Chris Manske, Vorstandsvorsitzender der Reds Stuttgart, im Dezember 2019 mit dem neuen Coach Curtis Di Salle und Vorstandsmitglied Patrick van Bergen (von links). Foto: /Iris Drobny

Die Bundesliga-Baseballer der Stuttgart Reds haben schon viel Geld in die Saison investiert und auch Existenzängste. Saison hätte morgen beginnen sollen.

Bad Cannstatt - Seit acht Jahren sind die Stuttgart Reds, das Baseball-Team des TV Cannstatt, fester Bestandteil der Bundesliga. Die Planungen für die eigentlich demnächst beginnende neunte Saison waren abgeschlossen, Geld für die kommende Runde investiert. „Wir wissen noch nicht, wie wir die Verluste begleichen werden beziehungsweise können“, sagt Reds-Vorstand Christoph Manske.

Herr Manske, wann wurde der letzte Baseball geworfen, der letzte Schläger geschwungen?

Am 12. März. In der Vorstandschaft haben wir zuvor schon diskutiert, ob wir den Trainingsbetrieb aufrechterhalten wollen oder nicht. Als dann die Ankündigung der Schulschließungen folgte, war auch für uns klar – wir stellen den Trainingsbetrieb ein.

Das Ganze mitten in der Vorbereitungsphase. Die Saison der Bundesliga-Mannschaft hätte am 4. April beginnen sollen.

Der Deutsche Baseballverband hat die Saison erst mal bis einschließlich 3. Mai ausgesetzt. Dies würde vermutlich bedeuten, dass die Runde entweder verkürzt, also weniger Spiele stattfinden oder sie eben verlängert würde. Ob überhaupt gespielt werden kann, bezweifle ich.

So kurz vor Saisonstart – da waren die Planungen ja nahezu abgeschlossen.

Klar, alles war soweit eingetütet, dass die Saison losgehen hätte können. Unter anderem die Plakate für die Heimspiele und die Eintrittskarten gedruckt, das Fotoshooting mit den Spielern erledigt und Gespräche mit Sponsoren abgeschlossen.

Auch wenn Baseball hierzulande immer noch eine Randsportart ist, ist ein finanzieller Aufwand im knapp sechsstelligen Bereich – wie man häufig vom Schnarrenberg gehört hat – notwendig, um in der ersten Liga mithalten zu können. Wie viel wurde bereits investiert?

Ein Großteil. Unter anderem hatten wir ein Trainingslager in der Nähe von Mailand, also direkt dort, wo die sehr kritische Coronazone Italiens ist, geplant. Essen, Unterkunft und die Trainingsflächen waren reserviert und auch schon bezahlt. Für die U 12 hatten wir an Ostern die Teilnahme an einem Turnier in Nettuno, in der Nähe von Rom, bestätigt. Auch da entstanden Kosten.

Und schon irgendwelche Rückerstattungen erhalten?

Wir haben zwar Mails nach Italien geschickt, bislang aber noch keine Antwort erhalten. Ob wir auf unseren Kosten sitzen bleiben, weiß ich nicht. Jedoch haben die Menschen dort derzeit sicherlich ganz andere Probleme.

Die Stuttgart Reds leben seit Jahren von der guten Nachwuchsarbeit. Viele der aktuellen Bundesliga-Spieler haben mit Baseball beim TV Cannstatt begonnen. Dennoch, um in der höchsten Liga mithalten zu können, muss man sich auch mit Spielern aus dem Ausland bedienen. Was machen die Profis nun?

Grundsätzlich haben wir keine Profis. Wir kaufen keine Akteure ein, die einzig und allein zum Spielen das Trikot der Reds überstreifen. Vielmehr übernehmen die ausländischen Spieler neben dem Spielen verschiedene Aufgaben im Verein – vor allem das Jugend-Training. Sie sind Angestellte des Vereins. Davon profitiert unser Nachwuchs ungemein, zumal sie in Sachen Baseball über einen größeren Erfahrungsschatz verfügen als der Großteil der Trainer aus unseren eigenen Reihen. Unser Pitcher, also Werfer, Dustin Warden ist nach der vergangenen Runde bei uns hängen geblieben und hat auch über den Winter den Nachwuchs trainiert.

Nun sind die Sportstätten laut städtischer Anordnung aber zu, der Trainingsbetrieb ruht. Wie engagieren sich besagte Spieler?

Sie betreuen teilweise unsere Kinder oder erledigen Arbeiten, die auf der TVC-Anlage auf dem Schnarrenberg so anfallen. Die beiden Kroaten, die schon vergangene Saison für uns erfolgreich spielten, waren gerade mal vier Tage da. Dann sind sie wieder in ihre Heimat zurückgeflogen. Sie wollten die kritische Zeit zu Hause verbringen. Als sie heimkamen, ereignete sich das Erdbeben bei Zagreb. Was für ein Pech, aber immerhin geht es beiden gut.

Aber auch Sie stehen auf dem Lohnzettel.

Ja, wie wir letztlich verfahren werden, ist noch nicht geklärt. Sicher ist jedoch, dass wir derzeit für eine Leistung bezahlen, die wir bei weitem nicht bekommen. Wir werden die Spieler jedoch nicht einfach fallen lassen. Einerseits ist das nicht unser Stil, andererseits wollen wir ja auch noch in Zukunft auf ihre Dienste zurückgreifen. Je nachdem, was machbar ist, kann es durchaus sein, dass wir für die fünf Trainer in absehbarer Zeit Kurzarbeit beantragen werden.

Es zeichnet sich auch bei Euch ab, dass ein hoher finanzieller Verlust auf die Abteilung zukommen wird. Wie soll das geschultert werden?

Genau wissen wir das auch noch nicht. Die Situation kann auch für uns existenzbedrohlich sein. Zumal wir ja nicht nur die Bundesliga-Mannschaft und deren Spielbetrieb finanzieren müssen. Viele Einnahmequellen, wie das mittlerweile beliebte Firmenturnier, musste abgesagt werden, zudem wären wir vom 29. April bis 3. Mai erneut Austragungsort der Europaausscheidung des internationalen Palominoturniers gewesen. Die Sieger wären dann beim Turnier in den USA gestartet. Auch das spült ansonsten Geld in die Kasse. Zudem haben sich erste Sponsoren gemeldet und haben uns mitgeteilt, nicht oder nur teilweise zahlen zu können.

Und der neue Trainer Curtis Di Salle. Welche Aufgaben werden ihm derzeit zu teil?

Für ihn tut es mir besonders leid. Er ist sehr motiviert an die Sache herangegangen, war guten Mutes, mit dem Team die Playoffs erreichen zu können. Er stellt ständig ein Fitnessprogramm für die Spieler zusammen und beteiligt sich ebenfalls an Arbeiten rund um das TVC-Gelände. Zu Beispiel hat er auch schon den Rasen gemäht.

Die Fragen stellte Torsten Streib.

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