Die Stammgäste Rita Lidek und Foto: Mathias Kuhn

Im Inselbad darf wieder geschwommen werden. Allerdings nur, wer vorab ein E-Ticket gekauft hat. Vereinzelt bereitet das Verfahren Badegästen aber Probleme. Viele genießen, dass weniger Besucher im Bad erlaubt sind.

Untertürkheim - Sonnenschein, blauer Himmel und 30 Grad Celsius – viele Stuttgarter zieht es in die Freibäder. Doch ganz so spontan wie in den vergangenen Jahren kommen sie nicht ins Inselbad hinein. Der Besuch in Stuttgarts größtem Freibad sollte gut vorbereitet sein. „Ohne gültiges E-Ticket können wir niemanden einlassen“, sagt Inselbadleiter Arvid Donert. Die Corona-Pandemie zwingt Stuttgarts Bäderbetriebe zu diesem Verfahren. Mit dem elektronischen Ticket kann der Zugang ins Freibad auf die durch die Landesregierung vorgegebene Besucherhöchstmenge begrenzt werden. Zudem verhindert das Verfahren lange Warteschlangen. Innerhalb von zwei Sekunden ist das Ticket gescannt und der Badegast hat freien Eintritt. Er muss sich zuvor entweder für das Zeitfenster von 7 bis 12 Uhr oder für das Nachmittagskontingent von 15.30 bis 20.30 Uhr entschieden haben. Theoretisch kann er das Ticket zwar per Smartphone auch kurzfristig buchen. „An den kommenden drei Nachmittagen ist das Kontingent aber bereits erschöpft“, bedauert Donert. Vor allem Stammgäste strömen ins Freibad. „Es macht Spaß, wieder schwimmen zu können“, sagen Hans-Peter Schulze, der täglich im Familienbecken seine Runden dreht. Im gebührenden Abstand von ihm entfernt bewegt sich Rita Lidek durchs Wasser. „Beim E-Ticket muss mir meine Tochter helfen, da ich selbst keinen Internetzugang besitze“, sagt die Seniorin. Wie ihr ergeht es so manchen älteren Stammgästen. Die Bädergesellschaft hat deswegen die Möglichkeit eingerichtet, am Verwaltungssitz in der Breitscheidstraße das Eintrittsticket zu kaufen. „Zu umständlich. Der Weg ist mir zu weit“, sagt Theresia Volgger aus Untertürkheim. Seit Jahren mietet sie eine Kabine auf der Sonnenterrasse des Inselbads. Wegen der Hygienebestimmungen durfte Inselbadleiter Donert die Kabinen nicht freigeben. „Vieles ist dieses Jahr anders, aber auf das frühmorgendliche Schwimmen will ich nicht verzichten“, betonen Volgger und Lidek.

Die überwiegende Zahl der Besucherinnen und Besucher haben mit dem neuen Verfahren keine Probleme. „Beim ersten Registrieren hat es etwas länger gedauert, seitdem geht es gut“, berichten Christine Wiltafsky und Petra Frank aus Uhlbach. Das E-Ticket und die Reglementierung der Besucherzahlen habe sogar Vorteile, meint ein anderer Dauergast. „Am Einlass bilden sich keine lange Warteschlangen und in den Schwimmbecken kann man entspannt seine Bahnen ziehen“, sagt der Untertürkheimer. Er hat sich im Sportbecken für die Bahnen 4 und 5 entschieden. Sie sind zusammengelegt. Kreisverkehr ist angesagt. Auf der rechten Bahn geht es Richtung Sprungbecken, auf der Gegenbahn darf zum Startblock zurück geschwommen werden. „Die Badegäste halten sich vorbildlich an diese und andere Distanzregeln“, freut sich Donert.

Überhaupt habe sich die Zusammensetzung des Publikums geändert. Das Klientel, das vergangenen Sommer einige Mal unangenehm aufgefallen sei und dazu geführt habe, dass ein zusätzlicher Ordnungsdienst engagiert werden musste, fehlt. „Dass sie sich im Vorfeld registrieren müssen und dadurch bekannt sind, hält sie offensichtlich ab“, so Donert. Natürlich trägt auch die begrenzte Besucherzahl zur entspannten Stimmung bei. „Wir können uns mit unseren jungen Kindern ungestört auf der Wiese ausbreiten und müssen keine Angst haben, dass wir umgerannt oder angepöbelt werden“, sagt ein Familienvater. Statt 5000 bis 8000 Besucher an heißen Sommertagen wie gestern dürfen jetzt nur knapp tausend Badegäste pro Tag – darunter auch Vereinssportler, Schulklassen und die Feuerwehrleute sowie Polizisten, die dort Tauchübungen machen – das erfrischende Badevergnügen genießen.

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