Quelle: Unbekannt

Erinnerung an Pfarrer Johannes Kuhn, der von 1961 bis 1989 in Funk und Fernsehen tätig war und Menschen an religiöse Themen heranführte, ohne zu moralisieren.

StuttgartGlaube und Humor haben dieselbe Adresse“, das sagte der frühere TV- und Rundfunkpfarrer Johannes Kuhn im Mai dieses Jahres anlässlich der eisernen Hochzeit mit seiner Frau Henriette. Am vergangenen Sonntag ist das Mediengesicht der evangelischen Kirche nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 95 Jahren gestorben.

Von 1961 bis 1989 war Kuhn im Dienst seiner Kirche Landespfarrer für Rundfunk und Fernsehen. Seinem mit markanter und tiefer Stimme vorgetragenen „Geistlichen Wort“ lauschten jeden Morgen Zehntausende Hörer des damaligen Süddeutschen Rundfunks. Kuhn wurde im Radio zum „Mister fünf vor sieben“. Später sagte er, dass Zuhörer sich „aufgrund der morgendlichen Ermutigung anders verhalten haben als sonst“.

Genau das wollte der Medienpfarrer immer erreichen: Die Menschen sollten einen Moment innehalten, bevor sie in den Tag starten. Auch im Fernsehen war der gut aussehende, manchmal etwas eitle Seelsorger präsent. Im heutigen Sprach­jargon würde man ihn womöglich einen Menschenfänger und einen Macho nennen. In seiner Bibelquizsendung „Reise nach Jerusalem“ im Ersten führte er die Menschen lässig an religiöse Themen heran, ohne zu moralisieren. Für das ZDF wurde dem Theologen die Sendung „Pfarrer Kuhn antwortet“ auf den Leib geschrieben, ein Sendeformat, das vor ihm ähnlich Adolf Sommerauer ausgefüllt hat. Auch in den gedruckten Medien war Kuhn präsent: Von 1979 bis 1997 schrieb er eine Kolumne in der Zeitung „Sonntag aktuell“.

Das Leben von Johannes Kuhn war kurvenreich. Geboren am 21. April 1924 in Plauen im Vogtland wollte der Sohn eines Bäckers als junger Mann zunächst nur eines werden: Pilot. So steht es in seiner Biografie, und folgerichtig wurde er mit 20 Jahren Kampfpilot der Reichsluftwaffe. Als freiwilliges Mitglied der Flieger-Hitler-Jugend entging er im Februar 1945 nur knapp dem verheerenden Luftangriff der alliierten Truppen auf Dresden. Die Erfahrungen weckten in Kuhn den Wunsch, Pfarrer zu werden. Er begann ein Theologiestudium in Wuppertal-Barmen. Dort lernte er seine Frau Henriette kennen. Nach Studienstationen in Göttingen und Basel trat er seine erste Stelle als Gemeinde- und Jugendpfarrer in Bremerhaven an. 1961 holte ihn ein befreundeter Theologe nach Stuttgart. Dieser hatte bereits früh Kuhns rhetorische Talente und seine medialen Fähigkeiten erkannt.

Haus in Musberg gekauft

Pfarrer Kuhn lebte von Oktober 2018 bis zu seinem Tod mit seiner Frau in einer Senioreneinrichtung in Musberg. Das Haus in Leinfelden-Echterdingen hatte das Paar kurz zuvor verkauft. „Es kommt ein Moment, in dem man sich fragen muss: Können wir durchhalten, oder muss eine Grundveränderung her?“ Das sagte Kuhn im Mai unserer Zeitung.

In seinen letzten drei Lebensjahren litt Johannes Kuhn an der Parkinson-Krankheit. Das Schlucken fiel ihm schwer. Seine einst so beeindruckende Wortgewalt ließ nach. Er konnte nicht mehr schreiben. „Aber hier oben geht es noch“, sagte Kuhn anlässlich der eisernen Hochzeit und tippte sich an die Stirn. „Was der eine nicht mehr kann, kann der andere noch“, sagte er und schaute liebevoll seine Frau an.

Johannes Kuhn starb am Sonntag, 4. August. Er hinterlässt neben seiner Frau vier Kinder. Ein Sohn und eine Tochter sind in die Fußstapfen des Vaters getreten. Esther Kuhn-Luz ist Pfarrerin in Rottweil. Ihr Bruder arbeitet als Pfarrer in der Schweiz.

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