Bürgermeister Boris Seitz strebt den großen Wurf für die Halle an. Foto: Werner Kuhnle

Die Käsberghalle in Mundelsheim (Kreis Ludwigsburg) hat viele Wehwehchen. Deshalb soll sie saniert und um eine Vereins-Gaststätte erweitert werden. Knackpunkt ist die Finanzierung.

Der Bau der Käsberghalle war Anfang der 1980er-Jahre ein Politikum in Mundelsheim. Die Diskussionen schaukelten sich hoch, am Ende musste sogar ein Bürgerentscheid abgehalten werden. Heute ist die Mehrzweckhalle kaum noch aus dem Gemeindeleben wegzudenken. Sie ist unter anderem Heimat der örtlichen Handballer und Veranstaltungsort für Konzerte und Feiern. Allerdings steht die Kommune im Hinblick auf die Halle auch jetzt wieder vor einer wegweisenden Frage: soll das in die Jahre gekommene Gebäude generalsaniert werden oder nicht?

Der Gemeinderat beschäftigt sich gerade eingehend mit dem Thema. Das Gremium hat eine Machbarkeitsstudie mit verschiedenen Varianten in Auftrag gegeben. Rund 100.000 Euro hat sich die Kommune die Expertise kosten lassen. Die Ergebnisse wurden im Dezember präsentiert. Damit liegen auch grobe Kostenschätzungen auf dem Tisch. Und bei den Summen, die im Raum standen, mussten die Räte erstmal schlucken.

Gaststätte mit 100 Plätzen in der Diskussion

Im Außenbereich könnte ein Vereinsheim angedockt werden. Foto: Werner Kuhnle

Für die Sanierung müsse man etwa neun Millionen Euro in die Hand nehmen, sagt der Bürgermeister Boris Seitz. Ein möglicher Anbau würde mit weiteren drei Millionen Euro zu Buche schlagen. In diesem neuen Trakt könnte eine Gaststätte mit bis zu 100 Sitzplätzen angesiedelt werden und darüber hinaus ein zentrales Vereinsheim für alle Mundelsheimer Organisationen.

Für die Finanzierung hat die Gemeinde auch schon einen Plan. Man hat sich um Mittel aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ beworben. Bekomme man den Zuschlag, wäre das Gros der Kosten gedeckt, sagt der Bürgermeister. Das Problem ist nur, dass bei sehr vielen seiner Kollegen ebenfalls die Augen geleuchtet haben, als die Nachricht von dem neuen Fördertopf die Runde machte. Unter anderem haben sich Marbach mit dem Bau eines neuen Hallenbads und Steinheim mit der Sanierung des Freibads darum beworben. Die Chancen auf einen Zuschlag werden folglich überschaubar sein. „Das Programm wird maßlos überzeichnet sein. Schlussendlich liegt es nicht in unserer Hand“, gibt sich auch Seitz keinen Illusionen hin.

„Energetisch ist die Halle ein Nuller. Wir heizen von der Größe und der Kubatur her praktisch zwei Hallen.“

Boris Seitz, Bürgermeister von Mundelsheim

Andererseits ist der Handlungsbedarf unverkennbar. „Energetisch ist die Halle ein Nuller. Wir heizen von der Größe und der Kubatur her praktisch zwei Hallen“, sagt der Rathauschef. Hausmeister Bernd Hebbel nickt bestätigend. „Wir tanken mindestens zehnmal im Jahr 3000 bis 4000 Liter Flüssiggas“, sagt Hebbel. Ungefähr 50.000 Euro pro Jahr müsse man an Heizkosten einkalkulieren.

Ein weiterer Schwachpunkt sind die laut Seitz nur einfach verglasten Fenster. Bei entsprechender Witterung sammele sich das Schwitzwasser. „Außerdem drückt das Grundwasser von unten durch“, ergänzt Bernd Hebbel. Die Bodenplatte sei beschädigt. Das Wasser könne sich somit sammeln, aufstauen und unter den Holzboden schwappen. Zunehmend schwierig werde es überdies, für manche in der Halle verbauten Teile wie Scharniere aufgrund des Alters Ersatz aufzutreiben, berichtet der Hausmeister.

Halle hat viele kleinere Mängel

Die Käsberghalle wurde in den 1980er-Jahren gebaut – nach dem ersten Bürgerentscheid in der Gemeinde. Foto: Werner Kuhnle

Hebbel und Seitz könnten lange so weitermachen und andere Defizite aufzählen. „Es ist nicht so, dass die Halle morgen zusammenbricht“, stellt der Bürgermeister zwar klar. Das Problem sei aber die Vielzahl an kleineren Baustellen, die sich quer durch das Gebäude zögen. In der Vergangenheit sei mal dies, mal das geflickt und gerichtet worden, aber eben keine umfassende Sanierung in die Wege geleitet worden.

Sollten die Zuschüsse aus Berlin fließen, müsse man deshalb die Chance ergreifen und handeln, findet Seitz. „Es wird auch nicht billiger. Wenn man das in zehn Jahren macht, kostet es 15 Millionen Euro“, gibt er zu bedenken. In Anbetracht der erforderlichen Detailplanungen und einer europaweiten Ausschreibung wäre ein Baustart frühestens 2030 denkbar. Ziel wäre dann auch, die Gasheizung zu ersetzen, zum Beispiel durch eine Luft-Wärmepumpe oder eine Anlage auf Geothermiebasis, erklärt Seitz. Zudem würde eine PV-Anlage mit einer Leistung von 250 Kilowatt aufs Dach geschraubt.

Und falls Berlin den Daumen senkt? „Dann müssen wir im Gemeinderat diskutieren, wie es weitergeht. Es gibt ja auch noch andere Fördertöpfe. Aber das Fragezeichen dahinter würde größer, das ist klar. Und die Sanierung würde sich nach hinten verschieben“, sagt der Bürgermeister.