Mentorin Jennifer Elsner zusammen mit ihrer Schülerin. Foto: Sascha Hauk (z) - Sascha Hauk (z)

Jennifer Elsner hat nach einer sinnvollen Aufgabe in ihrer Freizeit gesucht – und gefunden. Beim Projekt Kinderhelden hilft sie einem zehnjährigen Mädchen an der Carl-Benz-Schule.

Bad CannstattLernen ist nicht immer einfach. Mit Unterstützung geht es besser. Wie erfüllend Hilfe bei Schulkindern sein kann, davon berichtet auch Andrea Klein vom gemeinnützigen Projekt Kinderhelden, die Mentoren an unterschiedliche Schulen vermittelt. Ein Schwerpunkt dabei ist Bad Cannstatt. Dort ist das Projekt an der Martin-Luther-, der Altenburg- und der Carl-Benz-Schule angebunden. Erwachsene Mentoren helfen Schülern, ihre Persönlichkeit zu stärken, berichtet Klein.

Da 40 Prozent der Schüler nicht richtig lesen können, gibt es zudem spezielle Leseförderung. Diese Hilfe gibt es nun als Lesetandemschule an der Wilhelmschule in Untertürkheim für das Schuljahr 2019/20. Bei den anderen Schulen richtet sich die Förderung nach den individuellen Bedürfnissen der Kinder. „Förderschwerpunkte können Mathe, der Spracherwerb oder die Förderung des Selbstbewusstseins des Kindes sein“, so Klein. Die Mentoren begleiten die Schüler, die von den Lehrern empfohlen werden, in ihrer Freizeit und helfen ihnen, wo es nötig ist.

Freizeit sinnvoll nutzen

Auch die 27-jährige Jennifer Elsner gehört zu den Mentoren. Sie ist an der Carl-Benz-Schule im Einsatz und fördert dort die zehnjährige Kim (Name geändert) und schildert nun ihre Erfahrungen: „Mit dem Absenden meiner Anmeldung nahm alles seinen Lauf und circa vier Wochen später saß ich wartend mit drei anderen zukünftigen Mentoren in einem schönen Klassenzimmer der Carl-Benz-Schule. Wir saßen alle auf den viel zu kleinen Stühlen, an den niedrigen Tischen und musterten nervös unsere Umgebung, fast wie am ersten Schultag. Und wir freuten uns auf die Kinder.“ Nach einer intensiven Recherche im Internet, hatte sich die 27-jährige Elsner nach einem anstrengenden berufsbegleitenden BWL-Studium dazu entschlossen ihre neu gewonnene Freizeit sinnvoll mit sozialen Engagement zu füllen, berichtet Klein. Elsner entschied sich für die Organisation Kinderhelden. So wie sie, hofft Klein, dass sich noch weitere Mentoren finden. Kinderhelden vermittelt in Kooperation mit der Stadt Stuttgart ehrenamtliche Mentoren an Grundschulkinder mit erschwerten Startbedingungen. In individuellen, wöchentlichen Treffen werden zum einen gemeinsam die Kompetenzen in Deutsch und Mathe des Kindes verbessert. Zum anderen schenken die Mentorinnen und Mentoren Kinder Zeit, hören ihnen zu, ermutigen sie und stärken deren Selbstbewusstsein. Und es funktioniert, wie die Mentorin berichtet: Aus anfänglicher Nervosität ist Vertrauen gewachsen. Und beide sind mittlerweile ein eingespieltes Team, wie Klein berichtet. Sie machen Ausflüge zusammen und unternehmen sportliche Aktivitäten. Einmal in der Woche sehen sie sich, mal zur Freizeitaktivität, das andere Mal zum Lernen. Meist bereitet die Mentorin kleine Lernspiele vor oder verknüpft das Lesen mit Basteln - der gemeinsamen Leidenschaft. Besonders über die Lese-Fortschritte ihres Schützlings freut sich die 27-Jährige sehr: „Anfangs klappte das Lesen nur zögerlich, aber durch viel Lob und Geduld, hat Kim einen großen Fortschritt gemacht und wir freuen und gemeinsam darüber. Ich bin sehr stolz auf sie“, berichtet sie. Zu ihrem Engagement sagt die Mentorin, sie finde Gemeinsamkeiten, seien es etwa familiäre Hintergründe oder das Verhalten der Zehnjährigen, die sie an ihre Kindheit erinnere. Der Mentorin ist es wichtig, dass Kim weiß, dass sie mit allem zu ihr kommen kann.

Beim Schlittschuhlaufen im Winter waren auch Kim’s sechs und zwölf Jahre alten Brüder eingeladen. Alle erlebten einen unvergesslichen Tag. Zwar räumt Elsner ein, dass es nicht immer einfach sei, ihr soziales Engagement mit Ihrem Vollzeitjob in einem Verlag unter einen Hut zu bringen. Doch sie schafft es und sagt: „Mich haben die Treffen sehr bereichert, denn ich habe gemerkt, dass man mit kleinen Dingen in der Gesellschaft manchmal so viel bewirken kann.“

Für elf Grundschulen im Stuttgarter Raum werden derzeit noch Lern- und Freizeitbegleiter ab 16 Jahren gesucht. In Bad Cannstatt wünschen sich an der Altenburgschule, Carl-Benz-Schule und Martin-Luther-Schule noch viele Schüler eine Mentorin oder einen Mentor.

Wer ein Kind wie Jennifer Elsner auf seinem Lebensweg begleiten möchte, der kann sich im Internet unter www.kinderhelden.info informieren und per Telefon 0711/342477-13 oder per E-Mail franziska.krumme@kinderhelden.info melden. Der nächste Informationsabend findet heute um 18 Uhr im Café Faust in Stuttgart statt und ein weiterer Infotermin ist dann am 26. Juni um 18 Uhr im KinderHelden-Büro in der Breitscheidstraße 44. Es wird um Anmeldung zu den Terminen gebeten.

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