Kellermeister Jürgen Off (links) und Geschäftsführer Stefan Hübner im Holzfasskeller. Foto: www.medienagenten.de - www.medienagenten.de

Die Weinmanufaktur Untertürkheim wurde als beste Genossenschaft ausgezeichnet – und geht beim Umweltschutz voran. Jetzt gab es das Siegel Fair ’n Green. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Stefan Hübner und Kellermeister Jürgen Off.

Untertürkheim Die Weinmanufaktur Untertürkheim wurde als beste Genossenschaft ausgezeichnet – und geht beim Umweltschutz voran. Jetzt gab es das Siegel Fair ’n Green. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Stefan Hübner und Kellermeister Jürgen Off.

Herr Hübner, Herr Off, haben Sie sich schon überlegt, wie Sie den Gewinn beim Rotweinpreis feiern?
Stefan Hübner: Gar nicht, weil wir wissen, dass wir diesmal nicht dabei sind. Wir haben noch keinen Anruf erhalten, der wäre inzwischen gekommen.

Kein Rotweinpreis? Obwohl Sie derzeit einen solchen Lauf haben?
Stefan Hübner: Wir waren ja oft dabei, und dass es eine enge Geschichte ist, ist klar. Aber stimmt, wir können uns derzeit nicht beschweren.

Ihren Wein gibt’s nun bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft.
Stefan Hübner: Das freut uns natürlich sehr – obwohl wir bei unserem ersten Auftritt gleich gegen die Niederlande verloren haben. Wir wurden aus 800 Weinen ausgewählt, das ist schon schön. Ich als ehemaliger Fußballer freue mich da natürlich besonders drüber!

Noch wichtiger war aber sicher der Erfolg beim Leistungstest der Genossenschaften?
Stefan Hübner: Absolut, wenn die Gesamtleistung eines Betriebes bewertet wird, ist es schön zu gewinnen. Jürgen Off: Bei diesem Wettbewerb sieht man eben auch die Kontinuität, und weil hier das ganze Sortiment abgebildet wird, das spiegelt die Breite des ganzen Betriebes wider. Es war ja schon immer unser Anspruch, dass auch die Basisweine eine entsprechende Qualität aufweisen, das gehört zu unserer Philosophie.

Bei dem Leistungstest gehen von jedem Betrieb von fast allen Genossenschaften fünf Weine in die Wertung. Und Untertürkheim hat in drei den ersten Platz belegt!
Stefan Hübner: Man könnte jetzt ja sagen, warum nicht fünfmal? (Lacht) Aber das zeigt tatsächlich, dass wir tolle Weine im Wettbewerb hatten.

Sie machen demnach den besten Premium-Rotwein aller Genossenschaften mit einem Drei-Stern-Lemberger, Sie machen den besten Basis-Weißwein mit einem Weißburgunder und den besten Basis-Rotwein mit einem Trollinger. Vor allem Letzteres ist ja eine Riesenüberraschung.
Jürgen Off: Das ist der Hammer. Wir wissen ja nicht, wie die Verkostung gelaufen ist, aber gegen die ganzen badischen Spätburgunder ist das natürlich ein toller Erfolg für unseren Trollinger. Der ist aber auch gut!

Zu all dem wurden Sie nun mit dem Siegel Fair ’n Green ausgezeichnet.
Stefan Hübner: Auch das freut uns sehr. Wir haben als Betrieb ja schon immer die Nachhaltigkeit im Blick, aber für so ein Label schaut man einfach bei allem noch einmal genauer hin. Bei diesem Siegel geht es ja nicht nur um Umwelt, sondern um ganz viele Aspekte der Nachhaltigkeit. Jürgen Off: Da wird beispielsweise geschaut, ob man seine ausländischen Hilfskräfte anständig bezahlt und schaut, dass sie auch ihre Verträge lesen können, da geht es nicht allein um den Herbizidverzicht.

Aber schon auch?
Jürgen Off: Natürlich, was für die Umwelt gut ist, ist auch für uns gut. Daran halten wir uns schon länger.

Das Thema beherrscht ja die Diskussion.
Stefan Hübner: Das stimmt. Zum Beispiel das Thema Glyphosat. Ich selbst weiß auch nicht, ob das nun krebserregend ist oder nicht, da gibt’s ja komplett unterschiedliche Studien. Aber Fakt ist, Glyphosat ist beim Verbraucher einfach nicht positiv besetzt. Wir verzichten deshalb komplett darauf. Jürgen Off: Aber dieses Siegel schärft auch den Blick für andere Dinge. Zum Beispiel den Wasserverbrauch. Wenn alles dokumentiert ist, schaut man einfach besser drauf. Und wir wollen zeigen, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben.

Die Mitglieder haben da problemlos mitgezogen?
Stefan Hübner: Das war jetzt auch ein längerer Prozess, denn das ist natürlich für alle eine deutliche Mehrarbeit. Aber ich finde, die Weinberge sehen seither einfach vitaler aus als früher. Das Gute an dem Siegel ist, dass es einen dazu zwingt, die Dinge zu hinterfragen. Und zwar dauerhaft, denn man muss hier jedes Jahr Verbesserungen nachweisen. Ein Beispiel: Wir wollten im Betrieb für das Premiumsegment die Plastikkapseln an den Flaschen durch Zinnkapseln ersetzen, die uns hochwertiger erschienen. Unter dem Nachhaltigkeitsaspekt ist das aber sehr schlecht, also sind die Überlegungen nun komplett vom Tisch.

Zum Schluss noch ein Wort zur Weinlese, die ja gerade unter Hochdruck läuft?
Jürgen Off: So gute Trauben wie beim Beginn der Lese hat man selten gesehen, von der Aromatik her bin ich sehr zufrieden. Der Ertrag ist geringer als im vergangenen Jahr, und durch den Regen stehen wir nun ein bisschen unter Druck. Aber ich denke, es wird ein sehr guter Jahrgang.

Das Interview führte Michael Weier

Zur Person

Kellermeister Jürgen Off ist am 22. April 1963 in Waiblingen geboren, aufgewachsen in Fellbach. Off absolvierte eine klassische Winzerlehre, 1982 machte er seinen Abschluss als Geselle. Es folgten zwei Jahre Praxis, von 1984 bis 1986 machte Off die Ausbildung an der Technikerschule in Weinsberg. Seit 1987 ist Off bei den Genossen in Untertürkheim unter Kellermeister Otto Schaal, seit 2001 alleiniger Kellermeister. Jürgen Off ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.

Geschäftsführer Stefan Hübner wurde am 12. August 1979 in Stuttgart geboren und wuchs in Fellbach auf. Dort kickte Stefan Hübner beim SV Fellbach und absolvierte auch sein Abitur. Anschließend studierte Stefan Hübner an der Universität Stuttgart BWL, dieses Studium schloss er 2007 ab. Darauf setzte er noch eine Promotion. Nach der Vollendung im Jahr 2010 wechselte Stefan Hübner zur Weinmanufaktur. Er ist verheiratet und hat einen vierjährigen Sohn.weih

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