Quelle: Unbekannt

Von Elke Hauptmann

Fellbach - Sie fühlt sich im Fellbacher Rathaus willkommen. Aber eine Schonfrist gibt es für Gabriele Zull nicht. Kaum im Amt vereidigt, ist die neue Oberbürgermeisterin der Stadt Fellbach schon mittendrin im Arbeitsalltag: Mitarbeiter kennenlernen, Strukturen abklären, Termine wahrnehmen, in Themen einarbeiten. Den Stress der vergangenen Zwölf-Stunden-Tage lächelt sie voller Tatendrang weg. Am Anfang sei es immer am intensivsten, weiß die 49-Jährige. „Aber für mich ist das gut. So komme ich schnell in die neue Aufgabe rein.“

Das muss sie auch: Nur wenige Tage nach ihrem Amtsantritt sieht sie sich gleich mit einem „Hammerthema“ konfrontiert, bei dem sie klar Position beziehen muss: Den Nord-Ost-Ring, der durch das Bundesverkehrsministerium völlig überraschend wieder aufs Tapet gebracht wurde. An der ablehnenden Haltung Fellbachs werde sich nichts ändern, betont die studierte Juristin. Eine sechsspurige Autobahn über das Schmidener Feld komme für sie nicht infrage. Der Nord-Ost-Ring, ist Zull überzeugt, werde nicht weniger, sondern mehr Autos anziehen. „Wir sehen in diesem Mammutprojekt nicht die Lösung der Verkehrsprobleme.“ Vielmehr sollte man über kleinräumige Alternativen diskutieren - sie werde deshalb das Gespräch mit ihren Amtskollegen in den Nachbarkommunen suchen, allen voran Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn, kündigt Zull an.

Flagge zeigen, wo nötig, Impulse geben, wo möglich - so versteht die frühere Erste Bürgermeisterin von Göppingen ihre Aufgabe in der Kappelbergstadt. Nein, beeilt sich die neue Rathauschefin zu betonen, sie werde die Verwaltung nicht „umstülpen, nicht tausend neue Dinge angehen“ und schon gar nicht wolle sie Göppinger Ideen kopieren. Aber: „Wir werden schauen, wo etwas verbessert werden kann“, sagt sie energisch. Konkrete Beispiele könne sie noch nicht benennen, sie wolle erst mal „schauen, wo wir in Fellbach stehen“.

Keine Frage, die parteilose Gabriele Zull - die erste Frau an der Rathaus-Spitze in Fellbach und die einzige Frau, die dieses Amt im Rems-Murr-Kreis inne hat - bringt frischen Wind in die Kommunalpolitik. Eine politische Kehrtwende ist unter der neuen Oberbürgermeisterin allerdings nicht zu erwarten. Zull betont, sie wolle an den zentralen Themen wie dem Verkehrsentwicklungsplan, dem Stadtentwicklungsprozess „Staffel‘25“ und der Wirtschaftsförderung weiterarbeiten. Ein wichtiges Anliegen ist ihr die Schaffung bezahlbaren Wohnraums - wie schwer es ist, in der Kappelbergstadt eine Wohnung zu finden, erlebt sie derzeit selbst hautnah mit. Auch die Bildungspolitik werde ein Schwerpunktthema der kommenden Jahre sein, ist Zull überzeugt. Und nicht zuletzt gelte es, die Integration der Flüchtlinge voranzutreiben - eigens dafür will sie einen Runden Tisch Asyl ins Leben rufen. Zudem plant sie, ab dem nächsten Jahr regelmäßige Bürgersprechstunden anzubieten und Stadtteilbegehungen durchzuführen. „Ich möchte wissen, was die Menschen in der Stadt bewegt.“

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