Am Karl-Benz-Platz, im Bereich des Arlbergdurchlasses, stehen bis Frühjahr 2022 Kanalbauarbeiten an. Foto: Elke Hauptmann

Ende November sollen umfangreiche Kanalarbeiten in der Augsburger und Arlbergstraße beginnen. Sie werden mindestens 17 Monate dauern. Mit Staus am Knotenpunkt Karl-Benz-Platz ist zu rechnen.

Untertürkheim - Der Stuttgarter Gemeinderat hat grünes Licht für die nächste Großbaustelle in Untertürkheim gegeben: In der Augsburger Straße und der Arlbergstraße werden auf einer Länge von rund 500 Metern die Mischwasserkanäle erneuert, zudem wird in der Arlbergstraße ein neues Regenüberlaufbauwerk errichtet, für das am Karl-Benz-Platz auf rund 330 Metern Länge die Regenwasser-Entlastungskanäle ertüchtigt werden müssen. Alles in allem werden 8,9 Millionen Euro in den Kanalbau investiert. Voraussichtlich Ende November sollen die mindestens 17 Monate dauernden Bauarbeiten beginnen. Verkehrsteilnehmer müssen sich bis Frühjahr 2022 auf erhebliche Behinderungen an diesem Knotenpunkt einstellen.

Zeitplan drängt

Der Zeitplan drängt: Zum 31. Januar 2022 verliert die Stadt nach genau 100 Jahren das Recht, das Abwasser aus der Wallmersiedlung durch die zwei Kanäle zu leiten, die unter den Bahngleisen hindurch Richtung Benzstraße führen. Die beiden sogenannten Dolen befinden sich im Eigentum der Deutschen Bahn. „Seitens der DB wird dieses Durchleitungsrecht nicht mehr verlängert“, erläutert Technik-Bürgermeister Dirk Thürnau in der Beschlussvorlage die Notwendigkeit des Kanalbaus. Denn durch den im Zuge von Stuttgart 21 notwendig gewordenen Tunnel der Zuführung Untertürkheim und die Herstellung des Wartungsbahnhofs in Untertürkheim ergebe sich in diesem Bereich ein Konflikt. Aufgrund der bestehenden Eigentums- und Vertragsverhältnisse sei deshalb eine Neuordnung des Entwässerungssystems erforderlich. Den Grundsatzbeschluss dafür hat der Stuttgarter Gemeinderat bereits im Oktober 2018 gefasst.

Komplexes Bauwerk

Nachdem bereits erste Vorarbeiten – etwa das Fällen von Bäumen und die Untersuchung des Erdreichs nach möglichen Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg – erfolgt sind, lässt der städtische Eigenbetrieb Stadtentwässerung Stuttgart (SES) nun ein ziemlich komplexes Bauwerk erstellen – wobei intensiv in die Infrastruktur Untertürkheims eingegriffen wird. Teilweise wird an mehreren Standorten zeitgleich gearbeitet. Die neue Leitungstrasse verläuft relativ geradlinig ab der Einmündung Stubaier Straße über die Augsburger Straße, die Arlbergstraße und den Arlbergdurchlass zum Karl-Benz-Platz. Als Ersatz für die ebenfalls entfallenden Regenüberläufe in der Benzstraße wird ein neues Regenüberlaufbauwerk östlich des Arlbergdurchlasses erstellt. Die beiden von dort aus weiterführenden Kanäle leiten das Mischwasser in den Hauptsammler in der Benzstraße ein, während das Regenwasser im Entlastungskanal unter dem gesamten Karl-Benz-Platz hindurch zum bestehenden Regenwasserauslasskanal beim Inselkraftwerk geführt und schließlich in den Neckar eingeleitet wird. Der Entlastungskanal wird hierbei unterirdisch mittels eines bemannten Schildvortriebs auf gut 190 Meter Länge gebaut, der Verbindungskanal bis zum vorhandenen Regenwasserauslasskanal auf rund 25 Metern in offener Bauweise. Die Kanäle in der Augsburger- und der Arlbergstraße sowie das Regenüberlaufbauwerk werden ebenfalls oberirdisch erstellt.

Eingriffe in den Straßenverkehr

Das alles geht nicht ohne Eingriffe in den Straßenverkehr, räumt Thürnau ein. Für die Baumaßnahme sei die Einrichtung großräumiger Umleitungen über die Mettinger-, Kappelberg-, Fellbacher- und Dietbachstraße beziehungsweise über die Benz- und die Alte Untertürkheimer Straße erforderlich. Auch Straßensperrungen und temporäre Einbahnstraßenregelungen sind vorgesehen. „Im Zuge der einzelnen Bauphasen muss die Verkehrsführung insbesondere auf dem Karl-Benz-Platz mehrfach geändert werden, was auch eine provisorische Erneuerung der Lichtsignalanlagen erfordert.“

Die Bezirksbeiräte, die bereits im Februar des Jahres über die anstehenden Kanalbauarbeiten informiert wurden, befürchten chaotische Verkehrsverhältnisse und eine deutliche Zunahme des Schleichverkehrs durch den Ortskern.

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