Einsamkeit, Ängste, Depressionen: Junge Leute sind heute vielfach psychisch belastet. Der Filderstädter Jugendgemeinderat will Gleichaltrigen helfen und aufklären. Was ist geplant?
Junge Leute sind heutzutage mit vielen Ängsten belastet. 2024 sind die Furcht vor einem Krieg in Europa (81 Prozent) sowie die Sorge um die wirtschaftliche Lage (67 Prozent) bei Jugendlichen an die Spitze gerückt, wie die Shell-Jugendstudie enthüllt hat. Die wachsende Feindseligkeit zwischen den Menschen (64 Prozent), der Klimawandel (63 Prozent) und die Umweltverschmutzung (64 Prozent) machen demnach einer Mehrheit ebenso Angst. Was die Studie auch zeigt: Einsamkeitsgefühle haben zugenommen. Die Belastungen der Pandemie wirken nach. Demnach geben mehr als jede vierte junge Frau und mehr als jeder fünfte junge Mann an, sich oft einsam zu fühlen.
Was das bewirkt, hat die Psychologische Beratungsstelle Filder des Kreisdiakonieverbands zusammengetragen. Demnach haben psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen im Pandemieverlauf deutlich auf 30 Prozent zugenommen. Und auch bis heute zeigen 22 Prozent psychische Auffälligkeiten, etwa fünf Prozent mehr als vor der Pandemie. Am häufigsten sind demnach depressive Episoden, Angst-, hyperkinetische sowie dissoziale Störungen.
„Das ist sehr bedrückend“: Jugendgemeinderat Filderstadt alarmiert
Die Mitglieder des Filderstädter Jugendgemeinderats treiben solche Fakten um. Einige von ihnen sind zumindest indirekt betroffen. Leia Maier (18) und Success Aibangbe (15) sagen, dass sie mehrere Personen kennen, deren mentale Gesundheit leidet. Depressionen, Selbstverletzungen, Suizidversuche, solche Dinge haben die jungen Frauen bereits im Umfeld mitbekommen. „Das ist sehr bedrückend“, sagt Leia Maier. Gerade an den Schulen seien die Schwierigkeiten sehr präsent. Und ja, Corona habe die Situation verschärft. Laut Leia Maier haben sich viele junge Leute isoliert und sozialen Medien zugewandt. „Der soziale Kontakt ist in dem Alter sehr wichtig“, sagt sie.
Das junge Gremium will etwas gegen die Probleme tun – und informieren. „Von Jugendlichen für Jugendliche“, sagt Leia Maier. „Wir wollen unseren Klassenkameraden etwas mitgeben“, fügt Success Aibangbe hinzu. Der Jugendgemeinderat plant Workshops in weiterführenden Schulen in der Stadt. Themen haben die Mitglieder sich auch schon überlegt. Es soll um Stressresilienz und Stressmanagement gehen, um Achtsamkeit und Selbstfürsorge, um kreative Ausdrucksformen, Digital Detox oder Ernährung. Kontakt zu Schulleitungen haben die jungen Leute bereits aufgenommen, erste Treffen haben stattgefunden. Zentrale Akteure sind zudem die Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter. Von ihnen erhoffen sich die Mitglieder des Jugendgemeinderats Infos, wo intern jeweils die größten Probleme sind, und Kontakte zu externen Fachleuten und Fachstellen.
Projekt in Filderstadt: „Alle waren sehr interessiert und wollen uns unterstützen“
Von den ersten Rückmeldungen sind die jungen Leute positiv überrascht. „Alle waren sehr interessiert und wollen uns unterstützen“, sagt Success Aibangbe. Auch aus der Stadtverwaltung gibt es Rückendeckung. „Wir haben in der Verwaltung gleich erkannt, dass das ein wichtiges Thema ist, das wir unterstützen wollen“, sagt Nils Scheiring, der von kommunaler Seite die Aktivitäten des Jugendgemeinderats koordiniert. In einem nächsten Schritt sollen die Inhalte und Programme der Workshops weiterentwickelt werden, vor allem in Kooperation mit der Schulsozialarbeit. Wann, wo und wie das Projekt starten wird, ist aktuell unklar. Alle sind sich aber einig: Das Thema mentale Gesundheit soll vorangetrieben werden. Leia Maier spricht von einer Herzensangelegenheit. „Wir wollen Jugendlichen das Gefühl geben, dass sie gehört und gesehen werden.“