Das Leitsystem Neckarpark ist in die Tage gekommen und fällt öfters aus. Quelle: Unbekannt

Die Integrierte Verkehrsleitzentrale, die im Jahr 2006 zur Fußball-WM eingeweiht wurde, ist veraltete und muss für insgesamt 9,5 Millionen Euro modernisiert werden.

Bad CannstattDie Fußball-WM 2006 bescherte Stuttgart nicht nur ein unvergessenes Fußballfest, sondern auch die Integrierte Verkehrsleitzentrale (IVLZ). Bei dem „verkehrsträgerübergreifenden Verkehrsmanagement“ sammeln das Amt für öffentliche Ordnung, das Tiefbauamt, die Stuttgarter Straßenbahnen AG sowie das Polizeipräsidium umfassend Informationen über die Verkehrslage in Stuttgart. Die Daten laufen in der IVLZ zentral zusammen und werden ausgewertet. Anschließend kann zum Beispiel durch dynamische Informationstafeln, Parkleitsysteme oder flexible Ampelschaltung aktiv Einfluss auf den Verkehr genommen werden.

Die IVLZ befindet sich in Bad Cannstatt im Gebäude der Leitstelle für Sicherheit und Mobilität in Stuttgart (SIMOS). Hier sind außerdem die gemeinsame Leitstelle von Feuerwehr und Rettungsdienst sowie der Führungs- und Verwaltungsstab der Landeshauptstadt integriert. Seit 2006 sind alle Institutionen, die für die Mobilität und Sicherheit in Stuttgart verantwortlich sind, an einem Ort gebündelt. Die positiven Auswirkungen reichen von der gemeinsamen Nutzung der technischen Infrastruktur bis zur schnellen und unbürokratischen Kommunikation.

Doch die Stadt muss in den kommenden Jahren viel Geld in die Hand nehmen. Denn nach 13 Jahren Betrieb muss die IVLZ dringend aufgerüstet werden, damit das hohe Niveau im Verkehrsmanagement aufrecht erhalten werden kann und die Stadt für die nächsten Herausforderungen vorbereitet ist. 2022 soll in Stuttgart nämlich der Katholikentag stattfinden, im Jahr 2024 wird die Landeshauptstadt Spielort bei der Fußball-Europameisterschaft sein. „Einige technische Systeme sind aber am Ende ihrer Lebenszeit“, heißt es in einer Mitteilungsvorlage, die die beiden zuständigen Bürgermeister Martin Schairer und Dirk Thürnau dem Ausschuss für Umwelt und Technik präsentierten.

Mehr Personal nötig

Rund 9,5 Millionen Euro kostet das Modernisierungspaket, das neben der technischen Aufrüstung auch drei weitere Stellen beinhaltet. Laut der Vorlage, mit der das Bürgermeister-Duo in die Etatberatungen gehen möchte, werden so die jährlichen Personal- und Sachkosten von gut 240 000 Euro im Jahr 2022 auf 1,3 Millionen Euro im Jahr 2025 erhöht, wobei es eventuelle Zuschüsse vom Bund gibt.

Neben der alten Technik macht auch die Verkehrsentwicklung auf Stuttgarts Straßen die Millioneninvestition nötig. Die IVLZ greift heute im Durchschnitt 140 Mal pro Tag ins Geschehen auf Stuttgarts Straßen und im öffentlichen Nahverkehr ein – fünf Mal so häufig wie vor 13 Jahren. In fast 60 Prozent der Fälle ist hohes Verkehrsaufkommen die Ursache, in 21 Prozent sind es Veranstaltungen und in zwölf Prozent der Fälle ist das Eingreifen auf Unfälle und Pannen zurückzuführen.

In der Talstraße in Stuttgart-Ost will man Signalanlagen für die Fahrstreifen ertüchtigen, rund um den Neckarpark das komplette Leitsystem. Gerade an diesem wird das Altersproblem offenkundig. Es ist technisch veraltet und fällt öfters aus. Die Folgen sind Staus. Ein weiteres Manko: Durch fehlende Ersatzteile aufgrund der alten Technik dauert eine Behebung eines Defektes oftmals mehrere Wochen. Dies behindert das Verkehrsmanagement der IVLZ und die Auswirkungen sind dann bis in den Stuttgarter Osten, auf Cannstatts Straßen – vornehmlich rund um den Wilhelmsplatz – und entlang der B 10 bis hoch zum Pragsattel zu spüren.

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