In den Gottesdiensten sind immer weniger Besucher zu verzeichnen. Foto: dpa/Stefan Sauer

Die katholische Gesamtkirchengemeinde St. Urban hat mit der Kirchengemeinderatswahl vor einem Jahr eine Umfrage unter ihren rund 9000 erwachsenen Mitgliedern verbunden. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.

Untertürkheim - Die aus den vier katholischen Gemeinden der Oberen Neckarvororte bestehende Gesamtkirchengemeinde St. Urban hat mit der Kirchengemeinderatswahl vor einem Jahr eine Umfrage unter ihren rund 9000 erwachsenen Mitgliedern verbunden. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.

Insbesondere die Meinung der nicht in Erscheinung tretenden stillen Mitglieder von St. Johannes Untertürkheim, St. Franziskus Obertürkheim, St. Christophorus Wangen und St. Markus Hedelfingen wollten Pfarrer Andreas Gälle und die ehrenamtlichen Organisatoren auf diese Weise einholen. Denn: „Wir sehen jeden Sonntag, dass wir viele Menschen mit unseren Gottesdiensten nicht mehr erreichen. Wir können nicht einfach weitermachen wie bisher“, erklärt Kirchengemeinderat Michael Laub den Hintergrund der anonym gehaltenen Befragung. Das Ziel war herauszufinden, was sie sich von ihrer Kirchengemeinde wünschen, was sie erwarten und wo sie Veränderungsbedarf sehen. „Nur wenn wir ihre Bedürfnisse kennen, haben wir die Chance zu reagieren.“

Keine Resignation

„ Der Rücklauf war leider nicht so groß, wie wir erhofft hatten“, räumt Pastoralreferent Markus Lindel ein. Nur rund 250 ausgefüllte Fragebögen habe man erhalten – fast ausschließlich von den ohnehin Aktiven. Jene passiven Mitglieder aber, die zwar bereit sind, die Kirchensteuer zu bezahlen, sich jedoch nicht am Gemeindeleben beteiligen, hat man offenbar nicht erreicht. „Sie haben sich nicht angesprochen gefühlt“, bedauert Laub. Die Enttäuschung darüber ist herauszuhören, immerhin hat der im Kern aus fünf engagierten Mitgliedern der Kirchengremien bestehenden Projektgruppe mehrere hundert Stunden Arbeit in Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Umfrage investiert. „Aber wir lassen uns nicht entmutigen“, betont Laub. Im Gegenteil.

Kommunikation und Transparenz

Die Umfrage habe nämlich durchaus gute Erkenntnisse geliefert. Mit der pastoralen Arbeit und dem Gemeindeleben seien die Mitglieder im Großen und Ganzen zufrieden. Am häufigsten geäußert worden sei der Wunsch nach mehr Begegnungsmöglichkeiten sowie nach einer stärkeren Präsenz des Pfarrers in den Gottesdiensten – keine einfache Sache für ihn bei gleich vier zu betreuenden Gemeinden. Deutlich geworden sei auch, dass so manches soziale Angebot noch zu wenig bekannt sei. Ein ganz wichtiges Fazit der Befragung ist laut Lindel: „Wir müssen mehr kommunizieren, was wir machen und warum.“ Zugleich gelte es, die Arbeit transparenter zu machen, so der Pastoralreferent. Mit Verweis auf die begrenzten Handlungsmöglichkeiten müsse man den Mitgliedern erklären, was tatsächlich leistbar sei. „Unsere Hebel sind kurz“, umschreibt Laub die Situation. Am kommenden Mittwoch wird der Haushalt 2021 der Gesamtkirchengemeinde beschlossen – die finanziellen Spielräume sind eng. „Wir werden deshalb in den kommenden Jahren schwierige Diskussionen zu führen haben“, betonen Lindel und Laub. So werde St. Urban künftig mit einer Personalstelle weniger arbeiten müssen. „Die Frage stellt sich: Wie gehen wir damit um?“

Prozess angestoßen

Die geplante öffentliche Informationsveranstaltung zu den Umfrageergebnissen mit den Katholiken aus den vier Gemeinden habe coronabedingt bislang nicht stattfinden können. In kleinerem Kreis aber sei bereits über Themen- und Handlungsfelder gesprochen worden. Die Diskussion über die Gemeinde der Zukunft sei damit eröffnet und werde in den kommenden Monaten fortgeführt. Es sei der größte Nutzen der Mitgliederbefragung, dass dieser Prozess angestoßen wird, sagt Laub im Brustton der Überzeugung. Auch Lindel sieht darin „ein positives Signal“.

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