Der Bezirksvorsitzende Michael Spörer ist von dem Engagement der Vereine in Sachen Corona-Regeln sehr angetan. Foto: /Benjamin Schieler

Der Vorsitzende des Fußball-Bezirks Stuttgart spricht den Vereinen im Umgang mit Corona ein Lob aus. Bislang wenige Absagen im Stuttgarter Amateurfußball.

Bad Cannstatt - Seit Februar steht Michael Spörer dem Fußballbezirk Stuttgart vor. Waren zu Beginn unter anderem die zunehmende Aggressivität auf den Stuttgarter Plätzen ein zu bekämpfendes Problem, hat Corona nun alles abgelöst. „Ich appelliere an die Vernunft. Das Virus ist immer noch sehr präsent und man sollte sich an die Bestimmungen halten, damit auch weiterhin Fußball gespielt werden kann“, sagt Spörer im Gespräch.

Herr Spörer, seit Ende Juli rollt der Ball mit dem Halb- und Finale im Bezirkspokal und seit 1. September im Ligenbetrieb wieder. Wie läuft aus ihrer Sicht die bisherige Corona-Saison?

Überraschend gut. Ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Klar, genauso wie derzeit die Zahl der Infizierten steigt, steigt sie auch im Fußball, also adäquat zur normalen Entwicklung.

Der Stuttgarter Fußball scheint bisher gut durchgekommen zu sein. Zum Vergleich, allein im Bezirk Neckar/Fils wurden am vergangenen Spieltag zehn Partien in Verbindung mit Corona abgesagt. In Stuttgart nur drei – insgesamt waren es bislang fünf.

Warum wir bislang glimpflich weggekommen sind, da müssen sie den Virologen Drosten fragen. Der Württembergische Fußballverband hat bislang in all seinen 16 Bezirken zirka 230 Fälle – entweder bestätige oder Verdachtsfälle – registriert.

Kann es sein, dass die Stuttgarter Vereine die Fälle einfach nicht melden?

Das ist absolute Spekulation. Meine persönlichen Erfahrungen, ich bin ja auch als Schiedsrichterbeobachter unterwegs, sind positiv. Dass alles perfekt ist, das kann man von den Vereinen auch nicht verlangen. Aber die Vereine versuchen, die Konzepte so gut es geht umzusetzen. Sie machen, was in ihrer Macht steht, damit ein coronabedingt geregelter Ablauf eines Spiels möglich ist. Das ist sehr löblich. Probleme gibt es immer mal wieder mit den Zuschauern am Spielfeldrand beziehungsweise mit dem Abstand halten von 1,50 Meter. Das ist fast unmöglich, zumal sich die Leute untereinander auch kennen und teilweise außerhalb des Sportplatzes zusammen sind. Da sind ja zehn Personen erlaubt und auf dem Sportplatzgelände heißt es plötzlich, ihr dürft nicht zusammenstehen, müsst Abstand halten. Den Vereinen kann man da keinen Vorwurf machen, die müssten ja ständig Ordner um den Platz jagen, die immer wieder sagen, bitte 1,50 Meter auseinander. Einzelverantwortung ist gefragt, die kann man niemandem abnehmen.

Die Vereine haben die Situation also im Griff?

Hauptsächlich schon, die meisten sind engagiert und haben kreative Lösungen zur Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Problematisch ist beispielsweise der Abstand auf der Auswechselbank. Darauf weist der Verband immer wieder hin. Beim TSV Rohr wurde dieses Problem durch drei zusätzliche Bierbänke gelöst. Ermis Metanastis hat zum Beispiel eine Seite für die Heim- und eine für die Gastfans, damit der Kontakt möglichst vermieden wird. Andererseits fehlen mir immer noch von drei Vereinen Hygienekonzepte, trotz mehrfacher Aufforderung. Derweil habe ich die Allgemeinverfügung der Stadt Stuttgart samt Merkblatt verschickt, auf denen die neuen Bestimmungen nachzulesen sind.

Die neuen Bestimmungen gelten seit dieser Woche.

Anstatt der bisher 500 Zuschauer sind nun nur noch 200 inklusive Spieler zugelassen. Ausgenommen ist das sogenannte Funktionspersonal wie beispielsweise der Würstchen-Griller oder die Betreuer. Zudem müssen auch die Zuschauer auf dem Sportgelände und während des Spiels eine Maske tragen. Das ist nun Pflicht bei allen öffentlichen Veranstaltungen im Stadtgebiet. In Musberg trug man bereits am letzten Spieltag Maske. Der Ort gehört zum Kreis Esslingen und dort wurde bereits vergangene Woche das Tragen von Masken angeordnet.

Was waren bislang die meisten Anfragen der Vereine beziehungsweise wo haben sie sich allein gelassen gefühlt?

Anfragen gab es so gut wie keine. Als problematisch stellte sich indes das gegenseitige Verschicken der Hygienekonzepte dar. Der Heimverein muss dieses bis Mittwoch vor dem Spieltag dem jeweiligen Gegner zuschicken. Das hat nicht immer geklappt, weshalb nun auf unsere Homepage – wir sind übrigens Vorreiter – die Konzepte der Vereine abrufbar sind.

Auffällig sind die unterschiedlichen Zeitspannen zwischen den Anstoßzeiten von erster und zweiter Mannschaft.

Das hängt davon ab, ob einem Verein mehrere Umkleideräume zur Verfügung stehen, sodass jede Mannschaft ihre eigene hat oder ob diese wieder benutzt werden müssen. Dementsprechend wird zum Desinfizieren der Kabinen mehr Zeit gebraucht. Mancher Verein hat uns gesagt, dass die Anstoßzeit von 15 Uhr deshalb nicht möglich ist. Wir kommen jedem Wunsch nach Verlegung der Anstoßzeiten entgegen.

Wie läuft es bei der Jugend?

Auch gut. Da hält es sich auch in Grenzen mit Absagen. Zwei Bambini- und F-Jugendspieltage wurden bisher abgesagt. Bei den Spieltagen sind aber auch gleich eine Mehrzahl von Mannschaften und Eltern auf der Anlage. Mancher Verein kann dies nicht verantworten und hat deshalb abgesagt.

Die Fragen stellte Torsten Streib.

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