Das Zuschütten der Baugrube hätte rund eine halbe Million Euro gekostet. Foto: Uli Nagel

Die LBBW Immobilien Development GmbH lobt im Sommer einen Wettbewerb für das 4000 Quadratmeter große Grundstück aus. Da kein neuer Bebauungsplan nötig ist, soll der Bauantrag Anfang 2024 gestellt werden.

Die Cannstatter Einzelhändler konnten Ende Februar durchatmen. Das 4000 Quadratmeter große Kaufhof-Gelände am Wilhelmsplatz hat nur noch einen Besitzer. Endlich, denn fünf Jahre lang dauerten die zähen Verkaufsverhandlungen, bevor sich die drei Eigentümer einig wurden. Jetzt gehört das städtebaulich herausragende Grundstück der LBBW Immobilien Development GmbH, die in den kommenden Jahren die Flächen neu bebauen will.

Schlüsselgrundstück für Bad Cannstatt

„Es hat zwar sehr lange gedauert, doch jetzt haben wir endlich eine gute Perspektive“, sagte Bernhard Grieb, der Leiter der Wirtschaftsförderung, im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik, als die Stadtverwaltung und die LBBW Immobilien das weitere Vorgehen den Fraktionen erläuterten. „Es ist ein Schlüsselgrundstück für Bad Cannstatt“, bestätigte Corinna Althanns vom Stadtplanungsamt die Bedeutung der ehemaligen Kaufhof-Flächen, die unmittelbar an die Altstadt grenzen. Eine Neubebauung müsse optisch eine Verbindung zum Wilhelmsplatz schaffen. Allein das sei schon eine schwierige Aufgabe, denn er gehöre zu den komplexesten Verkehrsknoten der Landeshauptstadt. Aus diesem Grund war auch die Rathausspitze, die in den vergangenen Jahren bei vielen Verkaufsgesprächen „vermittelnd“ integriert war, der Meinung, dass die künftige Bebauung und Nutzung des gut 4000 Quadratmeter großen Grundstücks im Herzen Cannstatts über einen anspruchsvollen Wettbewerb gehen muss.

BW Bank zurück an alten Standort

Was die spätere Nutzung angeht, so hat man bei den LBBW Immobilien schon seit geraumer Zeit einige Vorstellungen, wobei die Rückkehr der BW Bank von ihrem Interimsquartier in der Seelbergstraße an ihren alten Standort in der Marktstraße von Anfang an gesetzt war. „Das wurde bereits intern geklärt“, sagte Mario Strunk, der bei der LBBW Immobilien für das Projekt verantwortlich ist. Was eine mögliche Nutzung für Büros und Arztpraxen angeht, so wurden ebenfalls schon erste Gespräche geführt. Angedacht seien natürlich auch Flächen für Einzelhandel sowie für einen Nahversorger. „Ob Wohnen in diesem Bereich möglich ist, wird noch geprüft“, so Mario Strunk.

Fraktionen pochen auf Stimmrecht in Jury

Was den Fraktionen wichtig ist: „Wir wollen das Projekt nicht nur begleiten“, so Björn Peterhoff von den Grünen. Das heißt, wenn der Sieger des Wettbewerbs gekürt wird, müssen auch Stadträtinnen und Stadträte in der Jury auftauchen. Egal ob zwei oder drei Baukörper, Durchgänge, die zu Pinkel-Passagen mutieren, sind genauso unerwünscht wie eine wuchtige Bauweise, die nicht zum Altstadt-Charakter passt. Der Meinung von Beate Bulle Schmid (CDU) schloss sich Stefan Conzelmann an: „Bitte keine Passagen mehr, sondern eine offene Bauweise“, so der SPD-Stadtrat. Conzelmann ist – wie auch Deborah Köngeter (Fraktionsgemeinschaft Puls) und Armin Serwani (FDP) – zudem davon überzeugt, dass eine Tiefgarage nicht zwingend notwendig sei. „Eine superrelevante Fläche für Bad Cannstatt – und die braucht einen gescheiten Wettbewerb mit viel Beteiligung, Mitsprache- und Entscheidungsrecht seitens des Gemeinderats “, so Hannes Rockenbauch (Die Fraktion. Einzig Michael Schade von den Freien Wählern warnte vor „zu harten Vorgaben“.

Kein neuer Bebauungsplan

Da für das Projekt kein neuer Bebauungsplan notwendig ist, wird viel Zeit gespart. Johannes Schlosser, der Technische Geschäftsführer bei der LBBW Immobilien, hofft, den Bauantrag bereits Anfang 2024 einreichen zu können. „Was den Wettbewerb und die Anzahl der Teilnehmer betrifft, sind wir flexibel und richten uns nach den Wünschen der Stadt und des Gemeinderats“, so Schlosser. Die Fraktionen können sich eine Mehrfachbeauftragung angesichts des „stadtteilprägenden Projekts“ mit mindestens zehn Teilnehmern schon vorstellen. Im Spätherbst soll der Sieger verkündet werden.

Aufschütten hätte 500 000 Euro gekostet

Dass die Brachfläche nicht zugeschüttet wurde und somit eine Interimsnutzung möglich ist, sei zwar bedauerlich, hat aber vor allem einen finanziellen Grund. „Das hätte laut Signa rund 500 000 Euro gekostet“, so Schlosser. Auf jeden Fall soll der Bauzaun, der bis zum Baubeginn stehen bleiben wird, verstärkt und verschönert werden.

Nutzung und städtebauliche Ziele der Stadt

Baukörper
An einer so prominenten Lage erwartet die Stadt einen Entwurf mit höchster städtebaulicher Qualität. Bei mehreren Gebäuden müssen die Verbindungen zwischen Bad- und Marktstraße eine „Durchlässigkeit“ garantieren. Anpassung an den Klimawandel (Dach- und Fassadenbegrünung, Material) sind Voraussetzung. Keine Hinterhofsituation schaffen.

Nutzung
Kleinteilige, publikumswirksame Nutzungen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss, welche auch zur Belebung in den Abendstunden beitragen. Zwingend: Ansiedlung eines Lebensmittelvollsortimenters als Frequenzbringer in der Marktstraße. Büros, Praxen, Seminar- und Eventräume in den oberen Etagen. Eine Wohnnutzung muss geprüft werden.

Stellplätze
Auf dem Grundstück sind keine Stellplätze vorhanden. Ziel ist ein stark reduzierter Stellplatznachweis (keine Stellplätze für gewerbliche Nutzung, gegebenenfalls untergeordneter Nachweis für Behindertenparkplätze und