Gerd Schmid hat eine Petition an den Deutschen Bundestag eingereicht. Foto: Iris Frey

Wenn Kinder beispielsweise Diabetes haben, wird es in der Schule oft nicht leicht mit der Betreuung. Der Neugereuter Gerd Schmid hat nun eine Petition für Schulschwestern in Schulen an den Bundestag eingereicht.

Neugereut - Der Fall von Max (Name geändert) hat tief berührt. Er stand kurz vor der Einschulung, leidet an Diabetes Typ 1 und ist mit einer dauerhaften Insulinpumpe ausgestattet (wir berichteten). Schwierige Umstände, die nicht leicht zu lösen gewesen sind. Inzwischen besucht der Junge die Pelikanschule in Neugereut. Es gibt eine Begleitung für ihn, da die Schule – wie viele andere auch – keine Schulkrankenschwester hat. Die Hürden der Einschulung sind nach einem großen Ämterlauf und Einsatz der Betroffenen nun überwunden worden.

Doch noch läuft nicht alles rund. So muss der Junge in den Herbstferien von den Eltern betreut werden, berichtet der Großvater, „weil es in diesem Punkt noch keine zuverlässige Abstimmung zwischen Ämtern, Schule und Hilfsorganisationen gibt.“ Seine Bemühungen ergaben aber, dass das zu Weihnachten besser laufen soll. Bei den Hilfsorganisationen sei es weiterhin so, dass man Angst vor einer unbekannten Art der Betreuung habe. Wenn den Mitarbeitern erklärt werde, dass es sich in solchen Fällen nur um eine kurze Einweisung handele, man nicht piksen müsse, würden plötzlich alle zugänglicher. So war seine Erfahrung bei der Suche nach einer Ferienbetreuung. Zuerst gab es strikte Ablehnung. Als es dann zum Gespräch mit Mutter und Kind gekommen sei, hätten die Mitarbeiter gestaunt und erklärt: „Wenn das so einfach ist, dann gehen wir die Geschichte neu an.“

Das Staatliche Schulamt wolle nun eine Information erstellen, in der betroffene Eltern von Grundschülern Organisationen mit Ansprechpartnern bekommen. Hierzu hat der Großvater, Gerd Schmid, vier Hilfsorganisationen gefunden, die dazu bereit sind. Auch sei ihm gegenüber gesagt worden, dass wohl gerade die Planung läuft, „Schulschwestern“ in noch auszuwählenden Schulen zum Test zu installieren. Also genau das, was Schmid seit zwei Jahren als schnellsten und einfachsten Weg fordert.

Vom Staatlichen Schulamt sowie von der Behindertenbeauftragten hat er feste Zusagen, dass sie emsig daran arbeiten, verpflichtende Regelungen zu finden, welche die bisherigen unverbindlichen ersetzen. Dass damit auch Kindergartenkinder integriert werden müssen, ist allen Beteiligten klar. „Ich bekomme viele Anfragen von Eltern mit Kindergartenkindern, die in den Seilen hängen“, so Schmid. Der Neugereuter hat nun Ende August eine Petition zu „Schulschwestern“ im Bundestag eingereicht. Bisher habe er zwei Rückmeldungen, dass der Antrag geprüft werde. Er fordert, dass bundesweit Schulschwestern an allen Schulen installiert werden. Sie können sich dann nicht nur um begleitungsbedürftige Schüler kümmern, auch um Lehrer, wenn sie schnell Hilfe brauchen. So würde es in Dänemark und Schweden gehandhabt.

Der Antragssteller weist in seiner Petition darauf hin, dass der Bundestag vor fünf Jahren einen Arbeitskreis eingesetzt habe, der sich für die Umsetzung dieses Problems der Schulkrankenschwester sorgen soll. Bisher ohne Erfolg. So müssten in unserem Land die Krankenkassen oder, je nach Krankheit, die Gesundheitsämter die Kosten für eine Schulbegleitung bezahlen. Wenn in ein oder derselben Schule mehrere Inklusionskinder seien, habe jedes Kind seine eigene Betreuung. Auch macht der Petent aufmerksam, dass nicht geregelt sei, wer wann für welche Schulbegleitung zuständig sei. Selbst innerhalb eines Bundeslandes hätten die Städte und Gemeinden unterschiedliche Regelungen.

Die Hilfsorganisationen würden nicht wissen, ob und wie sie Personal zur Verfügung stellen sollen oder dürfen. Eltern würden oft ihren Arbeitsplatz kündigen, um ihre Kinder zu versorgen, weil niemand zu finden sei, der die Aufgaben übernehmen könne oder wolle. Oder die Großeltern würden diese Aufgabe notgedrungen übernehmen. Deshalb die Forderung nach Einführung einer Schulkrankenschwester, die schnell vor Ort sei, wenn ein Kind Hilfe und Unterstützung brauche, sei es bei der Dosierung von Insulin, bei der Einschätzung von Allergenen oder sonstigen Wehwehchen. Heute müsse die Schule erst die Eltern oder einen Rettungswagen rufen. Eine Schulkrankenschwester würde die Krankenkassen finanziell entlasten und die Rettungskräfte personell, so das Argument des Antragsstellers.

Nach zahlreichen Anrufen, hat Schmid auch eine Reaktion aus dem Kultusministerium Baden-Württemberg: „Es wurde mir versichert, dass man im Kultusministerium ebenfalls fleißig nach Lösungen sucht. Unsere bisherigen Erfahrungen mit den Hilfsdiensten, welche abblocken, ohne zu wissen, was tatsächlich anfällt, sollen mit ins Boot genommen werden.“ Auch dass die Hilfe durch Krankenkassen oder Gesundheitsämter bezahlt werden, ist oft unbekannt. Das Problem wurde nun hoffentlich erkannt. Auch gehen die Überlegungen im Kultusministerium gleich auch mit in den Kita-Bereich.“ Das freut Schmid, er wünscht sich nur, dass es bald schneller voran geht.