Das Tiefbauamt stellt Wände der Unterführung für junge Graffiti-Künstler Foto: Mathias Kuhn

Das Tiefbauamt will in der Wangener Marktplatz-Unterführung einen farbigen Akzent setzen. Sie stellt jungen Künstlern eine Wand für ihre Graffiti zur Verfügung.

Wangen - Die Unterführung am Marktplatz ist ein Sorgenkind der Wangener. Eigentlich wurde sie als sicherer Weg für Schülerinnen und Schüler eingerichtet. Ohne die Stadtbahngleise und die beiden Fahrbahnen der viel befahrenen Hedelfinger Straße überqueren zu müssen, können die Fußgänger die andere Straßenseite erreichen. Die meisten Passanten – vor allem Kinder, Jugendliche und Senioren – meiden aber die unterirdische Passage. Trotz langer Wartezeit an den Lichtsignalanlagen wollen die meisten oben bleiben. Die Gründe: Das Treppensteigen ist mühsam und viele Fußgängerinnen und Fußgänger fühlen sich im Untergrund auch unwohl.

Denn in der Röhre ist es dunkel, die Wände sind oft verschmiert und manchmal verziehen sich Jugendliche unter die Erde – sei’s, um heimlich zu rauchen, um in dem Schlauch zu kicken oder um sich dort zu treffen. Wenn es dann laut wird, ängstigen sich die jüngeren Schüler. Auch die Hinterlassenschaften – Schmierereien an den Wänden, Abfall und an den Ecken manchmal auch Urin – tragen nicht zur Attraktivität der Unterführung bei. „Die Geruchsbelästigung schreckt viele Menschen ab“, meinte Bezirksbeirat Niels Clasen von SÖS/Linke/Plus.

Mehrfach haben die Stadtverwaltung und die Bezirksbeiräte versucht, die Unterführung wieder ansprechender zu gestalten. Auch auf Initiative von Bezirksvorsteherin Beate Dietrich hat eine engagierte Künstlerinitiative die Unterführung vor einigen Jahren als Galerie bespielt. Eine Seite der Unterführung wurde beispielsweise mit Fotopostern zum Thema Kodak verschönert, in einem früheren Technikraum lief eine Filminstallation. Im Laufe des Jahres wechselten die Ausstellungsthemen. Doch offensichtlich wurden die Kunstaktionen nicht von allen Passanten gewürdigt. Immer wieder wurden die Kunstwerke beschmiert oder die Technik beschädigt. Bei einer Ortsbegehung des Bezirksbeirats mit den Verantwortlichen für den Städtebau kam dann die Idee auf, auf die Unterführung zu verzichten, die beiden Treppenzugänge zu schließen und den Gang zu füllen. Aus Kosten- und Sicherheitsgründen wurde jedoch auch die Idee vom Tiefbauamt verworfen.

Mit einem neuen Anlauf will das Tiefbauamt jetzt einen farbenfrohen Akzent setzen. „Das Tiefbauamt will eine Wandfläche zur Verfügung stellen, die Graffiti-Künstler verschönern können“, berichtet Dietrich in der vergangenen Bezirksbeiratssitzung. Das Tiefbauamt habe mit dieser Aktion gute Erfahrungen gemacht. Seit Jahren unterstütze die Stadt die legale Stuttgarter Sprayerszene und weist für die jugendlichen Künstler geeignete Flächen aus. Mit solchen kontrollierten Aktionen will die Stadt das Bewusstsein der Jugendlichen für illegales Graffiti schärfen und damit den Schmierereien auf privaten und öffentlichen Flächen entgegenwirken. Durchaus mit sichtbaren Erfolg. Vor Jahren hat ein Künstler in der Unterführung des Untertürkheimer Bahnhofs ein Wandbild mit Motiven aus lokalen Sehenswürdigkeiten gestaltet. Das Bild wurde fast nicht beschmiert, und auch die Graffiti auf den Trafohäuschen am Kelterplatz, am Wasserkraftwerk oder am Wallmerspielplatz scheinen von den Jugendlichen geachtet und auch nicht zerstört zu werden.

Für die lange Wandflächen in der Marktplatz-Unterführung haben Mitglieder der Stuttgarter Sprayerszene dem Tiefbauamt nun einen Entwurf vorgelegt. Die mit künstlerischen Ambitionen gestaltete Wand werde die Fußgängerunterführung bereichern und eine attraktive Alternative zu illegal beschmierten Flächen darstellen, hoffen Wangens Bezirksbeiräte. Sie votierten einstimmig für das Kunstprojekt des Tiefbauamts. „Die Finanzierung ist gesichert. Die Sprayer wollen noch in diesem Jahr mit der Fertigstellung des Kunstwerks beginnen“, berichtet Dietrich. Eine Wand in der Unterführung wurden deswegen wohl vergangene Woche neue gestrichen. „Schön wäre es, wenn auch die gekachelten Wände der Unterführung in das Projekt integriert werden könnte“, bat Freien-Wähler-Bezirksbeirätin Ingrid Kreis um Ausweitung des Projekts.

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