Im Sportbecken gilt Kreisverkehr. Zwei Bahnen sind zusammengelegt. Auf der einen wird Richtung Sprungturm auf der anderen zurückgeschwommen. Foto: Mathias Kuhn

Am Montag startet das Inselbad in eine außergewöhnliche Freibadsaison. Um die Corona-Auflagen zu erfüllen, müssen die Bäderbetriebe umfangreiche Infektionsschutzmaßnahmen erfüllen.

Untertürkheim - Das Inselbad startet am Montag in die Saison. „In eine ungewöhnliche, wegen Corona. Die Philosophie ist eine andere. Der Schwerpunkt wird auf Schwimmen liegen, Attraktionen und Badespaß müssen zunächst in den Hintergrund treten“, sagt der Inselbad-Leiter Arvid Donert. Am 4. Juni hatte die Landesregierung die Öffnung der Schwimmbäder ab 6. Juni gestattet, sie aber mit der Einhaltung von umfangreichen Hygiene- und Abstandsregeln verknüpft. „Wir müssen neben den üblichen Vorbereitungsarbeiten zahlreiche Infektionsschutzmaßnahmen ergreifen, um alle Auflagen des Landes umzusetzen“, sagt Jens Böhm, der Pressesprecher der Bäderbetriebe Stuttgart. Der Aufwand ist enorm. Mit Hochdruck sind Donert und seine Mitarbeiter seit Tagen dabei, Stuttgarts größtes Freibad fit für die Corona-Zeit zu machen. „Für die Inselbadgäste und für uns wird vieles neu sein. Wir werden uns gemeinsam an neue Regeln und Verhaltensmaßnahmen gewöhnen müssen“, sagt Donert.

Es beginnt am Einlass: Ohne E-Ticket kommt niemand ins Inselbad. „Aus Infektionsschutz-Gründen wird die Zahl der Badegäste begrenzt. Um dies kontrollieren zu können, benötigen alle Badegäste ein E-Ticket für ein Zeitfenster an einem bestimmten Tag“, sagt Böhm. Dazu müssen sich Badegäste einmalig unter „stuttgarterbaeder.de/e-ticket“ registrieren. Durch die Online-Registrierung kann eine mögliche Infektionskette nachvollzogen werden. Der Badegast kann sich sein Ticket drei Tage im Voraus kaufen. Er muss sich zwischen zwei Zeitfenstern entscheiden: Das erste Zeitfenster geht von 7 bis 12 (Montag bis Freitag) beziehungsweise 9 bis 14 Uhr (Samstag, Sonntag) und das zweite Zeitfenster geht von 15.30 bis 20.30 Uhr. „Dazwischen wird das Bad gründlich gereinigt“, sagt Böhm. Tages- und Dauerkarten gibt es nicht. Der Eintritt kostet 3,30 Euro beziehungsweise 1,90 Euro für Kinder ab sieben Jahren, Schüler, Azubis, Studierende und Schwerbehinderte. Jeder Kunde darf maximal fünf Tickets pro Zeitfenster für sich und vier weitere Personen erwerben. Es ist nur ein Besuch pro Tag möglich. Wer zuerst kauft, kommt ins Inselbad. Wenn die erlaubte Höchstzahl an Besuchern erreicht ist, ist das Kontingent erschöpft. Gäste ohne Internetzugang dürfen sich in begründeten Ausnahmefällen unter der Telefonnummer 216 57880 bei den Bäderbetrieben Stuttgart melden.

Check-In-Kontrolle: Externe Sicherheitskräfte werden bereits an der Einfahrtschranke am Parkplatz Badegäste kontrollieren und nach dem E-Ticket fragen. Wer keines vorweisen kann, muss umkehren. Am Check-In-Bereich werden die Gäste in Bahnen gelenkt. Abstand halten ist wichtig. „Es dürfen keine Warteschlangen entstehen. Badegäste lassen den QR-Code auf dem E-Ticket am Eingang – am besten auf dem Smartphone oder alternativ als Ausdruck – abscannen. Das System funktioniert in Köln gut. Hunderte Gäste werden in wenigen Minuten aufs Badgelände geschleust“, so Böhm.

Und dann? Auch im Umkleidebereich gilt es, Abstand zu wahren. Das bedeutet: Jede zweite Kabine ist verschlossen. Sammelumkleidebereiche sind gesperrt. Nur jeder dritte Schrank zum Verwahren von Kleidern kann genutzt werden.

Auf den Liegewiesen setzen die Inselbadverantwortlichen auf die Eigenverantwortung der Gäste. „Wir verzichten darauf, Standorte zu markieren und verstehen uns auch nicht als Abstandspolizei“, sagt Donert. Die beliebten Holzbänke auf dem Rasen sind abgebaut.

Auch die Fans des FKK-Bereichs werden aus Hygiene-Gründen auf Spinde und Holzbänke verzichten müssen. Sie müssten jede Stunde desinfiziert werden.

Im Familienbecken werden die Sprudler und der Gegenstrombereich abgeschaltet und die Rutschen gesperrt bleiben. Im hinteren Bereich sind zwei Bahnen abgetrennt, in denen im Kreis geschwommen oder Aqua-Jogging gemacht werden kann.

Auch im Sportbecken herrscht „Kreisverkehr.“ Jeweils zwei Bahnen sind zusammengefasst. „Auf der Bahn 3 darf beispielsweise in Richtung Sprungturm geschwommen werden, auf der Bahn 4 dann wieder in Richtung Start geschwommen werden“, sagt Donert. Auch im Wasser soll so Abstand gewahrt werden.

Das gilt auch für den Duschbereich: Immer eine Dusche bleibt gesperrt. Es gibt separate Ein- und Ausgangsbereiche und selbstverständlich Desinfektionsstationen vor den Eingängen. „Zudem werden alle Armaturen laufend mit Wischtüchern gereinigt und desinfiziert und in der langen Mittagspause erfolgt eine Grundreinigung“, sagt Böhm.

Der Sprungturm, die Sprungbretter und die Ballspielfelder bleiben zwar erst einmal gesperrt. Die Kinderspielplätze können aber genutzt werden und auch der Pächter darf das Bistro auf der Inselbad-Terrasse betreiben. Dort gelten die normalen Abstands- und Hygieneregeln.

„Es stehen auch jetzt bereits einige Attraktionen für Badevergnügen zur Verfügung und vielleicht erfolgt bald eine weitere Lockerung. Die Lage ist sehr dynamisch“, sagt Böhm. Mit hohem Personalaufwand – auch Mitarbeiter der geschlossenen Hallenbäder sind im Einsatz – versuchen die Bäderbetriebe das Schwimmvergnügen zu gewährleisten und in richtige Bahnen zu lenken. „Es kommt aber auf das rücksichtsvolle Verhalten der Badegäste an“, pocht Donert auf die Vernunft und Eigenverantwortung der Besucher.

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