Erst wenn die Politik über das weitere Vorgehen in Sachen Lockdown beraten hat, fällt eine Entscheidung, ob „im Dezember der Ball nochmals rollt oder nicht“, sagt Harald Müller, der Vorsitzende des Verbands-Spielauschusses. Foto:  

Der Stuttgarter Amateurfußball könnte von seinen kleinen Staffelstärken profitieren. Wiederbeginn im Februar denkbar.

Bad Cannstatt - Mehrere Landesverbände haben aufgrund des Teil-Lockdowns beschlossen, im Jahr 2020 keine Fußballspiele mehr auszutragen. Soweit ist man beim Württembergischen Fußballverband (WFV) noch nicht. „Sollte die Politik doch noch grünes Licht zum Spielen geben, dann wird in manchen Ligen noch im Dezember gespielt werden“, sagt Harald Müller, der Vorsitzende des Verbands-Spielausschusses, der von 2012 bis 2018 auch Vorsitzender des Fußball-Bezirks Stuttgart war, im Gespräch.

Herr Müller, aufgrund der ungewissen Situation jagt bei Ihnen derzeit eine Konferenz die nächste. Haben Sie aktuell mehr Kontakt zu Ihrer Frau oder zu Ihren Kollegen beim Verband?

(Lacht). Nein, ich versuche es immer so zu handhaben, dass meine Frau im Vordergrund bleibt. Das andere ist schließlich immer noch Hobby.

Am Montag sind die Ministerpräsidentenkonferenz und Kanzlerin Merkel zu keinem Ergebnis gekommen, wie es mit dem Teil-Lockdown weitergehen soll. Ist man beim WFV schon weitergekommen?

Weiter kommen wir immer. Jedoch sind wir stets von den behördlichen Vorgaben abhängig. Wenn die uns nichts freigeben, dann können wir auch nicht reagieren. So müssen wir unsere Vereine leider auf den 25. November vertrösten, wenn die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten und die Bundeskanzlerin erneut tagen. Ohne gesetzliche Vorgaben, wann wieder trainiert und gespielt werden darf, geht eben nichts.

Es schaut zwar aktuell nicht danach aus, dass die Einschränkungen Ende des Monats wieder gelockert werden und auch Sporttreiben möglich ist. Wenn doch, wird in diesem Jahr noch gespielt?

Das ist abhängig von der Spielklasse. Wir haben mit allen Vereinen gesprochen, mit den Oberliga-, Verbandsliga- und Landesliga-Klubs sind wir im Austausch – also unsere „oberen“ Ligen – und die wollen im Dezember spielen, sofern es möglich ist. Dann werden wir auf jeden Fall noch Spiele ansetzen. Gegebenenfalls gibt es eine Vorlaufzeit von zwei Wochen, die wir Mitte des Jahres auch schon eingeräumt hatten.

Wenn die Freigabe von der Politik für Dezember nicht erfolgt?

Dann müssen wir uns Gedanken machen, denn irgendwann gehen uns die Spieltage aus.

Was bedeutet das für die einzelnen Bezirke, also auch für den Stuttgarter Fußball von der Bezirksliga abwärts bis zur Kreisliga B?

Im Bezirk Stuttgart wurde, auch unter meiner Ägide, in den vergangenen Jahren einiges am Spielsystem verändert, sodass es in der Landeshauptstadt optimal ist und Stuttgart eine der wenigen Staffeln in der Bezirksliga ist, die nur mit 16 Mannschaften spielt. Eine 16er-Liga würden wir noch mit Vor- und Rückrunde durchbekommen. Das gilt natürlich auch für die darunter liegenden Ligen. Stuttgarts Ausnahme ist die Kreisliga A, Staffel 2 mit 17 Teams.

Auch wenn im Dezember kein Spiel mehr wäre?

Ja genau.

Welche Szenarien werden beim WFV derzeit durchgespielt?

Erstmals sind wir verpflichtet, das sagt uns das Rechtsgutachten vom Sommer, dass wir einen ordentlichen Spielbetrieb mit Vor- und Rückrunde gewährleisten müssen, so lang es irgendwie möglich ist. Das fundiert auf unserer Satzung und der Spielordnung. Wenn das nicht möglich ist, hat der Beirat auf Vorschlag des Verbandsspielausschusses mittlerweile die Möglichkeit, andere Spielsysteme zu beschließen. Da gibt es zwei. Das erste wäre, wir spielen die Vorrunde durch, wobei wir die Nachholspiele noch irgendwo unterbringen müssen. In der Oberliga wären es noch zwei Spiele, das sieht gut aus, in anderen Ligen bis zu sieben, zusätzlich zu denen, die im November ausgefallen sind. Da müssen wir uns Gedanken machen, möglicherweise die Rückrunde streichen und eine Auf- und Abstiegsrunde spielen. Je nach Größe der Staffel erspart uns das bis zu zehn Spieltage. Wenn wir im Januar oder Februar noch nicht spielen dürfen, dann müssen wir erst mal schauen, wie viele Spieltage uns noch zur Verfügung stehen. Soweit die überwiegende Anzahl der Mannschaften einer Staffel 50 Prozent aller Meisterschaftsspiele absolviert hat, so der offizielle Text aus der Spielordnung, ist eine Wertung anhand der Quotienten-Regelung, wie in der letzten Saison, möglich; in dieser Saison allerdings mit Auf- und Absteigern. Wenn das nicht der Fall sein sollte, dann wird annulliert, das heißt, wir müssen die Saison 2021/22 mit dem Stand vor dem Start des Spieljahrs 2020/21 beginnen.

Noch mal zurück zum Bezirk Stuttgart. Der erste Spieltag nach der Winterpause ist für den 14. März terminiert. Würde das zum Durchführen einer normalen Runde reichen oder müsste früher begonnen werden?

In Abstimmung mit dem Vorsitzenden Michael Spörer wurde mir signalisiert, dass das mit dem aktuellen Plan immer noch möglich wäre. Die Kreisliga A, Staffel 2, beginnt schon am 28. Februar 2021. Falls ein Spielen im Februar auch vom Wetter her möglich ist, ist dies eine Option, wo die ausgefallenen Spiele vom November nachgeholt werden könnten.

Gegebenenfalls es wird nur eine Vorrunde gespielt, die zur Wertung reicht. Gibt es dann auch Absteiger?

Es muss Absteiger geben. Wenn wir die Staffeln noch mehr aufblähen, ist ein geregelter Spielbetrieb in einer Spielzeit nicht mehr durchführbar.

Die Relegation würde auch gespielt werden?

Das kommt darauf an, wie viele Spieltage uns letztendlich zur Verfügung stehen. Wenn wir wie geplant durchspielen können, ist die Relegation inbegriffen. Weiter oben haben wir Aufstiegsspiele, das ist etwas anderes. Wenn in den einzelnen Bezirken aber die Vorrunde bis kurz vor Saisonschluss Ende Juni erst fertig gespielt ist, kann es durchaus sein, dass die Relegation entfallen muss. Momentan haben wir die Relegation noch auf dem Schirm.

Ist die Saisonverlängerung – wie in der letzten Spielzeit geschehen – über den 30. Juni hinaus eine Option?

Option ja, aber das wollen wir, soweit es geht, vermeiden. Ansonsten würden wir wieder in eine neue Saison eingreifen und es käme dort erneut zu Problemen, beispielsweise bei den Wechselfristen oder dem Saisonstart.

Einige Spieltage wurden in der Runde 2020/21 bereits absolviert. Aus ihrer Sicht, wie haben sich die Vereine an die Abstands- und Hygieneverordnungen gehalten, beziehungsweise wurden diese gut umgesetzt?

Das ist eine gute Frage. Was ich teilweise auf den Sportplätzen gesehen habe, hat mich nicht zufrieden gestimmt, um es vorsichtig auszudrücken. Wenn ich nur gesehen habe, wie es auf den Auswechselbänken zuging, von den Zuschauern mal ganz zu schweigen, dann war das alles andere als gut. Fußball ist Volkssport und das heißt, die ganze Gesellschaft spiegelt sich auf den Sportplätzen wider. So lange es draußen genügend Menschen gibt, die es nicht einsehen, sich an Regeln zu halten und ihren Egoismus über die Gesundheit anderer stellen, wird es schwierig und wir kommen genau dorthin, wo wir aktuell sind. Bei mehr Disziplin und Bewusstsein für eine Pandemie hätten wir bestimmt nicht so hohe Fallzahlen – und weniger Einschränkungen und wir würden immer noch Fußball spielen. Ich möchte nicht verheimlichen, dass es auch Klubs gab, die sich vorbildlich verhalten haben. Die sind nun die Leidtragenden.

Die Fragen stellte Torsten Streib.

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