40 Mal wurde die Karfreitagsprozession in Bad Cannstatt durchgeführt. In diesem Jahr wurde sie abgesagt. Foto: dpa - dpa

Am Karfreitag findet keine Prozession in Bad Cannstatt statt. Die Italienische katholische Gemeinde hat die Veranstaltung abgesagt, erstmals seit 40 Jahren.

Bad Cannstatt - Es sei ihnen nicht leicht gefallen. Schließlich führt die Italienische Katholische Gemeinde seit 40 Jahren in Bad Cannstatt am Karfreitag eine Prozession durch. In diesem Jahr werden die Leiden Jesu, die Verurteilung, das Tragen des Kreuzes und Kreuzigung jedoch nicht aufgeführt. „Das Vorbereitungsteam hat sich nach reiflicher Überlegung zu diesem Schritt entschlossen“, sagt Sonia Cussigh schweren Herzens, „denn seit 40 Jahren gehörte diese Prozession in Bad Cannstatt einfach dazu.“ Als Pater Luigi Canesso im Jahre 1978 diese Initiative mit seinem damaligen Pastoralrat ins Leben gerufen hat, hat niemand geglaubt, dass sich diese Glaubenskundgebung so lange Jahre halten würde. „Wir wollten ein Stück weit eine Tradition unserer Heimat Italien hierher verpflanzen. Und dies ist uns sicherlich auch gelungen, wenn man bedenkt, dass nach Stuttgart auch andere italienische Gemeinden in ganz Deutschland mit diesen Prozessionen begonnen haben.“ Cussigh denkt dabei an Wuppertal, Vaihingen/Enz, Rottenburg oder Ulm. Dem Glauben Ausdruck verleihen, den Leidensweg Christi nachvollziehen und nachgehen – das sei es, was mit dieser Art von Kundgebungen getan werde. „Bei uns in Italien werden meistens Statuen durch die Straßen getragen, dazu traditionelle Lieder angestimmt.“

Die Karfreitagsprozession, die am unteren Kurpark begann, über den Schulhof des Kepler-Gymnasiums, die Marktstraße, den Daimlerplatz und die Wiesbadener Straße zum Kurpark führte, wo die Kreuzigungsszene stattfand, wurde im vergangenen Jahr zum 40. Mal durchgeführt, unterstützt von der Polizei, dem Bläserchor der evangelischen Gemeinde, der Stadtkirche, dem Staatstheater und unzähligen Helfern. In den Anfangsjahren war es überwiegend eine Prozession der Italiener. Im Laufe der Jahre begleiteten Menschen vieler Nationalitäten die Darsteller auf dem Glaubensweg mit. Rund 70 Darsteller und 30 Helfer waren im Einsatz, um diese Glaubenskundgebung würdevoll zu gestalten, denn es ging den Veranstaltern nicht um Schauspiel, sondern darum, den Leidensweg des Herrn nachzuspüren und damit den Glauben zu bezeugen. Anfangs wurden in der Neckarvorstadt die ersten Szenen gespielt, dann zog die Prozession in die Altstadt. Doch die Kosten für Sperrung der Straße und Brücke wurden für die Veranstalter zu hoch und die ganze Veranstaltung auf die Altstadtseite verlegt.

Ob es im kommenden Jahr eine Prozession gibt, ist noch offen.

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