachfrage des Großvaters, die ihn ebenfalls erreicht und die er mit dem Jugendamt beantwortet hat. Er weist darauf hin, dass die Verwaltung bestrebt sei, einen möglichst hohen Deckungsgrad an Kita-Plätzen in den jeweiligen Stadtbezirken und Stadtteilen zu gewährleisten. Allerdings sei dies von verschiedenen Faktoren abhängig, auf welche die Verwaltung nicht immer Einfluss habe. So wurden im aktuellen Haushalt Fördermittel für eine neue Kita im Öku in Neugereut bewilligt. Leider sei die katholische Kirche aktuell nicht in der Lage, dieses Projekt anzugehen, so Bohlmann im Brief. In Mühlhausen gebe es das Problem des Kita-Platz-Defizits seit ein paar Jahren. „Das Problem können wir nicht lösen, solange wir nicht neue Einrichtungen schaffen“, so der Bezirksvorsteher.

Bohlmann macht auch auf das Problem der fehlenden Erzieher aufmerksam. „Es sind viele Faktoren, bei denen das Jugendamt und andere Stellen gefordert sind.“ So sei die Frage, ob es in den jeweiligen Stadtteilen Potenzial, einen Betreiber und Fachkräfte gebe. „Es ist eine Herausforderung, es auf den Status quo zu bringen, wohnortnah Kita Plätze zu schaffen. Wir können nur den Finger in die Wunde legen, für die Umsetzung sind andere gefragt, da fehlt uns die Möglichkeit.“ Durch Corona verschiebe sich alles, so könnten auch Bebauungspläne nicht ausgelegt werden. Das Jugendamt resümiert: Nach der Realisierung aller Projekte werden Lücken geschlossen und Kapazitäten für die Zuzüge geschaffen sein. Vorausgesetzt, dass genug Personal gefunden wird, die Kinderzahlen nicht weiter steigen und die Eltern nicht noch mehr Ganztagesplätze als bisher nachfragen, werde der Bedarf in der Kinderbetreuung im Bezirk Mühlhausen in allen Stadtteilen gedeckt werden können.

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