Der spanische Schauspieler Antonio Banderas wird 60. Foto: Felix Hörhager/dpa Foto: dpa

Weniger Hollywood, mehr Málaga. Antonio Banderas wird 60 und will nicht mehr den heißen Latin Lover oder den Degen schwingenden Zorro mimen, sondern den «wirklich wichtigen Dingen» den Vorrang geben. Dazu gehört ein Projekt in seiner Heimatstadt, das von Corona unterbrochen wurde.

Madrid - Antonio Banderas ist einer der größten europäischen Hollywood-Stars. Der Leinwand-Latin-Lover aus Andalusien im Süden Spaniens, der am Montag (10. August) 60 Jahre alt wird, hat mit dem Film-Mekka in Los Angeles derzeit allerdings wenig bis gar nichts am Hut.

"Schuld" ist der 26. Januar 2017. Vor dreieinhalb Jahren erlitt er beim Sport in seinem Haus in der südenglischen Grafschaft Surrey unweit von London einen Herzinfarkt, der sein Leben total veränderte. "Der Infarkt hat mir das Leben gerettet. Plötzlich räumst du den wirklich wichtigen Dingen Vorrang ein", bilanzierte Banderas in mehreren seiner jüngsten Interviews.

Es gebe inzwischen einen "neuen" Antonio Banderas. "Vielleicht ist es nicht mal so schlecht, den (alten) Banderas zu töten", sagte der Schauspieler ("Die Maske des Zorro") jüngst der Zeitung "El Periódico". Er ist überzeugt: "Den Infarkt habe ich mir ganz alleine eingebrockt. Weil ich Dinge gemacht habe, die mir nicht gefielen, und weil ich Projekte verteidigt habe, an die ich nicht geglaubt habe, nur weil der Produzent neben mir saß." Nur 15 seiner etwa 60 Filme seien wirklich gut gewesen. Eine Rolle spiele auch das Alter, räumte er ein. "Ich werde jetzt 60. Da kann ich nicht mehr den Jungen herauskehren, der gern den Zorro spielt."

Das bedeutet aber nicht, dass Banderas seit dem Anfall eine ruhige Kugel schiebt. Der Ex-Ehemann von Hollywood-Kollegin Melanie Griffith bezeichnet sich weiter als "Workaholic, der ohne Arbeit nicht leben kann", auch wenn ihm drei Stents eingepflanzt wurden. Er spielte zuletzt unter anderem die Hauptrolle im Filmdrama "Leid und Herrlichkeit" (2019) seines Entdeckers Pedro Almodóvar und erhielt dafür mehrere Auszeichnungen für den besten Darsteller, unter anderem in Cannes, sowie den spanischen Goya-Preis.

Die meiste Zeit widmete Banderas in den Monaten vor der Pandemie aber dem - wie er sagt - "Projekt meines Lebens". Im November eröffnete er in seiner Geburtsstadt Málaga das von ihm gestiftete Teatro del Soho. Bei der Premiere und in späteren Aufführungen des Musicals "A Chorus Line" trat er selbst auf. Und das tat ihm gut: "Durch das Tanzen habe ich zehn Kilo verloren. Ich fühle mich gut", verriet er erst vor ein paar Monaten. "Ich rauche nicht mehr, ich esse nicht mehr jeden Tag Fleisch und mache mir nicht mehr so viel Stress." Ehrgeizig bleibt Banderas aber: Mit "A Chorus Line" will er sich so bald wie möglich in New York präsentieren.

Unter "schrecklichem Stress" habe er vor allem 2014 während der Scheidung von Griffith nach 18-jähriger Ehe gelitten - auch wegen der gemeinsamen Tochter Stella del Carmen (23), die sich seit zwei Jahren als Schauspielerin versucht. "Die Scheidung war für mich sehr hart. Wir hatten 20 Jahre lang unser eigenes Universum aufgebaut, und plötzlich ging alles in die Luft." Mit Melanie (62) verbinde ihn aber noch eine enge, "wunderbare Freundschaft".

Banderas war derweil nach der Scheidung nicht lange allein. Schon seit Ende 2014 ist er mit der 20 Jahre jüngeren deutsch-niederländischen Anlageberaterin Nicole Kimpel zusammen. Die beiden waren eines der Paare, die von der Corona-Pandemie monatelang getrennt wurden. Während Kimpel den Lockdown in Genf mit ihrem Vater und ihrer Zwillingsschwester verbrachte, war Banderas nach eigenen Angaben 70 Tage allein in seinem Haus in Marbella. "Ich habe Wäsche gewaschen, gebügelt, den Boden mit Lauge geputzt", erzählte er im Juni der Zeitung "El País".

Alles andere als ein Don Juan. Banderas war allerdings im wirklichen Leben schon immer mehr ein Kämpfer als ein Latin Lover, ein Lebens- und Überlebenskünstler. Der Sohn eines Polizeibeamten und einer Lehrerin verließ schon mit 18 das Elternhaus in Málaga mit umgerechnet nur 90 Euro in der Tasche, um in der Hauptstadt Madrid den Durchbruch als Schauspieler zu schaffen.

Berichten zufolge wurde er Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre neun Mal aus Pensionen geworfen, weil er mit den Zahlungen für die Unterkunft in Verzug geriet. Aber dann kam Almodóvar. Mit dem schrillen Provokateur drehte er unter anderem "Labyrinth der Leidenschaften" (1982) und "Matador" (1986), bevor das Duo 1988 mit der Komödie "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" weltweit den Durchbruch schaffte. Der Streifen wurde unter anderem für einen Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film nominiert - und diente Banderas als beste Visitenkarte für Hollywood.

Der Andalusier sprach damals nicht ein einziges Wort Englisch, er packte aber dennoch die Koffer und zog nach Los Angeles. Für seine erste Rolle in "Mambo Kings" (1992) studierte er - ganz Kämpfer - den Text phonetisch ein, ohne ihn wirklich zu verstehen. Es klappte aber. Der Ruf von Top-Regisseuren wie Bille August ("Das Geisterhaus", 1993), Jonathan Demme ("Philadelphia", 1993) oder Alan Parker ("Evita", 1996) ließ nicht auf sich warten.

Er drehte auch an der Seite der attraktivsten Frauen seiner Generation. Zum Beispiel mit Pop-Ikone Madonna in "Evita", mit Catherine Zeta-Jones in "Die Maske des Zorro" (1998) oder mit Angelina Jolie in dem Melodram "Original Sin" (2001). Vor der Kamera lernte er auch Melanie Griffith kennen - bei der romantischen Komödie "Two Much - Eine Blondine zuviel" (1996).

Banderas Erfolgsrezept? "Man muss Geduld haben und auf die Details achten. Ich habe mir alles immer hart und ganz allein erarbeitet, Schritt für Schritt, habe überall Castings gemacht, und auch viel Mist ertragen müssen", erzählte er im Gespräch mit "La Opinión de Málaga". Um fit zu bleiben, trinkt der "geständige" Hypochonder nach eigenen Angaben viel Tee und macht viel Yoga. Und nach Ende des strengen Corona-Lockdowns joggt er wieder jeden Tag - auch wenn er auch in Málaga von Paparazzi gejagt wird. Sich unters Messer zu begeben, um Altersfalten zu beseitigen, lehnt er strikt ab. "Erst wenn dein Körper nicht das tut, was dein Gehirn will, dann kannst du sagen: Houston, wir haben ein Problem."

© dpa-infocom, dpa:200807-99-75968/2

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